31.07.2006 · Häufig wird Nanotechnik als die nächste große Börsengeschichte verkauft. Doch bislang konnte der Anspruch nicht erfüllt werden. Zu unscharf ist der Branchenfokus - und nicht überall, wo Nanotechnik draufsteht, ist auch Nanotechnik drin.
Als eine der größten Erfolgsgeschichten an der Börse gilt schon seit einigen Monaten die Nanotechnik. Ob es um den Durchbruch im Kampf gegen Krebs oder Ketchupflecken, kratzfeste Autolackierung oder sonnenbrandsichere Sonnenmilch geht - die Lösung wird in den winzigsten Strukturen des Universums gesucht.
Nanotechnologie gilt laut lexikalischer Definition als Sammelbegriff für eine breite Auswahl von Technologien, die sich der Erforschung, Bearbeitung und Produktion von Gegenständen und Strukturen widmen, die kleiner als 100 Nanometer sind. Ein Nanometer ist ein Milliardenstel Meter (10 hoch -9 Meter).
Mikrotechnik ist nicht Nanotechnik
Das Entscheidende dabei ist, daß man sich bei diesen Größen- bzw. kleinen Verhältnissen in einem physikalischen Grenzbereich bewegt, in dem die Oberflächeneigenschaften gegenüber den Volumeneigenschaften der Materialien eine immer größere Rolle spielen, weil sich die Relation zwischen Oberfläche und Volumen zuungunsten der letzten verschiebt. Zum anderen gerät man zunehmend in den Bereich der Quantenphysik, in dem die Vorgänge nicht immer in den gewohnten Newtonschen Bahnen ablaufen.
Davon zu unterscheiden ist die Mikrotechnik, die sich mit Verfahren befaßt, die im Mikrometerbereich arbeiten. Ein Mikrometer sind 1.000 Nanometer. Erst unter 100 Nanometer beginnt die Nanotechnik. Bezeichnet man Mikrotechnik als Nanotechnik, könnte man auch Containerschiffe mit Motorbooten vergleichen.
In der Praxis ist die Unterscheidung recht verschwommen. Zu den Top-Positionen des Activest Nanotech-Fonds (Isin LU0150271186) gehört die Aktie der als „Nanotechnologie-Ausrüster“ paraphrasierten Veeco Instruments. Diese stellt tatsächlich Geräte her, die auch in Nano-Dimensionen arbeiten - andere Produkte dagegen sind „simple“ Mikrotechnik.
Ein Ergebnis technischen Fortschritts
Letztlich also ist die Nanotechnik vielerorts auch nicht etwas wirklich neues, sondern lediglich eine Fortsetzung der Mikrotechnik, ermöglicht durch den technischen Fortschritt, bei dem die Grenze von 100 Nanometern durchbrochen wurde.
Veeco etwa wurde bereits 1945 gegründet. Erstes Produkt war eine Detektor für Heliumlecks. 1990 kaufte man das Instrumentengeschäft von der damaligen britischen Muttergesellschaft Unitech. Die besten Kurszeiten hat Veeco schon lange hinter sich. Im Jahr 200 trieb die Technologiehausse die Notierung bis auf 115,50 Dollar. 2003 kletterte der Kurs von 9,17 bis auf 34,01 Dollar und zwischen November 2005 und Mai 2006 von 15,59 auf 27,20 Dollar.
Im vergangenen Jahr legte der Umsatz um fünf Prozent auf 410 Millionen Dollar zu. Mit einem Minus von 897.000 Dollar verzeichnete man den geringsten Verlust der vergangenen vier Jahre. Eine größere Dynamik entfaltete auch das erste Quartal nicht. Indes verbesserte sich der operative Gewinn deutlich.
Aktienkurse sahen häufig schon besser aus
Der zweite Nanotech-Fonds in Deutschland, der DAC Nanotech-Fonds (LU0172295247) aus dem Hause des umstrittenen Fondsberaters und Journalisten Bernd Förtsch setzt auf andere Unternehmen. Zum Beispiel auf Bruker Biosciences, die über ihre Töchterfirmen massenspektrometrische Geräte, Röntgengeräte und Analyseinstrumente herstellen.
Auch der Aktienkurs von Bruker sah schon einmal besser aus. Kurz nach Notierungsaufnahme erreichte er Mitte des Jahres 2000 50,25 Dollar und stürzte dann bis auf 2,60 Euro im Jahr 2003 ab. Das Papier ist recht volatil, konnte sich aber seit Anfang 2005 recht gut erholen und notiert bei 5,90 Dollar knapp unter dem Anfang Juni erreichten Zwei-Jahres-Hoch.
Auch in Amerika nimmt das Interesse an Nanotech-Unternehmen und allem, was dazu gezählt wird, zu. Das behauptet zumindest das Beratungs- und Forschungsunternehmen Lux Research, dessen Schicksal als Spezialist für die Branche untrennbar mit deren Wohlergehen verknüpft ist. Laut Aussage von Lux haben Beteiligungsgesellschaften im vergangenen Jahr 496,5 Millionen Dollar in Nanotech-Unternehmen investiert. Das sei ein Zuwachs von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Cientifica, das britische Pendant von Lux, schätzt die weltweiten Aufwendungen von Unternehmen und Regierungen in diesem Jahr auf insgesamt über elf Milliarden Dollar.
Das klingt alles höchstens auf das erste Hören sensationell. So hat Siemens allein im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 1,4 Milliarden Euro an Forschungs- und Entwicklungskosten bilanziert.
Unterdurchschnittliche Wertentwicklung der Fonds
Insgesamt ist der Nanotechnik-Sektor derzeit eine recht unscharf umrissene Branche, deren wahres Potential eigentlich recht wenig abzuschätzen ist. Nanotech-Investments sind daher recht spekulativ und von Natur aus recht volatil.
Der Activest Nanotech lag mit einer Volatilität von 21 Prozent in den vergangenen drei Jahren rund 22 Prozent über der durchschnittlichen Volatilität von Technologiefonds, dafür aber 5,5 Prozent unter der durchschnittlichen Kursentwicklung.
Der DAC Nanotech-Fonds lag in den vergangenen zwölf Monaten rund fünf Prozent unter der durchschnittlichen Wertentwicklung von Technologiefonds und zwölf Prozent über der durchschnittlichen Volatilität. Beiden Fonds gelang auch in der kürzeren Frist keine überdurchschnittliche Wertentwicklung. Lediglich die Volatilität des DAC-Fonds ging im vergangenen Monat deutlich zurück.
Hinzu kommt, daß Technologie-Fonds als solche im Schnitt unter den Branchenfonds in den vergangenen zwölf Monaten und drei Jahren mit die schlechteste Wertentwicklung aufzuweisen haben.
Nano-Boom: Kommt er oder war er schon?
Ob also Nanotech-Fonds wirklich so erfolgversprechend sind, wie vielfach behauptet wird, ist vor allem ein Frage des Glaubens. Gelingt es, mehr Anleger davon zu überzeugen, daß hier den betreffenden Unternehmen eine große Zukunft beschieden ist, so könnte dies Nanowerten - und damit den Fonds - zum großen Durchbruch verhelfen, solange keine Enttäuschung eintritt.
Meist pflegt die Börse bei neuen Techniken nämlich zu überziehen. Das war schon vor mehr als 100 Jahren bei den meist defizitären Eisenbahnen so, genauso bei den Radio-Aktien in den 20er Jahren und bei den Internet-Werten in der New Economy. Das dürfte auch bei Nanotechnik nicht anderes werden - wenn es denn überhaupt zu einem Nano-Boom kommt.
Der Activest Nanotech verzeichnete seinen Höchststand jedenfalls schon Ende 2003 und konnte dies in diesem Jahr - anders als der DAC-Fonds - nicht wieder übertreffen. Auch Holding- und Beteiligungsfirmen zeigen sich eher schwach. Der Kurs der umstrittenen Nanostart-Aktie geriet schon Anfang des Jahres unter Druck und auch Harris & Harris entwickeln sich eher seitwärts.
Insofern ist Nanotechnik derzeit ein ausgesprochen spekulatives Investment, da nicht klar ist, wann und ob der Branche an der Börse ein Durchbruch vergönnt sein wird. Fonds haben dabei den Vorteil einer größeren Risikostreuung innerhalb einer recht unscharf umrissenen Branche. Doch größere Portfolio-Anteile scheinen im Nanotech-Bereich derzeit nicht geraten zu sein.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |