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Fondsmanager im Gespräch : „Immer das Gleiche, nur anders“

Flemming Larsen, Jyske Capital Bild: Jyske Capital

Die dänische Fondsboutique Jyske erwartet auch 2017 keine dramatischen Entwicklungen. Die unentschlossene Schaukelbewegung könnte sich fortsetzen.

          Was macht Trump? Welche Folgen hat der Brexit? Bricht China zusammen? Wie jeder kennt auch Flemming Larsen diese Themen. Der für Anlagen zuständige Vorstand der dänischen Fondsboutique Jyske Capital findet sie auch interessant - außer vielleicht aus beruflicher Perspektive.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Wir hatten 2016 den Brexit und die überraschende Wahl von Donald Trump. Das sind eigentlich Jahrhundertereignisse. Und die Finanzmärkte haben darauf allenfalls vorübergehend mal kurz reagiert. Dann herrschte wieder Alltag.“ Aus diesem Grund erwartet Larsen für das neue Jahr 2017 auch keine Veränderungen. „Same same but different“ heißt die Redewendung, die den Thailändern zugeschrieben wird: Immer das Gleiche, nur anders.

          Kaufen auf Problemlösungen

          „Wir werden viele Überschriften sehen, es wird viel geredet werden, und am Ende des Tages könnte das die Märkte nur wenig bewegen.“ Ganz auszuschließen sei natürlich nie etwas, sagt Larsen, der sich in 27 Jahren im Geschäft angewöhnt hat, die großen Ereignisse nicht so dramatisch zu sehen.

          Für das Verhalten der Marktteilnehmer hat der Däne auch eine Erklärung. „Es ist wie in alten Zeiten: Viele Investoren verlassen sich darauf, dass die Fed am Ende alles richtet.“ Immer wenn als Reaktion auf rückläufige Kurse Käufe einsetzten, geschehe das mit Blick auf eine erwartete Lösung des Problems durch die amerikanische Notenbank (Fed).

          Es sei zwar keineswegs alles rosig auf der Welt. Nur die Investoren gingen eben davon aus, dass es immer eine schnelle Lösung gebe. Am deutlichsten zeige sich das daran, dass die Anleger anscheinend Chinas Probleme vergessen hätten. „Dabei ist das für mich immer noch das größte Risiko“, so Larsen. Und zählt auf: Wachstumsprobleme, hohe Verschuldung und ein aufgeblähter Immobilienmarkt. „Aber auch hier gilt: Das kennen wir alles schon.“

          In diesem Spannungsfeld von großen Unwägbarkeiten und dem Vertrauen in die Problemlösungsfähigkeit von Institutionen wie der amerikanischen Notenbank verhielten sich die Investoren opportunistisch. Sie nutzten Gelegenheiten aus und seien ebenso schnell zur Stelle wie wieder fort. Anders könne man sich auch gar nicht verhalten. „Überzeugungen sind Mangelware, man kauft, wenn die Kurse fallen, wartet auf den Ertrag und verkauft wieder.“

          Natürlich gebe es Vermögenswerte, die vielversprechender seien als andere. Die Aktien von außereuropäischen Banken wie etwa von Amerikas größter Bank JP Morgan, aber auch der peruanischen Credicorp oder der in Hongkong ansässigen AIA Group sähen derzeit attraktiv aus.

          Zulegen könnten auch Aktien von Unternehmen, die von einem steigenden Konsum in Amerika profitieren. Dabei zieht Larsen den Kreis weit und nennt neben Facebook und Alphabet auch Starbucks oder den dänischen Modeschmuckhersteller Pandora. Weniger erpicht ist der Däne auf Rohstoff- und Infrastrukturwerte. Die hätten sich zuletzt schon gut entwickelt, dafür sei es jetzt zu spät.

          Jyske Inv Stable Strategy

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          Derzeit gibt Larsen in seinem defensiven Mischfonds „Stable Strategy“, den er seit mehr als 16 Jahren managt, Aktien den Vorzug. Aktuell liegt deren Anteil bei 27 Prozent und damit deutlich über dem Richtwert von 20 Prozent. Auf der Anleiheseite setzt er auf dänische Papiere. Besonders Hypothekenanleihen seien interessant.

          Bei einer erstklassigen Bonität böten sie immer noch 0,3 Prozentpunkte mehr Rendite als deutsche Schuldverschreibungen. „Sie mögen keine hohen Erträge bringen, aber wenigstens bringen sie welche“, erklärt Larsen. Für Privatanleger seien die Anleihen indes weniger geeignet. Dazu sei der Markt einfach nicht liquide genug.

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