21.03.2006 · Eine Untersuchung von Depots deutscher Privatanleger läßt nur einen Schluß zu: Selbst die einfachsten Anlageregeln werden nach wie vor nicht eingehalten.
Die deutschen Privatanleger haben den Crash, der sich nach dem Platzen der High-Tech- und Internet-Blase an den Aktienmärkten einstellte, offenbar nicht als Gelegenheit dazu genutzt, ihre bisherige Anlagephilosophie grundlegend zu überdenken. Mit einer modernen Anlagestrategie hat die Zusammensetzung der Depots nach wie vor jedenfalls wenig gemein. Es werden vielmehr weiterhin die altbekannten Fehler gemacht.
Nur diesen und keinen anderen Schluß läßt eine von der Zeitschrift Wirtschaftswoche beim Münchner Marktforschungsunternehmen Tetralog in Auftrag gegebene Untersuchung zu. Wie die Begutachtung ergeben hat, kaufen die deutschen Privatanleger vor allem deutsche Werte: Neun von zehn Aktien stammen von deutschen Unternehmen. Das ist deshalb ein schwerer Fehler, weil schon viele Studien bewiesen haben, wie sehr eine zu starke Gewichtung heimischer Titel nicht nur zu Lasten der Rendite geht, sondern zudem auch noch das Risiko erhöht.
Mit den gleichen Argumenten läßt sich zudem die Tatsache kritisieren, daß laut der Untersuchung rund 90 Prozent der Anleger aus den immer gleichen 30 bis 40 Titeln auswählen und in der Gunst der deutschen Anleger weiterhin vor allem die Papiere von Großunternehmen hoch im Kurs stehen: Alle neun deutschen Lieblingsaktien stammen aus dem Dax.
Der hohe Anteil der T-Aktie ist regelrecht schockierend
Von einer ausgewogenen Risikostreuung kann vor diesem Hintergrund selbstverständlich nicht die Rede sein. Außerdem weckt die Bestandsaufnahme die Befürchtung, daß kaum ein Privatanleger von dem seit mehr als vier Jahren anhaltenden Boom der Nebenwerte profitiert hat. Die ratsame Vorgehensweise, auf Trends zu setzen und Gewinneraktien zu kaufen, aber dafür Verliereraktien zu meiden, hat folglich kaum ein Privatanleger wirklich verinnerlicht.
Beim Einsatz moderner Anlagetechniken wäre es wohl auch kaum vorstellbar, wieso ausgerechnet die T-Aktie die mit Abstand beliebteste Aktie in den 20.000 begutachteten Depots deutscher Privatanleger ist. Die Anteilsscheine waren in 35,2 Prozent aller untersuchten Privatdepots enthalten und danach folgten Daimler-Chrysler (28,4 Prozent), Allianz (21,9 Prozent) und mit Nokia (21,6 Prozent) der einzige ausländische Wert in den Top 10.
Was die T-Aktie angeht, liegt die Vermutung nahe, daß die meisten dieser Aktien jeweils bei den Börsengängen der Deutschen Telekom gekauft wurden. Stimmt diese Annahme, bedeutet das nichts anderes, als daß die meisten Anleger bei dieser Position auf herben Verlusten sitzen. Und das wiederum läßt den Schluß zu, daß kaum jemand Stop-Loss-Kurse einsetzt, obwohl das eines der wichtigsten Instrumente ist, um Verluste zu vermeiden.
Die Mehrheit besitzt überhaupt keine Aktien
Psychologisch ist das sture Festhalten an Verliereraktien wie der T-Aktie leicht zu erklären. Schließlich ist aus dem Fachbereich Behavioral Finance seit langem bekannt, wie schwer es Anlegern fällt, sich Fehler einzugestehen. Aber genau deshalb, weil dieses Verhalten in der Natur des Menschen liegt, sollten sich aufgeklärte Anleger darum bemühen, diese Fehlerquelle durch automatisierte Mechanismen wie Stopp-Loss-Kurse auszuschalten.
Bei aller Kritik haben sich die Besitzer der in den Test einbezogenen Depots auch etwas Lob verdient. Sie können sich immerhin zu Gute halten, überhaupt auf Aktien zu setzen. Denn damit zählen sie in Deutschland nach wie vor zu den Außenseitern. Derzeit sind nach Angaben des Deutsches Aktieninstituts nämlich nicht einmal elf Prozent der Deutschen in Aktien oder Aktienfonds investiert und der Anteil der Aktien am Geldvermögen der Privathaushalte liegt gerade einmal bei etwa sieben Prozent.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |