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Jeff Hochman, Fidelity „Spanien und Italien sind für alle Märkte entscheidend“

Technische Analysen von Kursverläufen dienen nicht nur für tägliche Entscheidungen, sondern können auch Basis für eine längerfristige Positionierung sein. Fundamentaldaten spielen aber kaum eine Rolle, sagt Jeff Hochman von Fidelity.

© Fidelity Jeff Hochman, Leiter Technische Strategie beim Vermögensverwalter Fidelity Worldwide Investment

Herr Hochman, Sie leiten die technische Strategie von Fidelity. Schließen sich technische Analyse und langfristige Strategie nicht aus?

Aus der technischen Analyse von Kursverläufen können täglich etliche Entscheidungen abgeleitet werden, sie kann aber auch die Grundlage für langfristige Positionierungen liefern.

Ändert sich dafür das Kursbild nicht viel zu schnell?

Als technischer Analyst bin ich ein Student der Markthistorie. Aus Kursverläufen der Vergangenheit können Wahrscheinlichkeiten für zukünftige Entwicklungen abgeleitet werden. Die Datenreihe kann sich dabei auf Minutencharts, Wochen-, Monats-, oder Jahresverläufe aber auch über mehrere Jahrhunderte erstrecken.

Haben sich die äußeren Umstände in dieser Zeit nicht grundlegend geändert, als dass daraus jetzt noch etwas abgeleitet werden könnte?

Nehmen Sie zum Beispiel den amerikanischen Aktienmarkt. Hier lassen sich auf Basis von Daten der vergangenen 90 Jahre sehr gute Prognosen aus dem Zyklus der Präsidentschaftswahlen ableiten.

Was sagt uns der Zyklus?

Das Jahresende 2012 wird sehr gut, das erste Quartal 2013 schwieriger, dann kommt eine Sommerrally und anschließend ein eher problematisches zweites Halbjahr.

Dass alles kann allein aus der Tatsache, das in Amerika Präsidentschaftswahlen stattgefunden haben, abgeleitet werden?

Wir sehen den vierjährigen Präsidentschaftszyklus im Zusammenhang mit einem Jahreszeitenzyklus und einem Zehnjahreszyklus. Die Jahre mit einer Zwei und einer Null als letzter Ziffer lassen sich deshalb besonders gut analysieren.

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Wer trifft auf dieser Basis Anlageentscheidungen?

Wir beraten mit unseren Analysen unsere Kollegen bei der strategischen Aufteilung der Vermögen auf die einzelnen Anlageklassen.

Halten die sich daran?

Es fließt in ihre Entscheidungen ein, aber sie beziehen natürlich auch viele andere Faktoren in ihre Anlageentscheidung ein.

Für Ihre Analyse spielt die allgemeine Wirtschaftslage, die sogenannten Fundamentaldaten, keine Rolle?

Es spielt eine ganz, ganz geringe Rolle und zwar in dem Moment, in dem alle extrem bullish oder bearish sind. Ansonsten weiß ich natürlich, was los ist, lese Zeitung und habe Fenster im Büro. Aber mich interessiert als technischer Analyst letztlich nur, wie die Märkte reagieren, wie sich die Kurse bewegen.

Aus dem Präsidentschaftszyklus haben Sie eine Prognose für die nächsten zwölf Monate abgeleitet. Ist das bereits die langfristige Strategie, oder gibt es noch längere Zeithorizonte?

Das große Bild zeigt einen Wandel hin zu mehr Engagements in Aktien. In den vergangenen Jahren ist viel Geld aus Aktien in die Geldmärkte und Anleihemärkte geflossen. Die Historie kennt solche Prozesse, zeigt aber auch, dass sie nie von Dauer sind. Es wird also wieder eine Zeit der Aktie kommen, solche Prozesse lassen sich aber nicht auf den Tag prognostizieren, dafür ist Geduld nötig.

Ihre Kunden erwarten aber taggenaue Prognosen.

Die geben wir auch täglich. Den größten Teil unserer Arbeitszeit verbringen wir damit, unseren Fondsmanagern jeden Tag etliche Empfehlungen zu geben, welche Aktienpositionen sie aus technischer Sicht in ihren Portefeuilles aufstocken oder abbauen sollten.

Auf welche Indikatoren achten Sie dabei?

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