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Kreditmarkt Der Fall IKB verschärft die Vertrauenskrise

Am Donnerstag brachen Aktien und Genussscheine der IKB noch einmal deutlich ein, nachdem das Rettungspaket deutlich machte, dass das Ausmaß der Krise noch größer ist als zunächst angenommen. Der größte Schaden aber ist die Belastung des Vertrauens.

© AP Vergrößern IKB: Ausmaß des Vertrauensschadens noch nicht absehbar

Als ob der Montag für die IKB Deutsche Industriekreditbank nicht schon schlimm genug gewesen wäre, ging das Drama am Donnerstag weiter, als im Zuge der Schnürung eines Rettungspaketes für das Geldinstitut, das bislang als seriöse Mittelstandsbank wahrgenommen wurde, deutlich wurde, dass die Krise weitaus schlimmer ist, als zuvor angenommen.

Der Großaktionär KfW, der 38 Prozent an der IKB hält, erklärte zwar, das maximale Verlustrisiko betrage 3,5 Milliarden Euro, wovon man 70 Prozent abdecken werde, wie eine Sprecherin sagte. Den Rest teilen sich die Privatbanken und öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute.

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Rückzugsgefechte zur Schadensbegrenzung

Allerdings springt die KfW in den Vereinigten Staaten für die IKB ein und übernimmt eine Bürgschaft über 8,1 Milliarden Euro. Dies ist das Volumen einer Liquiditätslinie, die die IKB ursprünglich einem amerikanischen Fonds gewährt hatte und die nun mit allen Rechten und Pflichten von der KfW übernommen wird. Zudem übernimmt die KfW bis zu einer weiteren Milliarde Euro möglicher Verluste bei der IKB selbst.

Infografik / IKB-Aktie 030807 © FAZ.NET Vergrößern

Derweil versucht man, die aufgeregten Investoren zu beruhigen. So hieß es aus laut der Tageszeitung „Die Welt“ aus Kreisen, der zweite amerikanische Fonds, an dem die IKB beteiligt ist, „Rhine Bridge“, sei „derzeit nicht in Gefahr“.

Auch an anderen Fronten finden Gefechte zu Schadensbegrenzung statt, die genauer betrachtet erst deutlich machen, wie knapp die IKB einem Zusammenbruch entkommen sein muss.

Krise oder nicht?

So gab die IKB bekannt, dass man über Liquiditätsreserven in der Bilanz von über zwölf Milliarden Euro verfüge, wodurch der Liquiditätsbedarf für die nächsten zwölf Monate, auch unter Berücksichtigung des geplanten Neugeschäftes, gedeckt sei. Zudem stünden der IKB Geld- und Kreditlinien in gewohntem Umfang zur Verfügung.

Auch die Tatsache, dass der Chef der Finanzaufsicht BaFin, Jochen Sanio, am Wochenende vor der schwersten Bankenkrise seit 1931 warnte, sollte die IKB zusammenbrechen, spricht eine deutliche Sprache, unterstellt man dem obersten Bankenaufseher nicht Leichtfertigkeit (vgl. dazu auch Die Krise 7: Rettung für die IKB).

Das mag übertrieben sein, wie es auch Bundesbankpräsident Axel Weber am Donnerstag darstellte. Die Tatsache aber, dass Weber von „institutsspezifischen“ Problemen sprach, verkleinert nicht die Probleme der IKB, die laut Weber „durch den Beistand der KfW wirkungsvoll aufgefangen“ würden.

Probleme auch anderenorts

Zudem sei das Engagement deutscher Kreditinstitute im amerikanischen Immobilienmarkt „überschaubar und insgesamt begrenzt“. Es konzentriere sich auf Anlagen mit hoher Bonität. Weber wies den in einigen Medienberichten hergestellten Vergleich der aktuellen Wirtschaftslage zur Bankenkrise 1931 als „völlig abwegig“ zurück.

Andererseits gibt dann wieder zu denken, wenn die drittgrößte Fondsgesellschaft Union Invest, wie am Donnerstag erst bekannt wurde, seit der vergangenen Woche keine Anteile mehr an dem eine Milliarde Euro schweren Fonds ABS-Invest zurücknimmt, weil sie aufgrund von Mittelabflüssen Zwangsverkäufen aus dem Portfolio hätte tätigen müssen, deren Erlös weit unter dem angemessenen Wert gelegen hätte.

Fraglich auch, ob diese überhaupt möglich gewesen wären - denn wie es zur Begründung hieß, stellten die großen Investmentbanken als wichtigster Handelspartner keine Kurse mehr. „Die Neubewertung läuft dabei nach der Formel ab: Gehebelte illiquide Titel müssen einen höheren Abschlag hinnehmen als nicht gehebelte liquide Titel“, kommentierte ein Frankfurter Fondsmanager das Geschehen.

Was und wie viel noch? - Teil I

Auch wenn Union-Geschäftsführer Sillem betont, dass keine Ansteckungsgefahr für andere Union-Fonds bestehe, weil die im ABS-Invest enthaltenen Titel in keinem anderem Portfolio des Hauses zu finden seien, so fragt man sich in Bezug auf die deutsche Finanzbranche: Was und wie viel noch?

Mit Schuld an der dräuenden Vertrauenskrise ist sicherlich die IKB selbst, die noch vor zwei Wochen ihre Prognosen bestätigt hatte und so wird auch schon nach dem Schuldigen gesucht. Im Visier steht zwangsläufig der geschasste IKB-Vorstandsvorsitzende Stefan Ortseifen. Der Vorstand sei seinen Informationspflicht gegenüber dem Aufsichtsrat „nur sehr eigenwillig nachgekommen“, heißt es in einem Bericht der „Welt“. Die Kontrolleure wehren sich gegen Vorwürfe, sie hätten die drohende Schieflage der Bank früher erkennen und darauf reagieren müssen.

Suche nach Schuldigen

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