03.09.2007 · Die Liquiditätskrise am Markt für Kreditverbriefungen scheint ihren Höhepunkt überschritten zu haben. BNP Paribas hat als erstes Bankhaus einen geschlossenen Fonds wieder geöffnet. Dessen neuer Preis macht das Ausmaß der Wertverluste deutlich.
Von Steffen UttichDie Liquiditätskrise am Markt für Kreditverbriefungen scheint ihren Höhepunkt überschritten zu haben. Mit dem Parvest Dynamic ABS aus dem französischen Bankhaus BNP Paribas hat der erste auf forderungsbesicherte Wertpapiere (Asset Backed Securities, ABS) spezialisierte Investmentfonds den ungewöhnlichen Schritt einer Schließung inzwischen wieder rückgängig gemacht.
Vor einem Monat stellten mehrere ABS-Fonds die Rücknahme von Anteilen ein und ließen damit rückzugswillige Anleger auf ihren Papieren sitzen. Zur Begründung wurde darauf verwiesen, dass entweder gar keine oder völlig unangemessene Kurse für viele im Portfolio enthaltene Titel gestellt würden. Die Schließungen verschärften die damals heraufziehende Krise an den Kreditmärkten.
Verheerender Abschlag
Seit dem vergangenen Freitag wird für den BNP-Paribas-Fonds wieder ein Anteilspreis ermittelt. Zwar fiel der Wertverlust vom Zeitpunkt der Schließung am 7. August bis zur Öffnung mit 1,2 Prozent geringer als erwartet aus - zuvor war BNP Paribas von 4 bis 5 Prozent ausgegangen. Das ändert aber nichts an den Umstand, dass sich der Wertverlust seit Anfang Juli auf insgesamt 7,7 Prozent summiert. Angetreten ist der Parvest Dynamic ABS als Geldmarktfonds mit dem Ziel, einen kontinuierlichen Wertzuwachs zu erwirtschaften und dabei die Entwicklung des europäischen Interbankenzinses Euribor für drei Monate nachzuvollziehen. Der Wert der Fondsanteile hätte vor diesem Hintergrund seit Anfang Juli eigentlich um rund 0,5 Prozent steigen müssen.
Der Abschlag von fast 8 Prozent ist für ein Anlageprodukt, das als Geldmarktfonds geführt wird, verheerend. Er macht den kontinuierlichen Wertzuwachs über die vergangenen drei Jahre auf einen Schlag zunichte und dürfte das Vertrauen der betroffenen Kunden nachhaltig erschüttern. Das Geschehen in dem ABS-Fonds von BNP Paribas zeigt auf jeden Fall das Ausmaß, in dem sich die Wertverluste für Fonds mit einem Schwerpunkt in Kreditverbriefungen bewegen dürften. Einen weiteren Anhaltspunkt bietet für Anleger in Deutschland derzeit nur noch der ABS-Fonds der DWS. Die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank entschied Mitte August, rückzugswillige Anleger im Gegensatz zu ihren Wettbewerbern nicht auf ihren Papieren sitzen zu lassen.
Umstellung auf marktnahe Kurse
Allerdings wurde dafür die Bewertungsmethodik umgestellt: Normalerweise wurden die Anteilspreise täglich auf Basis der Mitte der Kurse ermittelt, die Investmentbanken für den Verkauf und den Ankauf der ABS-Titel des Fonds nannten. Von 10. August an gilt jedoch nicht mehr die Mitte der jeweiligen Geld-Brief-Spanne der Wertpapiere als Maßstab, sondern allein der Preis, zu dem ein Broker bereit ist, die Titel anzukaufen. Diese Umstellung führte zu einem sofortigen Abschlag des Rücknahmepreises von 2,6 Prozent. Inzwischen liegt der Wertverlust seit Anfang Juli bei 4,6 Prozent.
Auch die Öffnung des ABS-Fonds von BNP Paribas wurde erst durch die Umstellung der Anteilspreisberechnung auf marktnahe Kurse möglich. Das ist ein Schritt, vor dem andere Investmentgesellschaften, die ihre ABS-Fonds vorübergehend geschlossen haben, derzeit noch zurückschrecken. Der zur BHF-Bank gehörende Frankfurt-Trust verweist beispielsweise auf die unterschiedliche Portfoliozusammensetzung der beiden konkurrierenden ABS-Fonds und des eigenen FT ABS-Plus. Weil erstere als Geldmarktfonds geführt würden, seien sie entsprechend in Papieren mit bester „AAA“-Bonität investiert, für die es weiterhin Kurse gebe.
Der Frankfurt-Trust-Fonds wird jedoch der Kategorie Rentenfonds zugeordnet. In ihm sind somit ABS-Titel mit einer Bonitätsbewertung von „A“ und schlechter zu finden. „In diesem Segment funktioniert der Markt unverändert nicht“, sagt ein Sprecher der Gesellschaft. Deshalb ist weiterhin nicht absehbar, wann die Schließung des auch in Depots von Privatanlegern verbreitete FT ABS-Plus wieder aufgehoben wird.
Verluste bei Geldmarktfonds
Peter Odendahl (odendahl1)
- 04.09.2007, 19:23 Uhr
Steffen Uttich Jahrgang 1970, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.
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