01.09.2003 · Der Titel Fondsmanager des Jahres hat für Anleger kaum anlageentscheidende Bedeutung. Denn der Ansatz greift zu kurz, wie die oft schwachen Leistungen der Gekürten in den Folgejahren beweisen.
Von Hanno BeckDer junge Alexander eroberte Indien - er allein? Cäsar schlug die Gallier - hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?" Die "Fragen eines lesenden Arbeiters" von Bert Brecht verdeutlichen, wie sehr Menschen auf Einzelpersonen fixiert sind - man sieht die Führungsfigur, den Repräsentanten, die Person im Rampenlicht, nie aber all die Menschen, die auch hinter dem Erfolg oder der Geschichte stehen.
Und da die Fondsbranche ungeachtet ihres Images als kalte, zahlenfixierte Geldmaschinerie eine sehr menschliche Veranstaltung ist, verwundert es nicht, daß man auch hier personenzentriert denkt.
Titel Fondsmanager des Jahres sagt nicht viel aus
Nirgendwo spiegelt sich diese personenzentrierte Gedankenwelt besser wider als in der Wahl des Fondsmanagers des Jahres - einmal im Jahr wird von einem Finanzmagazin des Landes der rentierlichste gewählt und öffentlich zum Mann des Jahres ausgerufen.
Für die Fondsgesellschaften ist das eine runde Sache: Weiß sie einen Sieger in ihren Reihen, so hat sie ein prächtiges Argument für die Werbung und kann auf Mittelzuflüsse hoffen. Aber was hat der Anleger davon?
Nicht viel, glaubt man Gerd Bennewirtz, Vorstand des Finanzdienstleisters SJB Fondsskyline. Er hat die Leistung der Fondsmanager des Jahres in den darauffolgenden Jahren untersucht und kommt zu einem eher vernichtenden Fazit:
Von zwölf Fondsmanagern des Jahres konnten neun ihre Leistung aus dem Siegerjahr in den darauffolgenden Jahren nicht halten und verloren teilweise sehr deutlich den Anschluß in ihrer Vergleichsgruppe. „Unter den Siegern überwiegen die Eintagsfliegen", stellt Bennewirtz fest.
Kriterium Performance greift zu kurz
Das mag auch daran liegen, daß bei der Wahl zum Sieger nur ein Kriterium entscheidet, nämlich die Wertentwicklung im betreffenden Jahr. Das führt dazu, daß in einem Jahr der Manager eines biederen Rentenfonds mit einem Plus von 8,7 Prozent Sieger werden kann, in einem anderen Jahr der Manager eines Asien-Fonds mit einem Plus von 550 Prozent.
Damit kürt zu einem Großteil der Markt den Fondsmanager des Jahres: Er kommt aus dem Anlagesegment, das in dem betreffenden Jahr am besten abgeschnitten hat. Das erklärt wohl auch, warum 1998 Kurt Ochner zum Fondsmanager des Jahres gekürt wurde - eine Entscheidung, die in der Rückschau unglücklich wirkt.
„Natürlich gibt es auch Ausnahmeerscheinungen in diesem Geschäft, man findet sie zumeist in Nischensegmenten", sagt Thomas Portig von HCM Capital Management. Der Blick auf die Liste der Fondsmanager des Jahres gibt ihm Recht: Eine der wenigen Ausnahmeerscheinungen unter den Siegern ist beispielsweise Jürgen Kirsch, der sogar zweimal in seiner Kategorie Osteuropa Sieger wurde und den Erfolg von seinem Arbeitgeber Mercury bei seinem Wechsel mitnehmen konnte - der alte Fonds bei Mercury hingegen rutschte in den Ranglisten deutlich ab. Auch der Nebenwertespezialist Karl Fickel konnte seinen Erfolg von seinem ehemaligen Arbeitgeber Invesco in seine eigene Gesellschaft Lupus Alpha hinüberretten.
Titel Fondsmanager des Jahrzehnts wäre aussagekräftiger
Aber was - um es mit Brecht zu fragen - wäre ein Cäsar ohne seine Truppen, ein Fondsmanager ohne sein Team? Keine Frage, kein Fondsmanager kommt ohne Zuarbeit aus. Und eine Eigenschaft, die einen exzellenten Fondsmanager ausmacht, ist es, dieses Team zu organisieren, zu motivieren und nötigenfalls auch bei einem Wechsel der Gesellschaft mitzunehmen.
„Ein Fondsmanager braucht auch die guten Verbindungen zu den Maklern, zu den Analyseabteilungen der Banken und Finanzdienstleister, um immer mit guten und aktuellen Informationen versorgt zu werden", sagt Portig weiter. Mit anderen Worten. Die Brillanz eines Cäsaren zeigt sich nicht nur in seinen Anlagekünsten, sondern auch in seinen Führungsqualitäten, seinen Verbindungen und seinen Erfahrungen.
Gibt es also doch Cäsaren unter den Fondsmanagern? „Der Titel des Fondsmanagers des Jahres dient schon eher als Kontraindikator", spottet Bennewirtz, und die Logik gibt ihm zumindest teilweise recht: Schafft es ein Fondsmanager aufgrund der Tatsache, daß sein Marktsegment so gut gelaufen ist, auf das Siegertreppchen, so ist die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur in diesem heißgelaufenen Segment recht hoch - und auch der beste Fondsmanager kann sich nicht auf Dauer dem Mahlstrom des Marktes entziehen. Lieber solle man den Fondsmanager des Jahrzehnts wählen, sagt Portig - damit würde man solchen Ausnahmeerscheinungen wie beispielsweise der Investmentlegende Peter Lynch gerecht werden.
Teamansatz wird nur selten wirklich gelebt
Mittlerweile kehren die Gesellschaften aufgrund der schlechten Erfahrungen des Jahres 2000 gerne den Teamansatz nach außen, doch Beobachter sagen, daß dieser Teamansatz nur in den wenigsten Gesellschaften wirklich gelebt werde. Schließlich muß am Ende des Investmentprozesses jemand entscheiden, die Richtung angeben, den Kopf hinhalten und jemand für die Kunden die Personifizierung des sonst so gesichtslosen Produktes Fonds sein. Es wäre auch verwunderlich, wenn ein solch schillerndes Geschäft nicht ein paar Persönlichkeiten mit Charisma aufzuweisen hätte - auch wenn dies die Ausnahme bleiben dürfte.
Das Fazit: Nicht jeder Fondsmanager des Jahres wird in den Folgejahren ein Gewinn für seine Anleger sein. „Alle zehn Jahre ein großer Mann. Wer bezahlte die Spesen?" fragt der lesende Arbeiter in Brechts Gedicht. Wenigstens diese Frage könnten ihm wohl viele Fondskunden beantworten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |