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Investmentfonds Fondsstatistik zeigt prozyklisches Anlegerverhalten

14.07.2006 ·  Die wenigsten Privatanleger haben Zeit, sich ständig mit ihrem Geld zu befassen. Daher steigen sie oft in bereits ausgereizte Trends ein. Die jüngste Statistik des Branchenverbandes BVI zeigt dies deutlich.

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Investmentfonds haben in den vergangenen Jahren deutlich zu kämpfen gehabt. Erst machte ihnen die Baisse zu schaffen, in der sie häufig ihr Versprechen nicht einlösen konnten, besser abzuschneiden als der Markt oder gar Verluste zu vermeiden. Seitdem müssen sie sich der wachsenden Konkurrenz durch Zertifikate erwehren, die manchem Anleger transparenter erscheinen - auch wenn sie es zumeist nicht sind.

Das hat sich nicht zuletzt in den Mittelzu- bzw. Abflüssen niedergeschlagen. Auch wenn die Branche im ersten Halbjahr 2006 35 Milliarden Euro eingesammelt hat, so fiel der Erfolg bei den Publikumsfonds doch bescheidener aus. Diesen flossen davon laut Halbjahres-Statistik des Branchenverbandes BVI lediglich 7,6 Milliarden Euro zu.

Publikumsfonds verlieren an Bedeutung

Das ist zwar erheblich besser als das Ergebnis des Jahres 2004, als der Zufluß im Gesamtjahr nur 6,5 Milliarden Euro betrug. Doch im Vergleich dazu waren es im Gesamtjahr 2003 knapp 32 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal flossen übrigens per saldo 1,6 Milliarden Euro ab.

Dagegen boomen die Spezialfonds. Flossen ihnen 2003 rund 24 Milliarden Euro und 2004 nur noch 17,7 Milliarden Euro zu, so waren es 2005 rund 39 Milliarden Euro - und dieses Ergebnis scheint 2006 bei einem Plus von 27,4 Milliarden im ersten Halbjahr übertroffen zu werden. Im ersten Quartal 2006 flossen

Was sich hier bemerkbar zu machen scheint, sind die Auswirkungen der staatlich verordneten Altersvorsorge über Riester- und Rürup-Rente. Diese scheint auch zu Lasten der Publikumsfonds zu gehen. Was Wunder, gibt es bei der einen Anlageform doch Steuergutschriften, während bei der anderen Gewinne zunehmend wegbesteuert werden.

Aktienfonds weiter mit Netto-Abflüssen

Unter den Publikumsfonds verbuchten Aktienfonds abermals deutliche Mittelabflüsse - genau wie in den beiden vorangegangenen Halbjahren. Dabei hat sich der Mittelabfluß auf das Halbjahr gesehen mit einem Minus von 2,8 Milliarden Euro gegenüber 3,1 Milliarden in der Vorjahresperiode etwas verlangsamt.

Indes wurden im ersten Quartal noch 2,5 Milliarden Euro mehr in Aktienfonds investiert. Im zweiten Quartal wurde dagegen die rekordverdächtige Summe von 5,25 Milliarden Euro abgezogen - angesichts der Wertentwicklung ist dies wohl kaum ein Wunder.

Beliebt sind unterdessen angesichts steigender Zinsen und aufgrund der hohen Sicherheit Geldmarktfonds mit einem Netto-Zufluß von 8,7 Milliarden Euro (Vorjahreszeitraum: 7,3 Milliarden) gewesen, obgleich auch bei ihnen im zweiten Quartal der Mittelzufluß deutlich nachgelassen hat.

Schwellenländer und Rohstoffe bei Aktien am beliebtesten

Im Vorjahr waren zur Jahresmitte noch die Rentenfonds die Renner, die mit einem Plus von 16,6 Milliarden einen Boom erlebten. Doch die schlechte Entwicklung der Anlageform seit Herbst 2005 hat offenbar zum Umdenken geführt: Zwar flossen dieser Anlageform im ersten Halbjahr noch 2,4 Milliarden zu, doch lag diese Größe im ersten Quartal noch bei 5,2 Milliarden, so daß auch hier im zweiten Quartal ein deutlicher Mittelabfluß zu verzeichnen war.

Besonders unbeliebt waren europaweit (minus 3,8 Milliarden Euro) und global investierende (minus eine Milliarde Euro) Fonds. Die Tatsache, daß dagegen Schwellenländer-Fonds (plus 0,7 Milliarden Euro) und Rohstoff-Fonds (plus 0,5 Milliarden Euro) Mittelzuflüsse verzeichneten, spiegelt offenbar wider, daß viele Privatanleger zu spät auf einen Zug aufspringen.

Im übrigen sank das Mittelaufkommen seit Januar beständig. Seit spätestens Mai fließen deutlich Mittel ab. Ganz besonders zeigt sich das bei Rohstoff-Fonds, die den Nettomittelzufluß praktisch allein im Februar verzeichneten.

Euro-Spekulationen bei Rentenfonds

Daß indes der Glaube an - oder die Bewerbung von - Schwellenländerfonds nicht tot zu kriegen ist, zeigt sich auch daran, daß in Amerika in der vergangenen Woche mehr als eine Milliarde Dollar in Schwellenländer-Aktienfonds floß, während die Anleger in den vergangenen sieben Wochen Kapital abgezogen hatten. Hingegen verzeichneten amerikanische, europäische und japanische Fonds Kapitalabflüsse.

Indes hat der Schwellenländer-Boom auch in Amerika etwas nachgelassen. In diesem Jahr wurden netto 17,5 Milliarden Dollar neu investiert. Doch vor neun Wochen erreichten die Netto-Zuflüsse noch den Spitzenwert von 32,9 Milliarden Dollar. Und im vergangenen Jahr zogen die Aktienfonds aus den Schwellenländern per Saldo die Rekordsumme von 20,3 Milliarden Dollar an.

Ähnlich sieht das Verhalten bei Rentenfonds aus. Vor allem aus Euro-Rentenfonds zogen Anleger Mittel ab, um es in Fonds in europäischen Währungen oder global ausgerichtete Fonds zu stecken. Offenbar setzten sie auf einen starken Euro, als dessen Stärke sich schon dem Ende zuneigte.

Wer zu spät kommt, denn bestraft die Wertentwicklung

Genauso unbeliebt waren - was Wunder - offene Immobilienfonds. Anleger in den vergangenen sechs Monaten 8,2 Milliarden Euro ab - in jüngster Vergangenheit seien indes wieder Netto-Zuflüsse zu verzeichnen, so der BVI. Im Juni weist die BVI-Statistik wieder Netto-Zuflüsse in Höhe von 220 Millionen Euro aus. Dabei dürfte die Krise der Aktien, Renten und Rohstoffe durchaus hilfreich gewesen sein.

Per saldo spiegeln die Trends beim Mittelaufkommen vor allem die Popularität bestimmter Anlageformen wider. Sie zeichnen nach, was en vogue gewesen ist - und zeigen dabei häufig erbarmungslos auf, wie Privatanleger oft zu spät kommen, da sie von einem Trend erst Wind bekommen, wenn dieser bereits ausgereizt ist und den Boden für diejenigen bereiten, die auf einen günstigen Ausstiegszeitpunkt warten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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