08.02.2010 · Die deutsche Fondsbranche kommt mit einem blauen Auge aus dem Jahr eins nach der großen Finanzkrise heraus. Einen Mittelzufluss von netto 2,1 Milliarden Euro in deutsche Publikumsfonds meldete der Fondsbranchenverband BVI.
Die deutsche Fondsbranche kommt mit einem blauen Auge aus dem Jahr eins nach der großen Finanzkrise heraus. Einen Mittelzufluss von netto 2,1 Milliarden Euro in deutsche Publikumsfonds meldete der Fondsbranchenverband BVI am Montag für das Jahr 2009. Doch diese Zahl verdeckt zugleich einen möglicherweise tiefgreifenden Strukturwandel im Fondsgeschäft: Es waren vor allem die Anbieter von börsengehandelten Indexfonds (Exchange Traded Funds oder ETF), die zu diesem Wachstum beigetragen haben.
"Würden wir die ETF-Zahlen von den klassischen Investmentfonds abziehen, wäre die Fondsbranche im negativen Bereich", sagte der scheidende BVI-Präsident Wolfgang Mansfeld. So weist allein der ETF-Anbieter der Deutschen Bank, DB X-Trackers, für das vergangene Jahr einen Mittelzufluss von netto 5,9 Milliarden Euro aus.
ETFs hübschen die Statistik auf
Die DWS dagegen, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, hat unter dem Strich einen Mittelabfluss von 3,7 Milliarden Euro zu verkraften. Ähnlich sieht es im Fondsgeschäft der Sparkassen aus: Der ETF-Anbieter, ETF Lab Investment, meldete einen Mittelzufluss von netto 2,4 Milliarden Euro, während die Fondsgesellschaft der Sparkassen, Deka, einen Mittelabfluss von netto 7,8 Milliarden Euro hinnehmen musste.
Allerdings leiden die ausgewiesenen Zahlen darunter, dass zwei große ETF-Anbieter keine Zahlen an den Fondsbranchenverband BVI melden. So weist die amerikanische Fondsgesellschaft Blackrock den im vergangenen Jahr von der Barclays Bank übernommenen ETF-Anbieter I-Shares nicht gesondert aus. Und auch die Fondsgesellschaft der französischen Bank Société Générale, SGSS, meldet dem BVI keine Deutschland-Zahlen für ihren ETF-Anbieter Lyxor Asset Management. "Die heutige Statistik ist nicht optimal", räumte Dirk Klee, der für Blackrock im BVI-Vorstand sitzt, ein und kündigte eine Überarbeitung an.
Allerdings geht aus einer Aufstellung von Blackrock für die ETF-Branche in Europa hervor, wie dynamisch dieses Segment der Vermögensverwaltung wächst. Demnach steigerte I-Shares das verwaltete Vermögen im vergangenen Jahr allein in Europa um 53,4 Prozent auf 29,9 Milliarden Dollar (rund 22 Milliarden Euro) und ist damit größter ETF-Anbieter in Europa. Auf den dritten Rang zurückgefallen ist Lyxor mit einem Wachstum von 32,5 Prozent auf 11,2 Milliarden Dollar. Auf Platz zwei schob sich DB X-Trackers mit einem Plus von 55,3 Prozent auf 13,2 Milliarden Dollar.
Sie heizen den Preiswettbewerb an
Angesichts des Siegeszugs der ETF suchen die Vertreter der klassischen Fonds nun den Schulterschluss. "ETF lieferten einen wichtigen Beitrag zum Gesamterfolg der Branche", sagte Mansfeld. "Die ETF-Anbieter stärken uns." Tatsächlich heizen sie jedoch den Preiswettbewerb an, da für den Anleger beim Kauf von ETF deutlich weniger Kosten entstehen als mit herkömmlichen Investmentfonds.
Die Erholung des Investmentgeschäfts fand im vergangenen Jahr vor allem im Bereich der institutionellen Anleger - Pensionskassen, Banken, Versicherer - statt, während die Privatanleger weitgehend ausgeblieben sind. Die Großanleger trugen 2009 maßgeblich zur Erholung im Geschäft mit Publikumsfonds bei, eine Anlagegattung, in die sie früher weniger stark investierten. "Die institutionellen Anleger waren im vergangenen Jahr sehr aktiv", sagte der neue BVI-Präsident Thomas Neiße. ETF werden ohnehin überwiegend von institutionellen Anlegern gekauft, da sie am Bankschalter privaten Kunden kaum angeboten werden.
Nun gelten die Anstrengungen der Branchenlobby den Privatanlegern, bei denen die Fondsbranche verlorenes Vertrauen mittels einer Image-Kampagne zurückholen will. Nicht nur durch den zum Teil scharfen Einbruch in der Wertentwicklung hat das Ansehen der Investmentbranche zuletzt gelitten. Dazu hat auch die Krise der offenen Immobilienfonds beigetragen. "Wir müssen an der einen oder anderen Stelle nochmal nachlegen", kündigte Knoflach weitere Reformvorschläge an.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |