02.06.2006 · Das Wachstum bei börsengehandelten Indexfonds ist in Europa anhaltend stärker als in Amerika oder Japan. Gleichzeitig wächst das Angebot weiter deutlich. Und es dürfte noch größer werden, wie Morgan Stanley-Analystin Deborah Fuhr meint.
Das Wachstum bei börsengehandelten Indexfonds ist in Europa anhaltend stärker als in Amerika oder Japan. Die in den sogenannten Exchange Traded Funds verwalteten Mittel sind im ersten Quartal auf dem alten Kontinent um 17,4 Prozent auf 64,5 Milliarden Dollar gestiegen. Zum Vergleich: Der MSCI Europe-Index ist im selben Zeitraum lediglich um 1,6 Prozent schwerer geworden ist.
In den Vereinigten Staaten legten die Fonds, die Aktien-, Renten- oder Rohstoffindizes abbilden, um 8,8 Prozent zu; allerdings ist Amerika mit einem Volumen von knapp 331 Milliarden Dollar der größte Indexfonds-Markt vor Europa und Japan, wo bei den verwalteten Geldern ein Plus von 4,8 Prozent auf 33,3 Milliarden Dollar verzeichnet wurde. Dieser Wert mag überraschen, da der MSCI Japan parallel dazu um 11,8 Prozent geklettert ist, wie sich aus einer neuen Studie der Investmentbank Morgan Stanley ergibt.
Indexfonds stärker gewachsen als MSCI World
Das Land der aufgehenden Sonne steht für ein untypisches Quartalsergebnis, denn weltweit haben Exchange Traded Funds mehr Gelder angezogen, als der MSCI World gewachsen ist: Die in den Fonds steckenden Mittel wuchsen bis Ende März um 9,5 Prozent, während der Weltindex um 2,7 Prozent zulegte.
Gleichzeitig wächst das Angebot weiter deutlich. Die Hypo-Vereinsbank-Tochter Indexchange als Marktführerin in Deutschland hat 18 neue Indexfonds auf den Markt gebracht. Hauptkonkurrent Barclays Global Investors erreichte hierzulande sowie in Italien und der Schweiz die Zulassung für 15 Produkte, die zuvor im Vereinigten Königreich aufgelegt worden waren; darunter finden sich vor allem Fonds auf Aktienindizes von Schwellenländern wie Brasilien, Korea und Taiwan sowie ein ETF, der auf den Immobilienindex Epra läuft.
Boom beim Angebot hält an
Und dabei wird es nicht bleiben: Nach Angaben von Morgan Stanley-Analystin Deborah Fuhr sind 28 neue Exchange Traded Funds in Europa und dabei nicht zuletzt Deutschland geplant - unter anderem weitere Rohstoff-Produkte wie der EasyETF GSAL, der auf den Goldman Sachs Commodity-Unterindex für Agrarrohstoffe und Lebendvieh laufen wird, und der auf den Unterindex für Energie- und Versorgerwerte gemünzten EasyETF GSUE. In den Vereinigten Staaten sollen sogar 98 Indexfonds hinzukommen und in der übrigen Welt 23. Im Gegenzug sind lediglich fünf Vertreter dieser Anlageklasse eingestellt worden.
Fuhr spricht von einem bedeutsamen Zuwachs beim Angebot gerade in der Bundesrepublik. Nach ihrer Beobachtung werden Indexfonds verstärkt von institutionellen Anlegern wie Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften eingesetzt. Dieser Beobachtung entspricht unter anderem, das der Indexfonds Dax ex eine der größten Positionen im FPM Stockpicker Germany Large Cap-Fonds ist. Auch Pensionsfonds nutzten Indexfonds vermehrt zur taktischen Asset Allocation, also der Verteilung von Anlagekapital auf Länder und Branchen.
Weiteres Wachstum erwartet
Exchange Traded Funds sind für Fuhr ein gutes Mittel, Barmittel rasch in Aktien zu investieren, ohne sich mit der Auswahl von Einzeltiteln herumplagen zu müssen, wie sie in einem Gespräch mit FAZ.NET sagte. Denn: Indexfonds können wie Dividendenpapiere zu den üblichen Handelszeiten ge- und verkauft werden. Auch und gerade für Privatanleger bieten sie den Vorteil, im Gegensatz zu üblichen Investmentfonds ohne Ausgabeaufschlag erhältlich zu sein. Die Gesamtkostenquote liegt jeweils deutlich unter einem Prozent und ist meist nicht einmal halb so hoch wie bei aktiv gemanagten Produkten.
Fuhr rechnet nicht nur in Deutschland mit einem wachsenden Angebot an Exchange Traded Funds, da zum Beispiel die Börse von Madrid gerade vier Lizenzen vergeben hat, um Indexfonds auf den nationalen Ibex 35 aufzulegen. Auch die türkische Börse und nahöstliche Handelsplätze liebäugelten mit solchen Fonds. Vor diesem Hintergrund dürften die durchschnittlichen täglichen Handelsvolumina ebenfalls zunehmen, wie Fuhr meint. Im ersten Quartal seien diese weltweit um 30,2 Prozent auf 21,4 Milliarden Dollar gestiegen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |