17.11.2006 · Politische Börsen haben ja angeblich kurze Beine. Bleibt für die Anleger in Schwedenfonds zu hoffen, daß diesmal dem Aktienmarkt mehr Puste vergönnt ist. Immerhin kommt ihnen eine starke Krone zugute.
Politische Börsen haben ja angeblich kurze Beine. Bleibt für die Anleger in Schwedenfonds zu hoffen, daß diesmal dem Aktienmarkt mehr Puste vergönnt ist. Im Juli hat der schwedische Aktienmarkt eine Rally gestartet. Das brachte den OMXS30-Index in Fahrt und führte ihn zuletzt auf ein Fünf-Jahres-Hoch bei 1117,95 Punkten.
Das brachte auch die Wertentwicklung der Schwedenfonds auch auf Vordermann. Diese liegen im Fünf-Jahres-Schnitt 62 Prozent hinter der durchschnittlichen Entwicklung der Aktienfonds im allgemeinen zurück. Das ändert sich indes schon auf Drei-Jahres-Sicht. Über diesen Zeitraum beträgt das relative Minus nur noch 7,6 Prozent. Und in der kurzen Frist liegen die Fonds vorne. Bei zwölf Monaten beträgt die Mehrrendite 2,8 Prozent und bei drei Monaten sogar mehr als sechs Prozent.
Erhoffte Wende in der Wirtschaftspolitik beflügelt
Die Anleger erhoffen sich von der neuen konservativen Regierung unter Fredrik Reinfeldt einen wirtschafts- und damit kapitalmarktsfreundlichen Kurs. Im Wahlkampf war von Steuersenkungen, Kürzung der Arbeitslosen- und Krankengelder und Schuldenabbau durch Privatisierung die Rede.
Die Börse reizt vor allem die Privatisierung. Sie könnten den Markt für Übernahmen und Verschmelzungen beleben, heißt es. Bei einem Verkauf der Nordea-Bank sei beispielsweise ein Zusammengehen mit der SEB-Bank denkbar, so Experten. Auch die Aktien von Telia-Sonera, Alfa Laval, Investor und einige mehr verbuchten Kursgewinne.
Das Management des langfristig erfolgreichsten und einem der mit Abstand billigsten Schwedenfonds der vergangenen Jahre des Jyscke Invest Swedish Equity Find (Isin DK0016260862) blickt weiter vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Es rechnet für die kommenden sechs bis zwölf Monate mit einem weiter leicht steigenden schwedischen Aktienmarkt.
Rohstoffwerte beflügeln Jyscke-Fonds
Gleichzeitig weisen sie aber auf den grundlegenden Unterschied des schwedischen Aktienmarktes zum Rest Europas hin. Mit einem viel höheren Anteil an IT- und Industrieunternehmen und weit weniger Aktien aus den Sektoren Konsum und Gesundheit sei der Markt viel anfälliger gegenüber Wachstumsänderungen.
Bei guter Stimmung behaupteten sich die schwedischen Aktien daher oft überdurchschnittlich - und umgekehrt, wenn es bergab geht. So gesehen können die überdurchschnittlichen Zugewinne der vergangenen Monate weniger überraschen.
Im Oktober konnte Jyscke mit einer Rendite von 4,55 Prozent die Benchmark, den OMX Stockholm All-Share Index, nur leicht schlagen. Über das laufende Jahr liest sich der Unterschied mit knapp 20 gegenüber 18,3 Prozent Plus bei der Benchmark schon etwas besser.
Besonders profitiert habe man den ansehnlichen Kursanstiegen bei Rohstoffwerten wie dem Kupferproduzenten Boliden und dem Stahlproduzenten SSAB. Das koinzidiert auch mit der guten Entwicklung der Rohstoffonds im vergangenen Monat.
Nordea-Fonds läuft Benchmark hinterher
Indes baut Jyscke darauf nicht vorwiegend. Mit rund acht Prozent Anteil am Fondsvermögen hat man den Sektor zwar stärker gewichtet als im All-Share Index, doch der Schwerpunkt liegt bei Finanz- (ca. 28 Prozent) und bei Industriewerten (ca. 26 Prozent). Zu schwankend sei die Kursentwicklung bei Rohstoffwerten, aufgrund der derzeitigen Unsicherheit bezüglich der Rohstoffpreise. Zu den aussichtsreichsten Aktie zählt das Management daher den Anlagenbauer Alfa Laval und den Automobilkonzern Volvo.
Langfristig der klare Underperformer ist der Nordea 1 Swedish Equity Fund (Isin LU0081951963). Seit seiner Gründung am 13. September 2000 läuft der Fonds der Benchmark, dem Six Portfolio Return Index (SIXPRX) der gleichnamigen schwedischen Finanznachrichtenagentur, mit einer Rendite von 19,74 Prozent um knapp 16 Prozentpunkte hinterher. Das Beta beträgt 1,08, das Alpha minus 4,43.
Auf Sicht von zwölf Monaten ist es dem Management gelungen, die Benchmark leicht zu schlagen, doch in den vergangenen Monaten läuft man ihr bereits wieder hinterher - und das obwohl man knapp zehn Prozent der Aktien in Hennes & Mauritz investiert hat, eine Aktie, die sich in den vergangenen drei Jahren knapp verdoppelt hat.
Doch schon die zweite Top-Position, Ericsson, war weniger erfolgreich. Die Aktie pendelt seit bald drei Jahren zwischen 20 und 30 Kronen, nachdem sie sich im Jahr davor von ihrem jähen Sturz von 65 auf 3,40 Kronen erholt hatte.
Höhenflug der Schwedenkrone treibt Rendite nach oben
Erfolgreich war in den vergangenen Monaten auch die Fondsgesellschaft Carlson mit ihrem Euity-Sweden-Fonds (Isin LU0029376117). Sie setzt wie Jyscke vorwiegend auf Finanz- und Industriewerte, hat aber andererseits Hennes & Mauritz und Ericsson als Top-Positionen im Portfolio - wohl nicht zuletzt, weil man sich am Six Portfolio Index (SIXPX) orientiert. Der hat sich übrigens in den vergangenen Jahren schwächer entwickelt als der SIXPRX - es ist wohl bisweilen doch eine Frage des richtigen Managements.
Bei allen Erfolgen und Mißerfolgen kommt den Fonds, die alle in schwedischen Kronen notieren auch die starke Währung zugute, die seit Anfang Oktober von rund 9,30 Kronen je Euro auf zuletzt 9,06 Kronen aufgewertet hat und damit so stark ist, wie seit 20 Monaten nicht mehr.
So gehen fast fünf Prozentpunkte des Zuwachses von 25 Prozent seit Jahresbeginn beim Carlson-Fonds auf Währungsgewinne zurück. Auf Sicht von einer Woche sind es sogar 85 Prozent des Wertzuwachses. Noch extremer ist dies beim Nordea-Fonds, der am Freitag in schwedischen Kronen gerechnet sogar nachgibt.
Verantwortlich sind daran nicht zuletzt die vergangenen Zinserhöhungen. Geht es nach dem IWF, so werden diese auch fortgesetzt werden müssen. Die Realzinsen lägen nahe null, ein inflationskonformer Zins läge bei vier statt der aktuellen 2,75 Prozent. Angesichts starker wachstums- und Arbeitsmarktzahlen wäre Spielraum auch durchaus vorhanden.
Das könnte noch mehr Gelder nach Norden fließen lassen, ebenso wie dies eine derzeit diskutierte Steueramnestie bewirken könnte, von der sich Finanzminister Anders Borg verspricht, daß sie geflohenes Kapital wieder ins Land zurückholt. Zudem will die Regierung die Vermögenssteuer auf 0,75 Prozent zunächst halbieren und dann abschaffen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |