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Investmentfonds Return-Fonds: Oft Garantieprodukte im neuen Gewand

05.10.2005 ·  Die Fondsbranche lebt von Moden und wohlklingenden Namen. Besonders hip sind momentan Total- oder Absolute-Return-Fonds. Doch wie so oft zeigt sich: ein neuer Name macht noch kein innovatives Konzept.

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Die Fondsbranche hat so ihre Moden, die immer wieder unter einem Stichwort zu den Anlegern segeln. Mal heißt es TMT, dann Biotech - seit anderthalb Jahren sind Total- bzw. Absolute-Return-Fonds trendy.

In den ersten acht Monaten lagen zwei Fonds der begehrten Anlageklasse bei den Mittelneuzuflüssen ganz vorne. Der Dit-Euro Bond Total Return und der Activest Total Return zogen hier 2005 mit jeweils rund 1,5 Milliarden Euro umfangreiche Mittel an. Lediglich der Dit-Allianz Flexi-Rentenfonds konnte mehr Geld einsammeln - und wenn man will, kann man auch in diesem einen „Total Return“-Fonds sehen.

Offene Definition

„Total“, „Absolut“ - das klingt erst einmal gut. Aber was sagt es eigentlich aus? Im Grunde hat eine „Total Return-Strategie“ lediglich die Zielvorgabe, eine möglichst hohe absolute und immer positive Rendite zu erwirtschaften. Selbst im ungünstigsten Fall soll mindestens das investierte Kapital erhalten bleiben. Das ist eigentlich das, was alle Investmentfonds wollen.

Der Unterscheid besteht allerdings darin, daß es keine Vergleichsgröße wie einen Index (Benchmark) gibt, an der der Erfolg gemessen werden kann. Laut Eigenwerbung der Branche bringt dieser Fondstyp den Anlegern „Flexibilität, Kapitalschutz und Rendite in einem“.

Absolute-Return-Fonds unterschieden sich theoretisch von Total-Return-Fonds in einem Punkt. Während unter letzteren ursprünglich Rentenfonds verstanden wurden, sind Absolute Return-Fonds als völlig flexible Fonds konstruiert und ähneln in den Ansätzen Hedge Fonds, in der Regel mit der Einschränkung, daß der Einsatz von Derivaten nur eingeschränkt zulässig ist.

Praktisch aber nehmen es die Fondsgesellschaften damit längst nicht mehr so genau. So nennt sich der Dit-Euro StocksPlus Total Return zwar „Total Return“, ist aber ein Mischfonds, auf den das Etikett „Absolute Return“ definitionsgemäß eigentlich besser passen würde. Insofern sollte man sich von dieser akademischen Unterscheidung möglichst schnell verabschieden.

Produkte ohne lange Geschichte

Letztlich also liefert der Anleger sich bei den Return-Fonds dem Fondsmanager aus, der mit dem Geld gleichsam machen kann, was er will. Das hat seine Vor- und seine Nachteile. Denn je stärker die Vorgaben für die Anlagestrategie sind, desto schwieriger wird es für den Fondsmanager, die jeweilige Benchmark zu schlagen und desto mehr ist er von den Marktkräften abhängig. Andernfalls kann er flexibel auf Herausforderungen reagieren und jeweils in die Anlage umschichten, die gerade den größten Ertrag verspricht.

Gleichzeitig bedeutet das für den Anleger ein Risiko. Denn das Ganze läuft nur dann gut, wenn der Manager sein Handwerk versteht. Und Hand aufs Herz: Warum sollte der Anteil guter Leute ausgerechnet in diesem Berufsstand höher sein als anderswo? Der „Absolute Return“ kann damit auch total in die Hose gehen. Je stärker daher der Aspekt des Kapitalerhalts in den Vordergrund tritt, um so eher ist zu erwarten, daß der Fondsmanager auf Nummer Sicher geht und die Rendite statt einen „absoluten“ eben nur noch einen durchschnittlichen Return bietet.

50 Fonds, die mit „Total Return“ und weitere 38 Fonds, die sich mit dem Attribut „Absolute Return“ schmücken, spuken mittlerweile auf dem deutschen Markt herum. Lediglich zwei Fonds der Bank Vontobel sind älter als fünf Jahre, neun älter als drei Jahre. 30 Prozent der Fonds sind noch nicht einmal ein Jahr alt.

Garantieprodukt ganz vorn dabei

Die Tatsache, daß man die Return-Fonds schwerlich als Anlageklasse bezeichnen kann, zeigt sich nirgends deutlicher als daran, daß sich die Fonds wieder auf 27 Anlageklassen verteilen. Allerdings gibt es zwei Schwerpunkte: 32 Prozent sind Mischfonds, 40 Prozent sind Rentenfonds, zehn Prozent Dach- oder Superfonds, der Rest verteilt sich.

Betrachtet man die Renditen, so steht man natürlich vor dem Problem, daß die Laufzeiten in aller Regel reichlich kurz sind. Auf Jahresfrist zeigen sich mit einem Wertzuwachs von 14,22 Prozent fast schon naturgemäß ein flexibler europäische Mischfonds an der Spitze, der SISF European Absolute Return A (ISIN: LU0158720986) der Fondsgesellschaft Schroder. Aktuell hat Fondsmanager Olaf Siedler das Portfolio weit gestreut. Im August hielt er 29 Prozent Barmittel und zehn Prozent in Renten. Bei den Aktien setzt er auf Frankreich und England, in dritter Linie erst auf Deutschland.

Auf Platz zwei folgt mit 12,51 Prozent Plus erstaunlicherweise ein Garantiefonds, der Adig Total Return Dynamic (ISIN: LU0186087580). Offenbar profitiert der Fonds vom Ölpreis - vier Energiewerte gehören zu den Top-Positionen.

Garantieprodukte ohne Garantie

Durchschnittlich indes ist der Total Return wenig spektakulär. Die Aktienfonds kommen durchschnittlich auf einen Wertzuwachs von 3,94 Prozent, Dach-, Garantie- und Rentenfonds erzielen gleichermaßen zwischen sieben und acht Prozent. In jedem Fall finden sich Total Return Fonds damit eher auf den hinteren Plätzen.

Selbst die Spitzenreiter können sich in der Vergleichsgruppe nicht wirklich auszeichnen. Der Schroder-Fonds kommt auf Platz 14, der beste Rentenfonds, der Julius Baer Absolute Return Bond Fund A (ISIN: LU0186677893) auf Platz 15. Darin zeigt sich genau das, was das Konzept befürchten ließ: Return-Fonds sind hin- und hergerissen zwischen der Anforderung stets eine positive Rendite zu erzielen und dem Wunsch, Chancen zu nutzen.

Die Tatsache, daß der zweitbeste Fonds (übrigens auch über die Distanz von zwei Jahren) ein Garantieprodukt ist, zeigt weiterhin aus welcher konzeptionellen Ecke die Return-Fonds stammen. Letztlich sind sie häufig eine in der Regel offenere Variante der bekannten Garantiefonds, die für die Fondsgesellschaft die feine Eigenschaft besitzt, daß sie die positive Rendite zwar anstreben, aber nicht teuer garantieren muß - ausgenommen bei expliziten Garantieprodukten.

Wer also auf Return-Fonds setzt, muß sich bewußt sein, daß er auf Chancen zugunsten der Sicherheit verzichtet - no risk, no return. Übrigens gelingt es längst nicht allen Return-Fonds, ihr Versprechen einzulösen: Zwei Fonds liegen über drei Jahre im Minus, drei Fonds über zwei Jahre.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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