06.08.2007 · Im Zuge der Krise bei Kreditverbriefungen zieht der Fondsanbieter Frankfurt-Trust die Notbremse. Er stellt die Rücknahme von Anteilen für seinen Fonds ein. Damit ist erstmals ein Fonds betroffen, in den Privatanleger in größerem Umfang investiert hatten.
Von Steffen UttichDie Liquiditätskrise auf dem Markt für Kreditverbriefungen zieht immer mehr Fondsschließungen nach sich. Zum Wochenauftakt stellte der erste auf dieses Marktsegment spezialisierte Fonds, in dem auch Privatanleger nennenswert investiert sind, die Rücknahme von Anteilen ein. Es handelt sich dabei um den FT ABS-Plus des deutschen Fondsanbieters Frankfurt-Trust, der zur Unternehmensgruppe der Privatbank Sal. Oppenheim gehört.
Die Lage an den Märkten für forderungsbesicherte Wertpapiere (Asset Backed Securities, ABS) habe sich vor dem Hintergrund der amerikanischen Immobilienkrise in den vergangenen Tagen deutlich verschärft, heißt es in einer Mitteilung der Fondsgesellschaft. Die Anteilsverkäufe rückzugswilliger Fondsanleger haben vor diesem Hintergrund bedrohliche Ausmaße angenommen.
Kein zeitlicher Rahmen für die Schließung
„Würden wir den Verkaufswünschen weiter nachkommen, würde dies dazu führen, dass wir Wertpapiere des Fonds nur weit unter ihrem fairen Wert veräußern könnten“, heißt es in der Mitteilung weiter. Um die weiterhin in dem Fonds investierten Anleger vor deutlichen Einbußen zu bewahren, habe man deshalb beschlossen, die Rücknahme von Anteilsscheinen vorübergehend auszusetzen. Ein zeitlicher Rahmen für die Schließung wurde nicht genannt. An einer Stelle heißt es dazu lediglich, die Kunden würden umgehend informiert, „sobald die Umstände eine Anteilrücknahme unter geordneten Verhältnissen wieder zulassen“.
Mit ähnlichen Umständen hatte in der vergangenen Woche schon Union Investment, die Fondsgesellschaft der Genossenschaftsbanken, die Schließung ihres ABS-Fonds begründet. Union-Geschäftsführer Nikolaus Sillem sprach in diesem Zusammenhang von einer „Störung von Angebot und Nachfrage“. Nach Angaben von Fondsmanagern werden für Kreditverbriefungen unterhalb der besten Bonitätseinstufung „AAA“ kaum noch Kurse gestellt. Ob in diesen Wertpapieren die berüchtigten amerikanischen Immobilienkredite mit schlechter Bonität (Subprime) zu finden seien oder nicht, spiele inzwischen keine Rolle mehr.
Neue Qualität in der Reihe von Fondsschließungen
In den Fonds von Union Investment und Frankfurt-Trust lag eine hohe Gewichtung in Verbriefungstranchen mit einer Bonitätseinstufung von „A“ und darunter, für die es derzeit kaum noch Käufer gibt. Für „AAA“-Wertpapiere soll inzwischen schon ein Aufschlag von einem Prozent gegenüber der sicheren Geldmarktrendite gezahlt werden, was ein ungewöhnlich hoher Abstand ist.
Im Fall von Union Investment ist die von der Fondsschließung betroffene Kundengruppe auf 200 institutionelle Anleger - überwiegend Volksbanken und Unternehmen - begrenzt. Auch die zwischenzeitlich wegen der Liquiditätskrise geschlossenen Fonds von Axa Investment Managers (US Libor Plus) und HSBC Investments (HSBC Trinkaus ABS) wurden in der Vergangenheit nahezu ausschließlich an institutionelle Investoren verkauft. Im Falle von HSBC ist von 20 Großkunden die Rede. Die Schließung des Frankfurt-Trust-Fonds, dessen Klientel, gemessen am Volumen zu schätzungsweise 40 Prozent aus Privatanlegern besteht, stellt deshalb eine neue Qualität in der Reihe von Fondsschließungen in den zurückliegenden Tagen dar.
Puffer reichte nicht aus
In den vergangenen Jahren war der ABS-Plus ein Vorzeigeprodukt der Fondsgesellschaft Frankfurt-Trust. Im Dezember 2000 aufgelegt, war er der erste Fonds auf dem Markt, der schwerpunktmäßig in Kreditverbriefungen investierte und zu dem Privatanleger Zugang hatten. Der ABS-Plus wurde mit seiner Chance-Risiko-Einstufung der Kategorie weltweite Rentenfonds zugeordnet. Die Konstrukteure dieses Fondsmodells hatten sich bei der Auflegung schon mit der Liquiditätsproblematik des zugrundeliegenden Marktes beschäftigt.
Um mögliche Schwierigkeiten diesbezüglich abzufedern, sollten klassische Anleihen - vor allem von Unternehmen und Schwellenländern - ein Drittel des Portfolios ausmachen, weil sie im Bedarfsfall rasch veräußert werden könnten. Allerdings reichte dieser Puffer in den vergangenen Wochen offenbar nur ansatzweise aus, um die Abflüsse abzufedern. Ende Juni betrug das Fondsvolumen des ABS-Plus 240 Millionen Euro. Vor der Entscheidung zur Schließung des Fonds waren es noch 160 Millionen Euro.
Steffen Uttich Jahrgang 1970, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.
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