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Kreditderivate Bear Stearns will Kredit-Hedge-Fonds retten

20.06.2007 ·  Massive Ausfälle im Bereich der Hypothekenkredite für Schuldner schlechter Qualität ziehen Kreise. Einigen Hedge-Fonds und Investmentbanken tut dies sehr weh. Wollen die Banken nun die „Bewertungswahrheit“ verschleiern?

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Bear Stearns ist bereit, mit einem Kredit in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar einen Verluste bringenden Hedge-Fonds ihrer Vermögensverwaltungssparte zu retten. Das verlautete aus dem Umfeld der Investmentbank. Voraussetzung sei, dass einige der Gläubiger des Hedgefonds eine Finanzspritze von 500 Millionen Dollar in bar bereitstellen, hieß es. Danach sieht es im Moment allerdings nicht aus: Merrill Lynch & Co., einer der Gläubiger, will bereits am Mittwoch Anleihen des Fonds im Wert von 800 Millionen Dollar verkaufen.

Bei den Anleihen handelt es sich um sogenannte Collateralized Debt Obligations (CDO), Papiere, die durch einen Pool von Anleihen und Krediten besichert sind. Die Papiere sind vorwiegend über Hypotheken oder andere Wohnbaukredite abgesichert und haben erstklassige Bonitätsnoten von „AAA“ oder „AA“, verlautete aus dem Umfeld der Bank. Die CDO stellten die gesamten Sicherheiten dar, die der Hedgefonds Merrill für seine Kredite gegeben habe.

Deutliche Wertverluste bei Kredit-Hedge-Fonds

Am Dienstag habe Merrill bereits eine Liste der zum Verkauf stehenden Papiere an Investoren gegeben, berichtete eine mit den Vorgängen vertraute Person, die ihren Namen nicht genannt haben wollte. Zwei Tage zuvor hatte Merrill die Auktion noch verschoben, während Bear Stearns den Sanierungsplan erarbeitete.

Der Hedge-Fonds mit Namen High-Grade Structured Credit Strategies Enhanced Leverage Fund war erst vor zehn Monaten mit einem Kapital von 600 Millionen Dollar aufgelegt worden. Verwaltet wird er von Ralph Cioffi, Senior Managing Director bei Bear Stearns. Nachdem die Anleger per 30. Juni insgesamt 300 Millionen Dollar abziehen wollten, stoppte Bear Stearns die Rückzahlungen. Seit Jahresanfang hat der Hedge-Fonds rund 20 Prozent seines Wertes eingebüßt.

Der High-Grade Structured Credit hat Kredite in Höhe von mindestens 6 Milliarden Dollar aufgenommen. Zusammen mit einem kleineren Schwesterfonds, der weniger kreditlastig ist, kontrollierte der Fonds einem Berichte des Wall Street Journal zufolge zeitweise über 20 Milliarden Dollar. Beide Hedge-Fonds haben laut dem Zeitungsbericht 2,25 Milliarden Dollar ihrer insgesamt 9 Milliarden Dollar an Krediten zurückgezahlt.

Verluste bei dem Hedge-Fonds erzwangen in der vergangenen Woche, dass Hypothekenanleihen im Volumen von vier Milliarden Dollar verkauft wurden. Wenn der Fonds möglicherweise geschlossen werden muss, befürchten Investoren, dass es zu weiteren Verlusten am Markt für Subprime-Hypotheken kommt. „Es ist schwer zu sagen, ob das ein einzelnes Ereignis war oder ob es ähnliche Fälle gibt, in denen Fonds diese Papiere gekauft haben und mit niedrigeren Bewertungen oder Kapitalabflüssen rechnen müssen“, sagt Peter Nolan, Produktportfolio-Manager bei Smith Breeden Associates in Chapel Hill, North Carolina.

Wollen die Banken die „Bewertungswahrheit“ verschleiern?

Wahrscheinlich erwägen die Banken deshalb eine Sanierung, weil ein Verkauf der Vermögenswerte des Hedge-Fonds sie zwingen könnte, ihre eigenen Investments sowie die anderer Hedge-Fonds, an die sie Kredite vergeben haben, neu zu bewerten, erläutert Josh Rosner, Managing Director bei dem Analyseunternehmen Graham Fisher & Co. in New York. „Die Vermögenswerte dürften zu einem deutlich höheren Wert angesetzt sein“ als sie wirklich haben, führt er aus.

Rosner fühlt sich durch die Rettungsaktion an den Fall des Hedge-Fonds Long-Term Capital Management im Jahr 1998 erinnert. Damals übernahmen die Kreditoren 90 Prozent an dem Hedge-Fonds, der 4,6 Milliarden Dollar Verluste eingefahren hatte, und verkauften nach und nach die Aktiva, um die Auswirkungen des Zusammenbruchs abzumildern. Zu den Gläubigern gehören neben Merrill Lynch auch JPMorgan Chase & Co.& Co. und die britische Barclays Plc. Barclays wolle rund 250 Millionen Dollar zu der Sanierungsaktion beitragen, berichtete das Wall Street Journal. Der amerikanische Finanzdienstleister Citigroup leitet einen Gläubigerausschuss, der laut dem Journal weitere 250 Mill. Dollar beisteuern dürfte. Bank of America werde diese Woche ebenfalls einige CDOs im Namen des Bear-Hedgefonds anbieten, hieß es in informierten Kreisen. Dieser Verkauf sei bereits früher geplant gewesen.

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