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Die Vermögensfrage : Investmentfonds sind die bessere Lebensversicherung

  • -Aktualisiert am

Auf Indizes basierende Fonds sind beliebt: Blick in den Handelssaal der Frankfurter Börse. Bild: Reuters

Fondsgebundene Lebensversicherungen verlieren jeden Vergleich mit ETF-Sparplänen. Ihre Kosten sind viel zu hoch. Außer in einem speziellen Fall.

          Theoretisch steckt in jedem Anleger ein kleiner Homo oeconomicus, der geschwind merkt, ob es für eine Anlage nicht vielleicht doch ein besseres Angebot gibt als das, was ihm gerade jemand vorgelegt hat: „Hier unterschreiben, bitte.“ Theoretisch. Im wahren Leben werden dagegen Jahr für Jahr hunderttausende Vorsorgeverträge unterschrieben, die schlicht schlecht sind. Sehr schlecht sogar, wenn man sie an ihren einfachen und besseren Alternativen misst. Die fondsgebundene Lebens- oder Rentenversicherung zum Beispiel.

          Sie ist viel zu teuer für einen rentablen Vermögensaufbau. Ein simpler ETF-Sparplan schafft das besser. Und die Gesamtrechnung wird für die Lebensversicherer auch nicht von den Steuervorteilen ihrer Verträge gerettet. Nur in einem sind Fondspolicen und ETF-Sparpläne gleichwertig: Der Anleger trägt das gesamte Anlagerisiko. Beim ETF-Sparplan weiß das jeder, bei der fondsgebundenen Lebensversicherung hat es sich noch nicht überall herumgesprochen. Das birgt Enttäuschungspotential.

          Haben sich im vergangenen Jahr mehr als 800000 Sparer vertan? Wurden sie oder haben sie sich getäuscht? Kann gut sein, denn 2015 haben die deutschen Lebensversicherer 827000 fondsgebundene Kapitalversicherungen verkauft. Und kaum eine dieser Policen ist zum Aufbau einer Altersversorgung besser als ein schlichter Sparplan mit indexgebundenen Investmentfonds, den sogenannten ETF. Das Kürzel ETF (Exchange Traded Funds) steht für börsengehandelte Investmentfonds, die nichts anderes tun, als irgendeinen Index nachzubilden. Und da keine Fondsmanager am Werk sind, sind ETF preiswert.

          Deshalb schätzen besonders institutionelle Anleger, zum Beispiel Versicherungsgesellschaften, diese Fonds. Die Auswahl ist riesig, es gibt sie für Tausende von Indizes, für Aktien, Renten, Rohstoffe, Immobilien, bestimmte Strategien, bestimmte Branchen, bestimmte Länder und so fort. Und es gibt sie bei Brokern und Direktbanken zu geringen Kosten auch als Sparpläne. Oft sogar ganz ohne Gebühren. Mehr als 0,4 Prozent des eingesetzten Vermögens sollten sie im Jahr nicht kosten. Kein Zweifel: ETF-Sparpläne sind die kostengünstigste Form des systematischen Vermögensaufbaus.

          Nur verpackt in eine Versicherungspolice

          Das sieht bei fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen völlig anders aus. Auch die sind ökonomisch nichts anderes als Fonds-Sparpläne. Sie lassen sich also gut mit ETF-Sparplänen vergleichen. Sie sind nur verpackt in eine Versicherungspolice und versprechen dem Anleger im Fall der Rentenversicherung eine lebenslange Rente. Diese Verpackung hat so ihre Vor- und Nachteile. Der größte Nachteil sind die Kosten. Wie bei fast allen Versicherungsverträgen bekommt hier zunächst der Verkäufer seine Provision. Das sind meist vier Prozent aller Beiträge, was sich bei 200 Euro im Monat und 30 Sparerjahren auf 2880 Euro addiert. Die sind mit der Unterschrift weg.

          Mehr als ein Jahr wird für den Vermittler gespart. Insgesamt sind die Vertriebskosten noch höher. Daneben entstehen beim Versicherer durchschnittlich 0,22 Prozent des Vermögens als Verwaltungskosten, die ebenso jedes Fondsergebnis schmälern, wie auch die gut 1,5 Prozent des Vermögens, die die Fondsgesellschaft vor ihrer Ausschüttung abzieht. Dabei gibt es zwar sogenannte Kickbacks, also Provisionen der Fondsgesellschaft an die Versicherer, an denen meist auch die Versicherten beteiligt werden. Unter dem Strich aber kostet allein Fondsverwaltung schnell mehr ein Prozent des Vermögens im Jahr.

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