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Krise der offenen Immobilienfonds Ein Debakel für die deutsche Fondsbranche

26.10.2011 ·  Die Krise der offenen Immobilienfonds erschüttert das Vertrauen in das gesamte Investmentgeschäft. Ein gutes Ende ist nicht in Sicht.

Von Christian Hiller
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Die Krise der offenen Immobilienfonds entwickelt sich zu einer Belastung für die gesamte Fondsbranche. Ein Volumen von knapp 85 Milliarden Euro lag laut Fondsbranchenverband BVI per Ende August in offenen Immobilienfonds. Rund 17,4 Milliarden Euro davon - das sind 20,5 Prozent - sind derzeit eingefroren. Das heißt, die Fondsgesellschaften weigern sich, Anteile an diesen Fonds zurückzunehmen. Weitere 6,7 Milliarden Euro oder gut 8 Prozent befinden sich in der endgültigen Abwicklung.

Für die deutsche Fondsbranche ist die Krise der offenen Immobilienfonds ein Debakel. Denn Banken und Finanzvertriebe haben diese Produkte in der Vergangenheit als risikoarme Alternative zu Aktien oder Anleihen verkauft, häufig auch in Form von Sparplänen. Offene Immobilienfonds wurden den Anlegern als Betongold gepriesen. Davon kann keine Rede mehr sein, seitdem auch die Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, im Frühjahr den Uni Immo Global vorübergehend schloss. Begründet wurde der Schritt mit dem Erdbeben in Japan und der Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima. Dabei waren nur 15 Prozent des Fondsvolumens in Japan investiert.

Aberdeen wirft Handtuch

So hat nun auch die britische Gesellschaft Aberdeen bei dem Fonds Degi International das Handtuch geworfen und den Fonds mit einem Volumen von 1,6 Milliarden Euro für die Abwicklung freigegeben. Zudem haben die Anlegeranwälte Klaus Nieding und Andreas Tilp angekündigt, von der Fondsgesellschaft Morgan Stanley Real Estate Investment 250 Millionen Euro Schadensersatz zu fordern. Diese wickelt den Morgan Stanley P2 Value mit einem Fondsvolumen von rund 700 Millionen Euro ab. In der kommenden Woche werden die beiden Anwälte auf einer Pressekonferenz erläutern, wie sie Ansprüche auch gegen andere Anbieter offener Immobilienfonds geltend machen wollen.

Die Augen der Branche sind in diesen Monaten auf drei große Fonds gerichtet: den SEB Immoinvest mit einem Fondsvolumen von 6,3 Milliarden Euro, den CS Euroreal mit 6,1 Milliarden Euro und den Kanam Grundinvest mit knapp 4 Milliarden Euro. Bis Mai kommenden Jahres müssen diese drei Fonds genügend Immobilien abstoßen, um alle verkaufswilligen Anleger auszubezahlen, ohne gleich wieder in eine Schieflage zu geraten. Gelingt es ihnen nicht, bis dahin die Fonds zu öffnen, müssen sie ebenfalls in die Abwicklung überführt werden. Immerhin geben sich SEB und Credit Suisse zuversichtlich, dass ihnen die Wiederöffnung vor Ablauf dieser Gnadenfrist gelingt, die ihnen die Finanzaufsicht gesetzt hat.

Der Fondsverband BVI hat jedenfalls die Anleger schon darauf vorbereitet, dass eine vorübergehende Schließung offener Immobilienfonds künftig häufiger passieren dürfte als in der Vergangenheit. Damit lässt sich ein zentrales Produktversprechen dieser Fonds, die tägliche Verfügbarkeit, nicht mehr halten.

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