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Abseits der Börse investieren : Ein Ferrari nur für die Garage

Der Ferrari 250 GTO Berlinetta ist zwar nicht alltagstauglich, aber eine solide Wertanlage - wenn man das nötige Kleingeld besitzt. Bild: Reuters

Investoren jagen nach alternativen Anlagen: Oldtimer, Kunstwerke und Spitzenweine sind begehrt. Das kann teuer werden.

          Das Ergebnis des britischen EU-Referendums und die darauf folgenden Turbulenzen an den Aktienmärkten haben viele Anleger ernüchtert. Aber alle die Vermögenden, die ihr Geld gerne auch in Sachwerte investieren, haben die Gunst der Stunde genutzt.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kaum hatte nämlich das britische Pfund infolge des Brexit-Votums an Wert verloren, kauften sie in großem Stil auf der Insel ein. Die einen erwarben bei Kunstauktionen in London zeitgenössische Gemälde für ein paar Millionen Pfund. Andere gaben 25 000 Pfund für eine Flasche Spitzenwein aus, der zwar aus dem französischen Anbaugebiet Bordeaux stammt, aber in Großbritannien gelagert und gehandelt wird - und damit auf einen Schlag zehn Prozent billiger war.

          Zugegeben: Das Geld, um in teure Weine, teure Kunstwerke und teure Oldtimer zu investieren, muss man erst mal haben. Aber wer es hat, der wählt angesichts von rekordniedrigen Zinsen und Unsicherheit an den Finanzmärkten gerne diese alternativen Anlagen; als Ergänzung zu traditionellen Vermögensklassen wie Aktien, Anleihen oder Edelmetallen.

          Exquisite Weine und exzellente Oldtimer sind deshalb zuletzt deutlich teurer geworden. Die Preise für Spitzenweine stiegen im Juli so stark wie seit 2010 nicht mehr. Der 250 Bordeaux-Weine umfassende Index von BI, einem global führenden Händler von edlen Tropfen, hat seit Jahresbeginn mehr als 16 Prozent zugelegt. Zum Vergleich: Der deutsche Aktienindex Dax hat drei Prozent gewonnen, der amerikanische S&P 500 acht Prozent.

          Die Zeit der rekordhohen Preise ist bis auf weiteres vorbei

          Weil Sachwerte nicht nur einen emotionalen Wert haben können, sondern auch Rendite versprechen, wetteifern Liebhaber und Investoren um die besten Stücke und zahlen hohe Preise; in der Hoffnung, dass zeitgenössische Kunst oder historische Fahrzeuge auch in Zukunft noch heißbegehrt bleiben. Und nicht an Wert verlieren wie edle Möbel, die laut dem Frank Knight Luxus Investmentindex 2015 sechs Prozent günstiger geworden sind. Der gesamte Sachwerte-Index beendete das Jahr mit einem Plus von sieben Prozent, am meisten gewannen Oldtimer (17 Prozent). Über zehn Jahre betrachtet, haben die historischen Fahrzeuge sogar 490 Prozent zugelegt.

          Ob die Preise für Sachwerte nun zu hoch sind, ob sich in manchen dieser Anlageklassen gar Preisblasen aufbauen, die bald zu platzen drohen? Nein, behaupten die Branchenkenner, die Zeit der rekordhohen Preise ist bis auf weiteres vorbei. Anders als 2011 auf dem Weinmarkt, als eine Flasche ’82 Chateau Lafite Rothschild mehr als 50.000 Euro kostete, oder 2014 auf dem Kunstmarkt sind Anleger wählerischer geworden.

          „Die Lage ist nicht so, dass wir Angst haben sollten, dass sich eine Blase entwickelt“, sagt Philipp Herzog von Württemberg, Europa-Chef des Auktionshauses Sotheby’s. Anders als in der zurückliegenden heißen Phase, als selbst Werke mittlerer Güte für zig Millionen verkauft wurden, sind die Kunden nun verhaltener. „Man lässt sich nicht mehr drängen, Kunstwerke für überhöhte Preise zu kaufen“, sagt von Württemberg. Die Beobachter des Oldtimer-Marktes behaupten dasselbe, gleichwohl bei den jüngsten Versteigerungen im kalifornischen Monterey ein 59er Ferrari 250 GTO für umgerechnet 16 Millionen Euro verkauft wurde.

          Tatsächlich spiegeln die Spitzenpreise kaum den Markt im Allgemeinen wider. In vielen Luxussegmenten ist die Preisspanne zwischen Mittelmaß und Topqualität größer geworden. Investoren suchen nämlich nach dem Allerbesten: beispielsweise herausragenden Gemälden berühmter Künstler mit erstklassiger Provenienz, die sich mit Gewinn weiterverkaufen lassen. Umso besser, wenn Labels vorheriger Besitzer auf der Rückseite dem Gemälde eine Lebensgeschichte verleihen.

          Ebenso ist es bei den Oldtimern. Dass der Ferrari 355 S Spider Scaglietti im vergangenen Februar mit einem Verkaufspreis von 32 Millionen Euro zum teuersten Rennwagen der Welt wurde, lag nicht nur an Modell und Marke. Es lag auch daran, dass der Ferrari von 1957 einst von berühmten Rennfahrern bei traditionsreichen Rennen gefahren worden war. Der teure Ferrari steht heute in einer wohltemperierten Garage. Im Straßenverkehr genutzt werden darf der Rennwagen nicht - er ist einfach viel zu laut.

          Quelle: F.A.S.

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