20.05.2008 · Neu ist nicht in jedem Fall besser. Das gilt auch für Fondsprodukte. Oftmals ist es so, dass sich nur die Verpackung ändert und die Kosten in die Höhe gehen.
Von Dyrk ScherffWenn zwei sich streiten - ärgert sich der Dritte. So könnte es manchem Anleger gehen, der sich zwischen dem einen oder dem anderen neuartigen Fonds entscheiden muss. Denn die Fondsanbieter befinden sich im heftigen Wettbewerb um das Geld der Sparer. Die Folge davon: Sie bringen immer neue Angebote auf den Markt, die die Bedürfnisse der Kunden befriedigen sollen - die aber oft eher verärgern dürften.
Was aus der Innovationsmaschine herauskommt, ist oft nur ein neuer Name für eine alte, allenfalls leicht veränderte Idee. Wie etwa steueroptimierte Rentenfonds, die jetzt vor dem Hintergrund der Abgeltungsteuer aktiv als Neuheit vertrieben werden, aber die es schon seit den neunziger Jahren gibt. Oder Lebenszyklusfonds, die abhängig vom Alter der Anleger investieren. Es gab sie in ähnlicher Form schon vor einigen Jahren als Altersvorsorge-Sondervermögen.
Oft gebären die Gesellschaften auch ein neues Fondskonzept, das vor allem viel kostet, aber nicht unbedingt mehr Rendite verspricht als bestehende Produkte. Wirklich gute Produktinnovationen sind hingegen selten. Das zeigen drei Beispiele.
ETF-Dachfonds: Neues...
Sie sind wirklich neu. In Deutschland gibt es sie seit vergangenem Jahr. Sie investieren sehr breit in Aktien, Renten, den Geldmarkt und in Rohstoffe, einzelne Länder oder Branchen. Sie bauen damit ein komplettes Depot mit einem Produkt nach.
Das Neue daran ist, dass sie keine klassischen, aktiv verwalteten Fonds kaufen. Sondern Indexfonds (ETFs). Das sind Fonds, die einen Index wie den Dax identisch nachbilden und keine einzelnen Aktien aktiv auswählen. Deshalb sind ETFs viel preisgünstiger als aktiv verwaltete Fonds. Dachfondsanbieter nutzen das, um mehrere ETFs zu kostengünstigen Dachfonds zu bündeln.
Der einzige Anbieter, der das in Reinform macht, ist die Veritas SG, die Fondsgesellschaft der Société Générale (Isin DE0005561674). Abhängig von der Börsenlage kann der Fonds flexibel auf verschiedene Anlageklassen setzen. Ende Januar hat er das genutzt: „Da hatten wir uns zeitweise völlig aus dem Aktienmarkt zurückgezogen“, erzählt Fondsmanager Thorsten Winkler. Er meidet den Dax immer noch, ist aber im Technologieindex Tec-Dax investiert. Wann er umschichten muss, sagt ihm der Computer. Nur in seitwärts tendierenden Märkten liefert das System manchmal Fehlsignale. Dann entscheidet Winkler gegen die Maschine.
... mit Haken
Die Idee, Dachfonds mit ETFs zu bestücken, findet ein positives Echo. Gerade für Langfristsparer sei sie geeignet, sagt Detlef Glow, Leiter des Research beim Fondsanalysehaus Lipper. „Wer dem Fondsmanager eine Chance geben will, besser als ein Normalanleger zu sein, sollte es genau auf diese Weise tun.“ Zwischen 60 und 90 Prozent des Anlageerfolgs resultiere aus der richtigen Verteilung zwischen Aktien, Renten und Märkten. Welche Aktie gekauft wird, ist da weniger entscheidend. Für andere Fonds ist das hingegen die wichtigste Frage. Doch kaum einer schafft es, langfristig besser als der Vergleichsindex zu sein.
Einen Haken gibt es dennoch. Zwar ist der ETF-Dachfonds billiger als klassische Dachfonds. „Aber durch die gewinnabhängige Gebühr wird aber auch der ETF-Dachfonds in guten Börsenzeiten teuer“, kritisiert Glow. Steigt der Wert um zehn Prozent, gehen davon bei Veritas zwei Prozent als erfolgsabhängige Provision ab. Immerhin fällt kein Ausgabeaufschlag an, sondern nur die deutlich niedrigeren Börsenspesen. Zudem hat der ETF-Dachfonds noch nicht über einen längeren Zeitraum bewiesen, dass er sein Versprechen halten kann. Im laufenden Jahr hält er sich mit einem Plus von 0,5 Prozent gut, reine Aktieninvestments haben schließlich bis zu 20 Prozent verloren.
130/30-Fonds
Die ersten dieser Fonds brachte Goldman Sachs schon im Sommer 2006 nach Deutschland, doch erst 2007 zogen andere Gesellschaften nach. Die Fonds profitieren auch von Aktienkursen, die sich unterdurchschnittlich entwickeln. In der Idealform investieren die Fondsmanager 100 Prozent des Kapitals der Anleger in aussichtsreiche Aktien. Mit weiteren 30 Prozent der Anlagesumme können sie auf die schlechtesten Aktien wetten.
Das funktioniert über Derivate oder Leerverkäufe. Das heißt: Der Fondsmanager leiht sich schwache Aktien, verkauft sie und kauft sie später billiger zurück, die Differenz ist der Gewinn. Das kann eine größere Rendite bringen. Doch bisher haben die meisten Fondsmanager solche Chancen nicht genutzt. Im April hat mehr als die Hälfte der Fonds eine schlechtere Wertentwicklung erzielt als die Fonds, die nicht auf fallende Kurse setzen konnten.
In den Monaten davor war das Bild durchwachsen. Eine positive Ausnahme war der DWS Deutsche Aktien 130/30 (Isin DE000DWS0D19). Trotz dieser Bilanz müssen Anleger auch noch mehr Gebühren zahlen als bei den normalen Fonds. Die jährlichen Management-Kosten liegen zwar wie bei klassischen Fonds bei 1,5 Prozent. Hinzu kommt aber eine Provision, wenn die Fonds ihren Vergleichsindex schlagen.
Zertifikatefonds
Die Idee ist nicht neu. Fonds, die in Zertifikate investieren, gibt es seit Anfang des Jahrtausends. Doch durch die Abgeltungsteuer erleben sie jetzt eine Renaissance. Denn die Steuer wird Zertifikate benachteiligen. Durch den Fondsmantel werden sie wieder steuerlich privilegiert. Das verkauft sich derzeit gut.
Aber das Konzept ist bedenklich: Die Funktionsweise und Wertentwicklung von Zertifikaten ist oft schwer nachvollziehbar. „Gebündelt in einem Fonds, entsteht ein sehr intransparentes Produkt“, kritisiert Christian Michel vom Analysehaus Feri. Eines mit doppelten Gebühren. Schon die Zertifikate sind selten günstig, vor allem wenn die Dividenden nicht an den Anleger, sondern an die Gesellschaft fließen. Hinzu kommt die jährliche Verwaltungsgebühr des Zertifikate-Fonds. Drei bis vier Prozent kommen da zusammen. Bei Renditen von meist unter zehn Prozent ist das erheblich.
Zudem konzentrieren sich die meisten Zertifikatefonds auf Discount- oder Bonuszertifikate. Die sind aber nur für bestimmte Marktphasen geeignet. Das macht sie unattraktiv für Langfristsparer.
Dyrk Scherff Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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