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Kreditkrise Hedge-Fonds stehlen sich aus Verantwortung für Verluste

17.08.2007 ·  Schuld sind immer die anderen: Nach den hohen Verlusten der vergangenen Wochen haben die meisten Hedge-Fonds keine Entschuldigungen für ihre Anleger parat. Grund ist nicht zuletzt die Angst vor Klagen.

Von Norbert Kuls, New York
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Einer Menge reicher Privatanleger und Großinvestoren flatterten in den vergangenen Tagen Briefe auf den Tisch. Verfasser der Schreiben waren die Gründer von Hedge-Fonds, denen diese Anleger Millionen-Dollar-Beträge anvertraut hatten. Der Grund für die Briefe war immer der gleiche. Dem „lieben Investor“ wurden die Verluste der vergangenen Monate erklärt. Bis auf wenige Ausnahmen fehlte den meisten Briefen allerdings eine höfliche Geste: eine Entschuldigung bei den Anlegern.

Schuld an den Verlusten hatten offenbar immer die anderen: andere Hedge-Fonds oder der Markt im Allgemeinen. Das erscheint kurios, weil die besonders betroffenen Hedge-Fonds eigene Computermodelle für Kauf- und Verkaufsentscheidungen nutzten.

„Noch nie da gewesene Marktgeschehnisse“

Fonds, die auf diese quantitativen Strategien setzen, hatten vor dem Hintergrund der Kursturbulenzen am amerikanischen Anleihe- und Aktienmarkt in den vergangenen zwei Wochen hohe Verluste eingefahren. Von der Anlage in Hedge-Fonds versprechen sich Anleger in der Regel überdurchschnittliche Renditen bei geringerem Risikoprofil.

Der Hedge-Fonds Black Mesa Capital machte „noch nie da gewesene Marktgeschehnisse“ für die Verluste von rund 10 Prozent in den ersten Augustwochen verantwortlich. Zu diesen Geschehnissen gehörte dem Schreiben zufolge die „Liquidierung massiver Portfolios anderer Anleger, möglicherweise großer Hedge-Fonds.“ Die Hedge-Fonds-Gesellschaft Highbridge Capital Management zeigte mit dem Finger auf direkte Konkurrenten und wusch sich damit von jeglicher Verantwortung für ihre Computerprogramme rein.

Unbeteiligte Zuschauer in einem schwierigen Markt

„Wie sie möglicherweise wissen, erleben viele Hedge-Fonds und Vermögensverwalter, die ähnliche Strategien anwenden, noch nie da gewesene Schwankungen“, hieß es in dem Brief. Der Highbridge-Statistical-Opportunities-Fonds verlor 18 Prozent in den ersten acht Tagen im August.

Die Investmentbank Goldman Sachs charakterisierte ihre computergetriebenen Hedge-Fonds als unbeteiligte Zuschauer in einem schwierigen Markt. „Die quantitativen Fonds der Vermögensverwaltung von Goldman Sachs sind in diesem schwierigen Umfeld nicht verschont worden“, erklärte die Wall Street Bank ihren Kunden. Die Fonds von Goldman hatten in den ersten 10 Tagen des August zwischen 17 Prozent und 34 Prozent eingebüßt. Goldman und andere Investoren hatten angekündigt, einem Fonds 3 Milliarden Dollar neues Kapital zuzuschießen, um damit neue Handelsmöglichkeiten auszunutzen.

Mitgefühl für die „verheerenden“ Verluste

Einige Investoren hätten ein „Mea Culpa“ diesen Erklärungen vorgezogen. „Ich würde gerne ein ,Es tut mir leid' hören“, sagte Jane Buchan vom kalifornischen Vermögensverwalter Pacific Asset Management dem „Wall Street Journal“. Die Zurückhaltung der Hedge-Fonds erklärt sich möglicherweise mit der Furcht vor Anlegerklagen, für die in den Vereinigten Staaten keine große Hemmschwelle besteht. Aber es gibt auch Ausnahmen. Jeff Larson, der Gründer der Hedge-Fonds-Gesellschaft Sowood zeigte Mitgefühl für die „verheerenden“ Verluste seiner beiden Fonds, die innerhalb weniger Wochen 50 Prozent eingebüßt hatten und jetzt abgewickelt werden. „Es tut uns sehr leid, dass das passiert ist“, schrieb Larson, zu dessen Anlegern der Stiftungsfonds der Universtität Harvard gehörte.

Die Turbulenzen am amerikanischen Aktienmarkt gingen unterdessen weiter. Am Donnerstag stand der Aktienkurs der größten Hypothekenbank Countrywide Financial erneut unter Druck. Countrywide teilte am Donnerstag mit, dass 40 Banken eine Kreditlinie von insgesamt 11,5 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt haben, um einem drohenden Liquiditätsengpass vorzubeugen. Zudem war der Aktienkurs von KKR Financial, einer börsennotierten Tochtergesellschaft der Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts, eingebrochen. KKR Financial hatte Verluste in Höhe von maximal 240 Millionen Dollar wegen Investitionen in Hypothekenkredite avisiert. Die Krise im Hypothekenmarkt war entstanden, nachdem bei Hausbesitzern mit schlechter Kreditwürdigkeit (Subprime) die Kreditausfälle gestiegen waren.

Quelle: F.A.Z., 17.08.2007, Nr. 190 / Seite 21
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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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