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Veröffentlicht: 30.01.2017, 13:03 Uhr

John Clifton Bogle Der Urvater aller Indexfonds

John Bogle hat die Geldanlage revolutioniert: Vor 40 Jahren erfand er den ersten Indexfonds (ETF). Heute kopieren alle seine Idee.

von
© Reuters John Clifton Bogle, Gründer des ersten Indexfonds’

Vor gut 40 Jahren machte John Bogle, damals Chef einer schwer angeschlagenen amerikanischen Fondsgesellschaft mit Sitz in Pennsylvania, seinen Mitarbeitern einen seltsamen Vorschlag. Er ließ sie wissen, dass man sich von nun an am Mittelmaß orientieren werde. Die Empörung war groß, denn niemand möchte durchschnittlich sein, das galt damals im Jahr 1976 schon genauso wie heute.

Dennis Kremer Folgen:

Konkret hatte Bogle Folgendes vor: Keiner seiner Leute sollte mehr versuchen, die Aktien oder Anleihen aufzuspüren, die für die Zukunft die besten Kurszuwächse versprachen. Er hatte schlicht den Glauben daran verloren, dass irgendjemand auf der Welt dazu wirklich in der Lage wäre.

Stattdessen sollten seine Mitarbeiter einfach nur die Wertentwicklung des wichtigsten amerikanischen Börsenindex, des S&P 500, nachbilden, indem sie alle 500 darin enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung kauften.

Nur Durchschnitt

Bogle gab seiner Erfindung den Namen Indexfonds, aber Durchschnittsfonds wäre auch ein passender Name gewesen. Denn ein solcher Fonds kann nicht mit einzelnen Kursraketen glänzen, sondern zeichnet immer nur die durchschnittliche Entwicklung des Aktienmarktes nach.

Steigt dieser beispielsweise um zwei Prozent, gewinnt auch der Fonds zwei Prozent hinzu. Gibt der Markt um zwei Prozent nach, verliert auch der Fonds um zwei Prozent. Aber auf diese Weise, so Bogles Idee, sichert man sich zumindest einen Durchschnittsertrag.

Niemand ahnte damals, dass diese merkwürdige Idee Jahrzehnte später die Finanzwelt in ihren Grundfesten erschüttern und die Geldanlage revolutionieren würde. Damals schüttelten die meisten von Bogles Mitarbeitern einfach nur den Kopf, viele hielten die Sache für einen Spleen.

Andererseits hatte man auch nicht mehr viel zu verlieren, denn die Fondsgesellschaft hatte sich heftig am Aktienmarkt verspekuliert. Warum es also nicht mit Durchschnitt versuchen?

„Ausmerzen“, „unamerikansich“

Die Fachwelt war weniger gnädig. Als sie hörten, was Bogle plante, schrieben amerikanische Börsenmagazine von Bogle’s folly - von einer vollkommenen Verrücktheit. Dies war noch ein vergleichsweise mildes Urteil. Empörung wurde laut, als die Konkurrenz von Bogles Plan erfuhr. Es sei „unamerikanisch“, nur Mittelmaß anzustreben, das gehöre sich nicht.

Manche griffen zu drastischen Worten: Die ganze Idee gehöre ausgemerzt. John Bogle, den in Amerika alle nur „Jack“ nennen, erklärt sich diese heftige Ablehnung heute so: „Wir alle denken, wir wären die besseren Autofahrer, die besseren Liebhaber oder eben die besseren Investoren. Etwas anderes zu hören, verletzt unser Ego.“

Zu Anfang allerdings schien es so, als würden die Empörten recht behalten. Mit seinem ersten Indexfonds, den Bogle auf den Namen Vanguard 500 taufte, hatte er Investorengelder in Höhe von 150 Millionen Dollar anlocken wollen. Am Ende wurden es gerade einmal 11,3 Millionen Dollar. Das hört sich zwar immer noch nach viel Geld an, reicht aber nicht, damit ein Fonds auf Dauer fortbestehen kann. Es war ein Desaster.

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Man muss sich klarmachen, was der Welt entgangen wäre, wenn John Bogle damals aufgegeben hätte. Denn sein so kläglich gestarteter Fonds ist heute nicht nur einer der größten Fonds der Welt - die schwer vorstellbare Summe von rund 280 Milliarden Dollar haben in erster Linie Amerikaner dort angelegt.

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