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Investor-Sentiment Aufwärts trotz gegenteiliger Stimmung

09.05.2007 ·  Ein wichtiges Barometer der Anlegerstimmung zeigt nach unten, während der Markt nach oben läuft. S&P schließt hieraus auf mögliche weitere Aufwärtsbewegungen

Von Mark Arbeter, S&P
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Der amerikanische Aktienmarktzug schnauft weiter munter voran und es scheint ausreichend Brennstoff für die Weiterfahrt vorhanden zu sein. Leider scheinen viele Anleger noch immer am Bahnhof zu stehen und zu warten.

Als langjährige Marktbeobachter sind wir stets offen für anekdotische Evidenz, die uns mögliche Einblicke in die emotionale Einstellung der Marktteilnehmer gegenüber den Aktienmärkten gewähren könnte. Haben Freunde, Taxifahrer oder Analystenkollegen Kaufempfehlungen für uns? Nein, sie wollen wissen, wann die nächste Korrektur ins Haus steht. Sind die Zeitungen voll von Beiträgen optimistischer Marktgurus, die sich über die Tugenden der Aktienmärkte auslassen? Nein, stattdessen erzählen sie, dass der Markt erweitert sei und es nicht weiter aufwärts gehen könne, ohne dass eine Rückkehrbewegung eintrete, oder dass die Fundamentaldaten diese Rally nicht stützen würden.

Man sollte mehr Eifer erwarten

Wenn sich der Markt in eine bestimmte Richtung entwickelt und die Anlegerstimmung nicht konform geht, könnte der Kurstrend nach unserer Erfahrung noch einige Zeit anhalten, möglicherweise deutlich länger, als viele annehmen.

Die in einigen Indikatoren zu Tage tretende fehlende optimistische Stimmung oder der weit verbreitete Pessimismus in einer Zeit positiver Marktentwicklung ist nach unserer Ansicht ziemlich grotesk und alles andere als üblich. Angesichts dieses Phänomens der Anlegerstimmung scheint die Bezeichnung „Herdenmentalität“ durchaus zutreffend. So ist recht häufig zu beobachten, dass sich Anleger bei heißgelaufenen Märkten in Scharen auf Aktien stürzen, um noch ein Stück vom begehrten Kuchen abzubekommen. Dies scheint beispielsweise in China der Fall gewesen zu sein, nachdem der Shanghai Index im vergangenen Jahr auf 250 Prozent angestiegen war und eine halbe Million chinesischer Investoren Anlagedepots eröffneten.

Unsere Märkte sind natürlich nicht derart explodiert, doch wenn man sich die passable Marktentwicklung vor Augen hält, sollte man zumindest ein wenig mehr Optimismus oder Eifer von Seiten der amerikanischen Investoren erwarten können.

AAII-Umfrage folgt meist den Märkten

Dies führt uns zu einem der wunderlichen Stimmungsbilder der vorigen Woche - der Anlegerumfrage der Association of Individual Investors (AAII). Bei der AAII handelt es sich um eine gemeinnützige Gesellschaft, die sich der Aufgabe widmet, Kleinanlegern in Seminaren, Konferenzen und Publikationen die Welt der Aktien, Anleihen, Fonds und anderer Finanzinstrumente näher zu bringen. Die AAII befragt ihre Mitglieder regelmäßig zu ihrer Einschätzung der Entwicklung des Aktienmarktes in den zukünftigen sechs Monaten.

Bevor wir uns dem Ergebnis dieser Umfrage zuwenden, werfen wir zunächst einen kurzen Blick auf die Historie. Die erste AAII-Umfrage fand im Juli 1987 statt. Seit dieser Zeit folgte die Gesamtstimmung häufig, jedoch nicht immer, der Kursentwicklung des Marktes. Die historische Spanne der optimistischen Stimmung reicht von einem Tiefpunkt bei 12 Prozent im November 1990 (nahe dem Boden des Baisse-Marktes) bis zu einem Höchststand von 75 Prozent im Januar 2000 (unweit des Gipfels des Hausse-Marktes). Die pessimistische Stimmung schwankte historisch zwischen einem Tiefststand von sechs Prozent im August 1987 (eine Woche vor dem Börsencrash) und einem Höchststand von 67 Prozent im Oktober 1990 (genau am Boden des Baisse-Marktes 1990).

Historische Ausnahmen

Was wir an Umfragen zur Marktstimmung interessant und äußerst intuitiv finden, ist die Tatsache, dass sie langfristig in die vom Markt eingeschlagene Richtung tendieren. Dies bedeutet, dass die optimistische Stimmung zunimmt, wenn die Aktienkurse steigen und die pessimistische Stimmung ansteigt, wenn die Aktienkurse fallen. So nahm die Marktstimmung beispielsweise im Baisse-Markt des Jahres 1990 extrem pessimistische Züge an, wich dann aber einer optimistischen Einstellung, die über weite Strecken der Neunzigerjahre bis zum Markt-Top Anfang 2000 zunahm.

Anschließend verschlechterte sich die Stimmung während des letzten Baisse-Marktes und mündete in ein pessimistisches Extrem genau in der Nähe des Anfang 2003 ausgebildeten Bodens. Seit dem bislang letzten Markttief 2003 stieg der Anteil der Optimisten bis Anfang des Jahres 2004 steil an.

Während der Erweiterung des gegenwärtigen Hausse-Marktes tendierte die AAII-Umfrage indes zu einer Reihe niedrigerer Hochs und niedrigerer Tiefs, wenn wir vereinfachend den Anteil der Optimisten abzüglich des Anteils der Pessimisten betrachten. Bislang gab es nur eine einzige weitere Ausnahme, in der sich die Marktstimmung in einem Zeitraum steigender Kurse verschlechterte, und zwar von 1996 bis 1999. Erst im August 1999 legte die optimistische Stimmung zu, bis sie im Januar 2000 ihren Höhepunkt erreichte. Dieser letzte Stimmungsanstieg scheint ein Beispiel entweder pessimistischer und/oder neutraler Anleger (jene am Rand des Rings) zu sein, die das Handtuch genau in die Kapitulationsphase eines Aufwärtsmarktes und starken Blow-Offs warfen.

Ermutigend pessimistisch

In der aktuellen AAII-Umfrage liegt die optimistische Stimmung bei lediglich 29 Prozent, die pessimistische Stimmung bei 54 Prozent. Dies ist der niedrigste Prozentsatz der Optimisten und der höchste Prozentwert der Pessimisten seit der Marktkorrektur im vergangenen Sommer. Wir sind uns zwar bewusst, dass es sich bei Stimmungsumfragen nur um Meinungen zur Marktentwicklung handelt, die möglicherweise nicht das investive Verhalten der Kleinanleger widerspiegeln, sehen darin allerdings unter Berücksichtigung der Historie der Umfrage ein ermutigendes Zeichen für ein Hausse-Szenario.

Wie wir vor kurzem mit Blick auf die hohen Werte der Short-Interest-Ratio der NYSE ausführten, scheint es am Rand des Rings ausreichend Unterstützungspotential zu geben, um die Aktien weiter nach oben treiben zu können. Es sei daran erinnert, dass sich Gipfel von Hausse-Märkten in Zeiten ausbilden, die von Euphorie, nicht von Skepsis geprägt sind.

Dämpfer für Rohöl

Die Rohölpreise erhielten in dieser Woche einen Dämpfer und sanken um 6,8 Prozent oder 4,53 Dollar pro Barrel auf einen Schlussstand von 61,93 Dollar. Rohöl scheint eine kleine Doppeltop-Formation auszubilden und könnte dieses bärische Muster vollenden, wenn die Kurse unter dem jüngsten Tief bei 61,51 Dollar schließen. Sollte dies eintreten, könnten wir eine gleichbemessene Kursbewegung sehen, die auf der Breite des Doppeltops bis hinunter auf 56,56 Dollar basiert.

Dieses Niveau befindet sich in der Nähe des Schlusstiefs vom März bei 56,59 Dollar. Neben der vom jüngsten Tief stammenden Chartunterstützung bei 61,51 Dollar befindet sich hier auch eine von den Tiefs im Januar und März abgeleitete Trendlinienunterstützung. Zusätzlich kommen einige langfristige gleitende Durchschnitte in der Zone zwischen 61 und 62 Dollar ins Spiel, was die Bedeutung dieses Bereichs hervorhebt. Kommerzielle Hedger („Smart Money“) sind am Markt weiterhin mit Netto-Short-Positionen engagiert, während Großspekulanten („Dumb Money“) nach wie vor Netto-Long-Positionen halten.

Mark Arbeter ist Charttechniker und technischer Chefstratege bei Standard & Poor's.

Quelle: Business Week Online
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