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Japan Der Tankan dürfte den Nikkei kaum beflügeln

01.10.2008 ·  Nach einer Zwischenerholung bis Mitte des vergangenen Jahres befindet sich die japanische Börse wieder in der Defensive. Der Nikkei liegt knapp 70 Prozent unter dem vor 19 Jahren erreichten Rekordhoch. Die Aussichten sind verhalten.

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Wer auf eine rasche Erholung der amerikanischen Wirtschaft und der Wall Street hofft, der sollte einen Blick auf die Entwicklung in Japan werfen. Denn nach dem Platzen der vom billigen Geld getriebenen Immobilien- und Spekulationsblase der 80er Jahre halfen weder massivste Fiskalpakte noch die extrem lockere Geldpolitik der Wirtschaft auf die Schnelle auf die Beine.

Im Gegenteil. Die hohen Staatsausgaben haben nur die Staatsverschuldung massiv nach oben getrieben. Und die lockere Geldpolitik hat mit den extrem tiefen Zinsen die Einkommen der Sparer und damit ihre Kaufkraft erodieren lassen und über die Carry Trades hat sie starlt zu den internationalen Ungleichgewichten beigetragen.

Der Nikkei liegt knapp 70 Prozent unter dem vor 19 Jahren erreichten Rekordhoch

Der Nikkei liegt heute noch knapp 70 Prozent unter dem im Dezember des Jahres 1989 erreichten Hoch von knapp 40.000 Zählern. Nach einer Zwischenerholung vom Zwischentief im April des Jahres 2003 bis in den Juli des vergangenen Jahres befindet er sich wieder auf dem Weg nach unten.

Der Tankan dürfte den Nikkei kaum beflügeln

Daran dürfte sich bis auf weiteres nicht viel ändern. Denn die Wirtschaftsstimmung in der japanischen Industrie hat sich in den drei Monaten Juli bis September stärker als erwartet eingetrübt. In den Betrieben wuchsen die Besorgnisse über ein schwaches Exportwachstum inmitten einer sich eintrübenden Weltkonjunktur, wie aus dem von der Bank of Japan (BoJ) am Mittwoch veröffentlichten Tankan-Bericht für den Monat September hervorgeht. Der Index für Großunternehmen der Industrie verringerte sich auf minus drei von plus fünf im vorigen Tankan-Bericht. Ökonomen hatten nur einen Rückgang auf minus 1 prognostiziert.

Die Stimmung befindet sich auf dem niedrigsten Stand seit Juni des Jahres 2003. Zugleich wurde zum ersten Mal seit 2003 ein negativer Wert ermittelt. Für Großunternehmen des Dienstleistungsbereichs wurde ein Indexrückgang auf plus eins von plus zehn ausgewiesen, womit sich der niedrigste Wert seit Dezember des Jahres 2003 ergab. Volkswirte hatten einen Stand von plus sechs erwartet. Beobachter prognostizieren, die Daten würden die Erwartungen bestärken, nach welchen die BoJ ihr Leitzinsniveau vorerst beibehalten werde. Auch für die kommenden Monate zeigen sich die Unternehmen nicht sonderlich zuversichtlich. Sie gehen davon aus, dass sich die Stimmung tendenziell weiter eintrüben wird.

Fundamentale Aussichten sind alles andere als positiv

Die Stimmung, die bei den mittleren und kleineren Unternehmen noch schlechter ist, als bei den großen, lässt sich erklären. Denn erstens geht ihre Profitabilität zurück. Zweitens haben sie zunehmend überschüssige Produktionskapazitäten. Drittens werden die Finanzunternehmen bei der Kreditvergabe restriktiver. Viertens können sie nicht auf die Dynamik des Binnenmarktes rechnen. Denn die Einnahmen der Konsumenten gehen schon seit Monaten zurück. Im August sind die so genannten Cash Earnings sogar erstmals seit Monaten gefallen. Die Industrieproduktion des Landes ist in August auf Jahresbasis um satte 6,9 Prozent gefallen.

Auf dieser Basis dürften sich die Aktien im Lande der aufgehenden Sonne vorerst kaum erholen können, selbst wenn die Papiere vereinzelt noch so attraktiv bewertet sein mögen.
Ändern wird sich das wohl erst, wenn sich die globale Wirtschaft wieder dynamischer entwickelt oder wenn in Japan selbst eine vernünftigere Wirtschafts- und Finanzpolitik als bisher betrieben werden sollte.

Was ist der Tankan?

Für den Tankan-Bericht (Abkürzung für „Untersuchung zur kurzfristigen Konjunktureinschätzung der Unternehmen“) wurden rund 10.000 japanische Betriebe befragt. Der Diffusionsindex zur Wirtschaftsstimmung misst die Differenz zwischen den Unternehmen, die angeben, dass ihre Geschäftslage besser ist und jenen Betrieben, die ihre Lage schlechter einschätzen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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