05.01.2009 · Blickt man zurück auf das Jahr 2008, zeigt sich, dass es für Fonds 2008 kein gutes Jahr war. Selbst die beliebtesten unter ihnen haben die Anleger enttäuscht. Während Aktienfonds allgemein litten, zeigen Rentenfonds ein gemischtes Bild.
Von Nadine OberhuberWie sagen Optimisten? Man soll sich auch an Kleinigkeiten erfreuen. Zum Beispiel an den elf Prozent, die manche große Aktienfonds im vergangenen Jahr besser waren als der Durchschnitt.
Nun sind elf Prozent Differenz in der Wertentwicklung beileibe keine Kleinigkeit. In gewöhnlichen Jahren hätte man laut gejubelt, wenn der Manager eines Publikumsfonds am Jahresende verkündet hätte, er habe elf Prozent mehr erwirtschaftet als der Marktschnitt.
Verheerende Bilanz
Aber 2008 war vieles anders. Da bedeuten solche Zahlen nicht mehr Rendite, sondern: Es gab Fonds, mit denen machten Anleger elf Prozent weniger Verlust als mit den meisten anderen.
„Von Normalität kann derzeit keine Rede sein“, stöhnten Analysten großer Ratingagenturen in den vergangenen Tagen. Die Agentur Morningstar hat für diese Zeitung die Entwicklung der beliebtesten Fonds ausgewertet. Die Bilanz der meisten Aktienfonds war verheerend: Europäisch anlegende Fonds fuhren im Schnitt 43 Prozent Verlust ein, weltweit investierende immerhin noch 38 Prozent.
„Man kann auch nicht sagen, dass die Flaggschiffe der Branche besser gelaufen sind“, sagt Analyst Christopher Wolter von Feri. Selbst die Bestseller der Branche knackten diese Minusrekorde oft noch. Da muteten Fonds wie der Frankfurt Trust von Vermögensverwalter Jens Erhardt mit „nur 22 Prozent Minus“ schon an wie ein Wunder. Es gab auf Jahressicht keinen Aktienindex weltweit, der im Plus lag. Viele Fondsmanager und Anleger waren schon froh, wenn sie keine russischen Aktien im Portfolio hatten. Die brachen am stärksten ein: um ganze 70 Prozent.
Starke Defensive
Aber es gab Lichtblicke. Trotz der weltweiten Kursstürze lagen eine Reihe von Fonds vier, fünf oder sogar zehn Prozent im Plus. Es waren aber keine Aktienfonds, sondern diejenigen, die viele längst nicht mehr auf der Rechnung hatten: defensiv anlegende Geldmarkt- und Rentenfonds.
Auch offene Immobilienfonds gehörten zu den großen Gewinnern. Zwar kamen einige zum Jahresende arg ins Wanken, weil große institutionelle Anleger, aber auch Privatleute massiv Geld abzogen. Zudem machte die Angst vor sinkenden Mieten und steigenden Leerständen die Runde. Sogar große Fonds mussten wegen der hohen Abflüsse vorübergehend geschlossen werden. Allein der Hausinvest Europa verlor bis Oktober 1,2 Milliarden Euro.
Doch auf Jahressicht lagen besonders die offenen Immobilienfonds nicht nur mit knapp fünf Prozent im Plus. „Sie waren auch das Top-Segment. Und so mancher Anleger wäre wohl froh, wenn er sie im Depot gehabt hätte“, sagt Andreas Fink vom Branchenverband der Fondsgesellschaften BVI.
Geldmarktfonds unter Druck
Auch die Geldmarktfonds bangten: Zuerst floss viel Geld in diese Fonds, weil sie eine Reihe von neuen Produkten aufgelegt hatten, mit denen Anleger die Last der Abgeltungsteuer drücken können. Doch dann brachte die Lehman-Pleite auch sie zum Wanken:
Geldmarktfonds bedienten sich auf dem Markt, auf dem Banken einander normalerweise überschüssiges Geld ausleihen. Zwar stiegen im Jahresverlauf die Zinsen am Geldmarkt, aber viele Banken mussten plötzlich auch Schuldverschreibungen verkaufen und Verluste realisieren. Der Geldmarkt lahmte zwischenzeitlich so, dass viele fürchteten, er breche zusammen. Das machte Anlegern Angst.
Allein aus fünf der größten deutschen Geldmarktfonds zogen verunsicherte Anleger 8,5 Milliarden Euro ab. Jeder vierte Fonds wies zudem nach der Lehman-Pleite Verluste aus. Aber die meisten machten das wieder wett. Und die größten fünf brachten es im vergangenen Jahr immerhin auf eine Wertentwicklung zwischen 2,4 und 6,6 Prozent.
Hohe Spannweite bei Rentenfonds
Die interessanteste Fondskategorie war die der Rentenfonds, die auf festverzinsliche Wertpapiere und Staatsanleihen setzen. Die gelten zwar als behäbig und zu teuer. Immerhin schmälert die Managementgebühr für Fondsverwalter die Anlegerrendite um etwa ein Prozent jährlich. Da sollten Anleger lieber selbst Staatsanleihen kaufen.
Aber: Bei den Rentenfonds trennten sich Spreu und Weizen 2008 auch am deutlichsten. Während einer der bekanntesten hierzulande, der Allianz dit-Fonds, fast 12 Prozent verlor, legten Templeton und Robeco um über zehn Prozent zu. Das übertraf kaum ein Staatsanleihenkäufer auf eigene Faust.
Nadine Oberhuber Jahrgang 1973, freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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