11.02.2010 · Börsengehandelte Indexfonds sind Gewinner des Börsenjahres 2009. Während die deutschen Fondsgesellschaften mit hohen Mittelabflüssen kämpfen, werden die Anbieter von börsengehandelten Indexfonds überrannt. Alleskönner sind die aber nicht.
Börsengehandelte Indexfonds sind der große Gewinner des Börsenjahres 2009. Während die deutschen Fondsgesellschaften mit hohen Mittelabflüssen kämpfen, werden die Anbieter von börsengehandelten Indexfonds - Exchange Traded Funds oder ETF genannt - von den Anlegern überrannt.
Die vier großen ETF-Anbieter in Deutschland verzeichneten im Jahr 2009 einen Mittelzufluss von netto 10,3 Milliarden Euro (siehe Grafik). Die vier größten Fondsgesellschaften auf dem deutschen Markt dagegen kämpften mit einem Mittelabfluss von netto 15 Milliarden Euro. "ETF sind die neue Bio-Ware im Finanzgeschäft, sie gelten als hip und schick", sagt Uwe Rieken, Geschäftsführer von Faros Consulting, einem Frankfurter Analysehaus, das größere Anleger bei der Auswahl ihrer Geldanlagen berät.
ETFs sind grundsätzlich kostengünstig ...
Vor etwa zehn Jahren begann der Siegeszug der ETF in Deutschland. Lange schienen sie sich nicht durchzusetzen. Denn Bankberater und Finanzvertriebe haben wenig Interesse daran, ETF zu empfehlen, weil die Gebühren unschlagbar niedrig sind. Vermögensberater stiegen in das Geschäft ein. Sie können ihren Anlegern so kostengünstig Depots zusammenstellen. "Wir beobachten vor allem ETF in exotischen Märkten, auf denen es schwierig ist, selbst die Auswahl der Einzeltitel vorzunehmen", sagt Paul Schäfer, Partner der PSM Vermögensverwaltung Langen von der Goltz & Dr. Prinz.
Wie günstig ETF sind, zeigt ein Vergleich zweier Produkte der Deutschen Bank: Der Dax ETF von DB X-Trackers kostet den Anleger eine jährliche Gebühr von 0,15 Prozent auf Basis der Gesamtkostenquote. Der Deutschland-Fonds Investa der DWS dagegen kostet den Anleger eine Gesamtkostenquote von 1,4 Prozent im Jahr. Im Jahr 2009 profitierte das Produkt von DB X-Trackers stärker von der Wiederentdeckung der Aktie: Dem Dax ETF flossen 512 Millionen Euro zu, so dass er heute ein Fondsvolumen von 1,5 Milliarden Euro erreicht. Damit kommt er dem Investa mit einem Fondsvolumen von 2,5 Milliarden Euro rasch näher.
Zwar erreicht das in ETF angelegte Vermögen noch nicht die Größe des Fondsmarkts - die vier großen ETF-Emittenten in Deutschland kommen auf fast 55 Milliarden Euro, die vier großen Fondsgesellschaften auf 381 Milliarden Euro. Doch das rasante Wachstum der ETF macht der Fondsbranche Angst. Verlässliche Zahlen für Deutschland gibt es zwar nicht. Doch in Europa sind ETF im vergangenen Jahr um 57 Prozent auf das Rekordvolumen von 223,5 Milliarden Euro gestiegen, ermittelte die Fondsgesellschaft Blackrock, die 2009 den ETF-Anbieter IShares übernahm. Dabei ist ihr Erfolg nicht auf Deutschland beschränkt: Das auf der ganzen Welt in ETF verwaltete Vermögen ist im Jahr 2009 auf 1032 Milliarden Dollar gestiegen und hat damit erstmals die Marke von 1 Billion Dollar überschritten.
Ihren Aufstieg verdanken die ETF einem weiteren Umstand: Herkömmliche Fonds scheitern häufig daran, eine höhere Rendite als der Gesamtmarkt zu erzielen. Anders die ETF: Sie wollen den Kampf gegen den Index gar nicht erst gewinnen. Sie versuchen nicht, durch "aktives" Management den Index zu übertreffen, sondern begnügen sich damit, "passiv" die Indexentwicklung nachzuvollziehen. Mit "Tracking Error" (Abweichung vom Pfad) umschreiben ETF-Anbieter die Differenz zwischen Index und Indexfonds - und den wollen sie möglichst gering halten, gleichgültig wie stark der Referenzindex in die Knie geht. "Das Segment der ETF ist ein stark wachsender Markt, der ohne jeden Zweifel seine Berechtigung hat, allein schon deshalb, weil zu viele aktiv gemanagte Fonds existieren, die keine Daseinsberechtigung haben", sagt Rieken.
... bei exotischen Basismärkten muss man jedoch genauer hinschauen
Doch nun kommen auch ETF auf den Markt, deren Vorteil zu Investmentfonds schwindet. Ähnlich wie Bio-Lebensmitteln werden den Produkten heute Eigenschaften nachgesagt, die diese nicht haben, meint Rieken. So gebe es heute ETF auch auf exotische Märkte zu vergleichsweise hohen Kosten. Auf weniger entwickelten Märkten sei auch die Qualität der Einzeltitel so unterschiedlich, dass sich aktives Fondsmanagement auszahle.
Deshalb rät Rieken, genau hinzuschauen: "Für die Verwaltungsgebühren, zu denen ETF aufgelegt werden, bekommt der Mandant häufig einen aktiv gemanagten Fonds." Für spezielle Märkte wie Indien zum Beispiel gebe es keine wirklich günstigen ETF. "Da ist es für Privatanleger besser, einen aktiv gemanagten Fonds zu kaufen", sagt Rieken: "An der Börse Hamburg oder bei Discountbrokern bekommt man die auch ohne Ausgabeaufschlag."
Ursprünglich bildeten ETF den Markt durch den Kauf der Einzeltitel in dem Gewicht nach, in dem sie im Index vertreten sind. Manche Anbieter machen sich diese Mühe nicht. Dort hält der ETF nicht unbedingt die Wertpapiere aus dem abzubildenden Index. Der Dax ETF von DB X-Trackers hielt zeitweise nur japanische Aktien. Das Japan-Risiko wurde über Swaps oder Derivate herausgetauscht, das Dax-Risiko hineingetauscht. Rieken hält nichts von swap- oder derivatebasierten ETF: "Wir warnen unsere Kunden vor diesen gentechnisch manipulierten Konstruktionen." Bei denen handele sich der Anleger ein Kontrahentenrisiko ein, das erst wieder aufwendig analysiert werden müsse: "Das wollen wir nicht."
ETF sind - da sind sich die Finanzprofis weitgehend einig - eine sinnvolle Innovation. Allerdings warnt auch Schäfer davor, sie zu überschätzen: "Niemand weiß, wie es die ETF-Branche verkraftet, wenn sie einmal mit hohen Mittelrückflüssen konfrontiert ist." Dazu sei das Segment noch zu jung. Ihre Bewährungsprobe in einer Krise haben die ETF noch vor sich.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |