15.12.2006 · Japans Aktienmarkt hinkt in diesem Jahr hinterher. Doch seit einigen Wochen zeichnet sich eine Jahresend-Rally ab. Dafür gibt es gute Gründe: Die Stimmung in den Unternehmen ist gut, die Wirtschaft könnte endlich wieder ordentlich wachsen.
Wenn in diesem Jahr von einer Hausse an den weltweiten Aktienmärkten die Rede war, kam oft der Zusatz: außer Japan. Der Nikkei 225 war 2005 um etwa 40 Prozent geklettert, 2006 aber ging es bestenfalls seitwärts - und in vielen Wochen des Jahres auch abwärts.
Jetzt aber scheint der Index Anlauf zu nehmen für eine Jahresend-Rally. Nachdem die Aktien vieler Unternehmen im Herbst noch heftig unter Druck geraten waren, stieg der Nikkei in den vergangenen drei Wochen um rund sieben Prozent. Notierte das richtungweisende japanische Börsenbarometer Ende November bei 15.700, so nimmt es nun Kurs auf die Marke von 17.000 Punkten. Am Freitag legte der Index weitere 0,5 Prozent zu und schloß bei 16.914 Zählern. Tokio erlebt zum Ausklang dieses Jahres unerwartet tolle Tage.
Japans Geschäftsklima steigt
Dazu paßt die Meldung, daß japanische Industriekonzerne derzeit so zuversichtlich sind wie seit zwei Jahren nicht mehr. Das Geschäftsklima bei anderen Firmen hat sogar den höchsten Stand seit 15 Jahren erreicht, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Tankan-Bericht der japanischen Notenbank hervorgeht (siehe nebenstehende Grafik). „Gute Absatzerwartungen und kräftige Gewinne steigern die Investitionslust der Unternehmen“, schreibt Dora Borbély von der DekaBank in einer Analyse. „Die Investitionstätigkeit dürfte im Fiskaljahr 2006 im Querschnitt aller Wirtschaftszweige und Unternehmensgrößen um 10,5 Prozent steigen.“
Der Tankan-Bericht zeigt aber auch, daß die Stimmung unter den Einzelhändlern des Landes derzeit so schlecht ist wie seit einem Jahr nicht mehr, was mit dem noch immer lahmenden Privatkonsum zusammenhängt. Für ihren vierteljährlichen Konjunkturbericht befragt die Notenbank japanische Firmen - Tankan bedeutet auf japanisch kurzfristiger Wirtschaftsausblick.
Rekordgewinne und höhere Dividenden in Aussicht
Ryoji Musha von der Deutschen Bank ist auch für die Zukunft unverändert optimistisch: „Wir glauben, japanische Aktien sind eine attraktive Anlage.“ Zahlreiche Unternehmen stellten abermals ein Jahr mit Rekordgewinnen, steigenden Dividendenausschüttungen und hohen Rückkäufen eigener Aktien in Aussicht. Tokio ändert die Gesetze für Fusionen und lockert die Bestimmungen für Akquisitionen. Das sollte den Aktienpreisen im ersten Quartal des kommenden Jahres neue Impulse geben.
Darüber hinaus sei der letzte große Kursrutsch technischer Natur gewesen, meinte Musha. Einerseits hatten Kleinanleger Anfang des Jahres exzessiv Aktien japanischer Unternehmen gekauft, um sie nach einem eher enttäuschenden Kursverlauf im Herbst wieder zu verkaufen. Andererseits spekulierten Großinvestoren seit dem Spätsommer auf deutlich schwächere Kurse amerikanischer Papiere. Sie deckten sich mit entsprechenden Short-Positionen ein und konterten diese über Käufe japanischer Anteilsscheine. Die Wirtschaft Amerikas erwies sich jedoch als robust. Als große Pensions- und Hedgefonds ihre hochspekulativen Geschäfte glatt stellen mußten, veräußerten sie ihre japanischen Papiere, um die nötigen Mittel zu heben. „Während der vergangenen Wochen sahen wir in Tokio viele Anleger wieder Aktien zukaufen“, sagte Jun Ishii vom Finanzhaus Mitsubishi.
KGV auf historischem Mittelwert
Nun sei die Aufmerksamkeit darauf gerichtet, ob der jüngste Aufschwung nachhaltiger Natur sein könne. Dagegen spräche der sich abzeichnende Rückgang in den Vereinigten Staaten - dem wichtigsten Exportmarkt für Japan. Für eine fortdauernde Hausse könne das relativ günstige Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) in die Waagschale geworfen werden. Die Bewertung aller 1.700 an der Ersten Sektion der japanischen Börse gelisteten Werte liegt derzeit beim Zwanzigfachen der prognostizierten Unternehmensgewinne. Damit sei ein historischer Mittelwert erreicht.
„Anfang des Jahres hatten wir ein Markt-KGV von durchschnittlich 17, die Papiere erschienen attraktiv, und der Nikkei schoß bis auf 17.500 Punkte in die Höhe. Daraufhin betrug das Markt-KGV 25“, erklärte Ishii. So kam es zu einer heftigen, aber kurzen Korrektur. Schließlich pendelten sich Nikkei und Markt-KGV auf dem momentanen Niveau ein. „Die jüngste Unternehmensstatistik des Tokioter Finanzministeriums zeichnet ein positives Bild von der allgemeinen Geschäftsentwicklung“, meint Kiichi Murashima von der Citigroup. Umsätze und Gewinne der Unternehmen seien solide, die Investitionen unverändert hoch und die weiteren Aussichten gut.
Aktienrückkäufe auf Rekordniveau
Vor diesem Hintergrund planen Unternehmen wie Nissan, Suzuki und Matsushita Erhöhungen der Dividenden. Japans börsennotierter Firmensektor könnte für das im März zu Ende gehende Geschäftsjahr insgesamt 30 Milliarden Euro an die Anteilseigner ausschütten. Das wären zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor und doppelt soviel wie vor zwei Jahren. Darüber hinaus peilen die Konzerne milliardenschwere Rückkäufe eigener Aktien über die Märkte an. Vorläufigen Erhebungen von Nomura Securities zufolge investierten die Unternehmen allein während der ersten sechs Monate dieses Geschäftsjahres 36 Milliarden Euro in eigene Papiere. Das ist mehr als im gesamten Rekordjahr 2005.
Den kommenden Monaten sehen Analysten vieler großer Investmentbanken dennoch mit gemischten Einschätzungen entgegen. Marktbeobachter von Nomura zum Beispiel sehen viele Investoren in Tokio derzeit etwas zurückhaltender agieren als noch im Frühjahr. Gründe dafür sind die Pläne der Regierung, die erst vor drei Jahren halbierte Steuer auf Gewinne aus Wertpapiergeschäften von 10 auf wieder 20 Prozent zu verdoppeln. Darüber hinaus kam Nomura nach einer Umfrage unter tausend Kunden zu dem Schluß, daß knapp 20 Prozent der befragten Anleger mit einem baldigen Kursrückgang des Nikkei von sechs Prozent rechnen. 44 Prozent gehen von einem Kursanstieg in gleicher Höhe aus.
Zahl der Übernahmen steigt
Akquisitionen und Fusionen werden mittlerweile auch im konservativen Nippon als Teil langfristiger Geschäftsstrategien gepflegt. Seit 1995 verzehnfachte sich die Zahl der Zusammenschlüsse und Käufe von Unternehmen mit japanischer Beteiligung auf 2.500 im Jahr. 2006 wurden im Unternehmenssektor des Landes erstmals Akquisitionen und Fusionen im Wert von etwa 250 Milliarden Dollar abgespult. So schließen sich Anfang 2007 die Fischereikonzerne Maruha und Nichiro zu einem neuen Branchenriesen zusammen. Der Elektronikgigant Hitachi übernimmt gerade Clarion. Toyota stieg bei kleineren Wettbewerbern wie Isuzu und Subaru ein, um von deren Vorsprung in der Motorentechnik zu profitieren.
In grenzüberschreitenden Übernahmegeschäften kauften während der zurückliegenden neun Monate Toshiba den amerikanischen Kernkraftwerksbauer Westinghouse Electric, Nippon Sheet Glass die britische Pilkington-Gruppe und Softbank die japanische Tochtergesellschaft von Vodafone. Diese Entwicklung dürfte es von Mai an auch häufiger in die andere Richtung geben. Denn dann lockert Tokio die Bestimmungen für Übernahmen. Fortan können auch ausländische Erwerber Akquisitionen in Japan mit ihren eigenen Aktien bezahlen. Darüber hinaus sollen sie wie ihre japanischen Konkurrenten in den Genuß steuerlicher Erleichterungen für solche Geschäfte kommen.
„Der Motor läuft gerade an“
Schon vor gut einem Monat hatte Adam Matthews von JP Morgan im FAZ.NET-Interview seine Gründe dargelegt, warum er japanische Aktien steigen sieht. Als Portfoliomanager bei JP Morgan in London ist er zuständig für zehn Aktienfonds, die in Japan und anderen asiatischen Ländern investieren. Matthews verweist auf die Entwicklungen am Arbeits- und Immobilienmarkt, die ihn so optimistisch in die Zukunft blicken lassen (siehe auch: Japan: „Der Motor läuft gerade an“).
Er glaubt nicht, daß der japanische Mini-Aufschwung schnell wieder vorbei sein wird. „Die japanische Wirtschaft befindet sich an einer völlig anderen Stelle im Konjunkturzyklus wie die europäischen oder anglo-amerikanischen Märkte“, sagte Matthews. „Die sinkenden Preisen auf dem amerikanischen Häusermarkt stören uns nicht - das hat Japan hinter sich. Die Abhängigkeit vom Export nimmt ohnehin ab, wenn die inländische Nachfrage anzieht. Und während sich die Gewinne der großen Unternehmen in Europa und den Vereinigten Staaten auf Rekordniveau befinden und sich nur mit größten Anstrengungen erhöhen lassen, beginnen sie in Japan erst zu steigen.“
„Spekulation auf eine höhere Profitabilität“
Damit sollten auch Fonds interessant werden, die in Japan investieren. In diesem Jahr gehörten sie bislang - analog zur Entwicklung der japanischen Aktienindizes -nicht zu den Gewinnern. Doch langfristig können die Investoren die guten Argumente für japanische Aktien nicht einfach ignorieren.
Anleger sollten allerdings bedenken, daß die Titel im internationalen Vergleich recht teuer sind - das Kurs-Gewinn-Verhältnis der meisten anderen Länder liegt deutlich unter dem des japanischen Marktes. „Wir rechnen bei japanischen Unternehmen mit deutlich höheren Gewinnsteigerungen als in anderen entwickelten Ländern, darum sind die Aktien nicht zu teuer“, sagte Matthews im FAZ.NET-Interview. „Das ist aber ganz klar eine Spekulation auf eine höhere Profitabilität.“
Auf Gebühren und Performance achten
Japan-Aktienfonds gibt es viele - in der S&P-Kategorie „Aktien Japan“ finden sich alleine 138 Produkte. Auf Sicht von drei Jahren führt der „UBAM Japan Equity“ (Isin LU0052780409) die FAZ.NET-Rangliste der Fonds mit der besten Wertentwicklung an (siehe auch: FAZ.NET-Service: Japan-Fonds). Standard & Poor's gibt ihm ein AAA-Rating (siehe auch: Was steckt hinter den Fonds-Ratings?).
Anleger sollten darauf achten, daß der Fonds in der Vergangenheit den Index - meist den Nikkei oder Topix - geschlagen hat. Nur dann hat das Management bewiesen, daß es sein Geld Wert ist. So verlangt der „UBAM Japan Equity“ 1,5 Prozent Managementgebühr im Jahr, konnte den Topix auf Sicht von fünf Jahren dafür aber deutlich schlagen. Eine kostengünstige Alternative bilden börsengehandelte Fonds, die nur einen Index abbilden und daher geringere Gebühren kassieren. Der „iShares MSCI Japan“ (Isin DE000A0DPMW9) etwa kommt auf eine Gesamtkostenquote von 0,59 Prozent, der „Nikkei 225(R)EX“ von Indexchange (Isin DE000A0H08D2) will 0,5 Prozent Verwaltungsvergütung.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |