27.02.2004 · Unbedarfte Anleger sollten nicht in die bald auch in Deutschland erhältlichen Hedge Fonds investieren, heißt es beim Branchenverband BVI. Die Fondsbranche rechnet mit bis zu zehn Milliarden Euro an frischen Mitteln.
Unerfahrene Anleger sollten nach Einschätzung von Experten nicht in die bald auch in Deutschland vertriebenen Hedge Fonds investieren. Die Fondsbranche will im Frühjahr die ersten dieser als hochspekulativ geltenden und mit komplizierten Finanzinstrumenten arbeitenden Produkte in Deutschland anbieten. Für Privatanleger sind dabei vor allem Dach-Hedge-Fonds gedacht, die das Risiko durch Investments in andere Hedge-Fonds streuen.
„Anleger, die in Hedge Fonds investieren wollen, sollten eine gewisse Wertpapiererfahrung mitbringen", sagt Rolf Dreiseidler, Geschäftstellenleiter des Bundesverbandes Alternative Investments (BAI). „Der Anleger sollte ein frei verfügbares Vermögen von 50.000 Euro, besser 100.000 Euro, haben und mit Wertpapieren schon Erfahrung gesammelt haben", sagt Christian Lienke von der Fondsgesellschaft Union Investment.
Hedge Fonds nach Skandalen mit negativem Image belastet
Erst das seit Anfang des Jahres geltende Investmentmodernisierungsgesetz erlaubt den öffentlichen Vertrieb von Hedge Fonds auch in Deutschland. Diese Fonds sind komplizierte Produkte, die nicht nur in Aktien und Renten, sondern unter anderem auch in Derivate, Rohstoffe und Währungen investieren. Dadurch sind sie zwar unabhängiger von den Bewegungen an den Hauptanlagemärkten, bergen aber auch höhere Risiken.
In der Vergangenheit hatten Hedge Fonds immer wieder negative Schlagzeilen gemacht, so 1998, als der Fonds Long Term Capital Management (LTCM) beinahe zusammenbrach und vor allem durch Zinsspekulationen rund vier Milliarden Dollar verlor. Für Turbulenzen sorgte auch der Fonds des amerikanischen Milliardärs George Soros, der 1992 gegen das britische Pfund spekulierte und damit einen Kurssturz der Währung auslöste.
Deutsche Fondsbranche erwartet bis zu zehn Milliarden Euro
„Im Laufe des Jahres 2004 rechnen wir mit acht bis zehn Milliarden Euro Mittelzuflüssen in Hedge-Fonds und ähnliche Produkte", sagt Dreiseidler. Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) schätzt das Marktvolumen für Hedge Fonds bei deutschen Anlegern auf mittelfristig 25 bis 50 Milliarden Euro. Das in die weltweit geschätzten 6.000 Hedge Fonds investierte Vermögen wird von Branchenexperten auf 600 bis 700 Milliarden Dollar veranschlagt.
Bisher haben nach Angaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sieben deutsche sowie eine ausländische Fondsgesellschaft beantragt, Hedge-Fonds anbieten zu dürfen. Die BaFin rechnet einer Sprecherin zufolge damit, daß die ersten Produkte Ende März, Anfang April auf den Markt kommen. Bisher haben sich die Branchenverbände mit der BaFin nur auf Mustervertragsbedingungen für Single-Hedge-Fonds geeinigt. Diese Textbausteine sollen die Genehmigung eines Fonds beschleunigen. Eine Einigung zu Dach-Hedge-Fonds erwartet der BVI in der kommenden Woche.
Vor allem neue Dach-Hedge-Fonds erwartet
Viele der neuen Produkte dürften Dach-Hedge-Fonds sein. Diese dürfen - anders als die so genannten Single-Hedge-Fonds - öffentlich vertrieben werden und sind damit auch für Privatanleger gedacht. Die Fondsgesellschaft DWS plant nach Angaben einer Sprecherin für 2004 mehrere Dach- und Single-Hedge-Fonds. Auch Union Investment, Cominvest und Lupus Alpha wollen in den nächsten Monaten mit Produkten auf den Markt kommen. Erst im zweiten Halbjahr will die Deka Bank unterstützt durch externe Expertise einen Dach-Hedge-Fonds anbieten. Die Fondsgesellschaft Dit legt nach eigenen Angaben zum 24. März über eine Luxemburger Tochter zwei Dach-Hedge-Fonds auf, die aber noch nicht zum öffentlichen Vertrieb in Deutschland zugelassen sind.
"Als Anleger muß man zwar nicht jede einzelne Position des Hedge Fonds verstehen, aber man sollte schon wissen, wie die Rendite erzielt und Risiko kontrolliert wird", sagt BAI-Experte Dreiseidler. Die Fonds verfolgen verschiedene Strategien, die sich in ihrem Risiko deutlich unterscheiden können.
Leerverkäufe als Mittel bei fallenden Kursen
Bei der für Hedge Fonds typischen „Long-Short"-Strategie wird unter anderem mit Leerverkäufen (Short Selling) gearbeitet. Dabei leiht sich ein Fondsmanager in Erwartung fallender Kurse Aktien. Ist der Kurs schließlich gesunken, kauft er sich die Papiere günstiger zurück. Nach der „Event Driven"-Strategie setzt der Manager auf angekündigte oder erwartete Ereignisse bei Firmen, wie etwa Fusionen, Übernahmen oder Restrukturierungen.
Grundlage der „Global Macro"-Strategie ist die makroökonomische Analyse von Politik und Wirtschaft. Dabei versucht der Manager Trends früher als andere zu erkennen und sie zu nutzen. Bei den „marktneutralen Strategien“ werden Preisungleichgewichte ausgenutzt. Bei „Managed Futures“ setzt der Manager auf Markttrends - teils auf Basis computergestützter Modelle - und investiert in börsengehandelte Futures.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |