19.09.2006 · Das Angebot an börsengehandelten Fonds im Deutschland verbreitert sich weiter, unter anderem um einen Indexfonds auf russische Aktien. Die Zahl der im XTF-Segment notierten Produkte liegt mittlerweile bei 148 Stücken.
Exchange Traded Funds, auch Indexaktien, börsengehandelte Indexfonds oder kurz ETFs genannt, setzen sich in Europa immer weiter durch. Das dürfte kaum verwundern. Denn da auf ein aktives Management des angelegten Geldes verzichtet wird, können diese Fonds mit einer deutlich geringeren Verwaltungsgebühr angeboten werden als sie bei aktiv verwalteten Investmentfonds sonst üblich ist.
ETFs sind Investmentfonds, die an der Börse gehandelt werden und in der Regel als Indexfonds angeboten werden. Sie haben lediglich das Ziel, die Wertentwicklung eines bestimmten Index nachzubilden und ihn nicht zu schlagen. Das muß jedoch kein Nachteil sein, denn verschiedene Studien zeigen, daß sowieso nur eine Minderheit von Fondsmanagern in der Lage ist, die Indizes in liquiden Märkten zu schlagen.
Indexfonds sind sehr kostengünstig
So drängt sich förmlich der Gedanke auf, auf teure Fondsmanager, Analysten und sonstige Experten zu verzichten und diese Opportunitätskosten einfach in Form tiefer Gebühren an den Anleger weiter zu geben. Und das zahlt sich aus. Während bei aktiv verwalteten Aktienfonds Gebühren zwischen einem, zwei oder gar mehr Prozent pro Jahr üblich oder möglich sind, werden großvolumige Indexfonds wie die auf Dax oder EuroStoxx 50 mit Gebühren um die 0,15 Prozent angeboten.
Da verschiedene Anbieter im Wettbewerb um die verwalteten Mittel stehen, sind die Verwaltungsgebühren in den letzten Jahren tendenziell sogar zurückgegangen. Gleichzeitig haben die auf diese Weise verwalteten Vermögenswerte in Europa deutlich zugenommen, was zu erheblich Größen- und damit Kostenvorteilen geführt hat.
Mögen Kostenunterschiede von einem, zwei oder gar mehr Prozentpunkten pro Jahr zunächst harmlos aussehen, so zeigt sich die wahre Dimension erst unter Berücksichtigung des Zinseszinseffektes: Eine Differenz von zwei Prozentpunkten führt langfristig absolut betrachtet zu einem enormen Renditevorteil. Aus diesem Grund sind börsengehandelte Indexfonds für Anleger interessant.
Das ist aber nicht alles. Denn diese Produkte sind, da sie jeweils einen Markt oder eine Branche abbilden, an sich schon breit diversifiziert und können im Rahmen des allgemeinen Börsenhandels jederzeit wie Aktien an der Börse und zu den für Aktien üblichen Spesen und vor allem auch ohne Ausgabeaufschlag gehandelt werden. So können sich Anleger laufend über die Kurse informieren und bei Bedarf flexibel und kostengünstig auf Marktveränderungen reagieren. Aus diesem Grund sollten sie sich für diese Produkte interessieren, auch wenn sie vom kommissionsorientierten Vertrieb von Fondsanteilen oder Kapitallebensversicherungen meist überhaupt nicht oder zumindest nicht begeistert angeboten werden.
Breiter werdendes Produtkangebot - nun ein Indexfonds auf russische Aktien
Abgesehen davon wird auch das Produktangebot immer breiter. So bietet die Fondsgesellschaft Lyxor Asset Management ab sofort den Lyxor ETF Russia (WKN LYX 0AF) an, einen Indexfonds für russische Aktien. Er bildet den Dow Jones Rusindex Titans 10 auf Dollar-Basis ab, in dem die zehn größten russischen Unternehmen nach ihrer Marktkapitalisierung gewichtet sind. Mit einer Gewichtung von jeweils rund 15 Prozent bilden die Sberbank, die Ölkonzerne Lukoil, Gazprom und Surgutneftegaz sowie das Metallunternehmen Norilsk Nickel die Schwergewichte im Index.
Insgesamt dominieren die Energieunternehmen mit 51,6 Prozent den Index, gefolgt von der Grundstoffindustrie mit 16 Prozent. Der Index wurde im Juli 2003 eingeführt und rückwirkend per Anfang 1999 auf 100 Punkte gesetzt. Inzwischen liegt er unter anderem aufgrund der Hausse im Energie- und Rohstoffbereich der vergangenen Jahre bei 4.246 Punkten.
Ob sich der Kauf des Produktes im Moment aufdrängt, dürfte sich mit Blick auf die zu erwartende weltwirtschaftliche Abschwächung und eine mögliche Korrektur im Energie- und Rohstoffbereich fragen lassen. Auf der anderen Seite gibt es inzwischen genügend andere Indexfonds, die sich als Alternativen anbieten. Insgesamt zeigen Studien, daß der Anlageerfolg stärker davon abhängt, zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Markt zu sein, als mit hohem Aufwand erfolgsversprechende Einzelwerte zu suchen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |