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Investmentfonds Die Qual der richtigen Kennzahl

30.03.2006 ·  Die Auswahl des richtigen Fonds ist ein kompliziertes Unterfangen. Helfen sollen zahlreiche Kennziffern, die Wertentwicklung und Risiko in Beziehung setzen. Aber welche ist die richtige? Am besten: alle.

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Es steht immer wieder breit in allen Werbungen für Investmentfonds: „Eine gute Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Erträge“. Wäre dem nicht so, wäre die Kunst der Fondsanalyse und Auswahl keine Kunst, sondern leicht durchschaubar.

Dabei ist es doch genau die Wertentwicklung bzw. die Chancen auf eine gute, die Anleger umtreibt. Legt man die Wertentwicklung der Vergangenheit zugrunde, stellt sich schon die erste Frage: Welche Wertentwicklung hätten Sie denn gern?

Fixierung auf absolute Wertentwicklung macht bisweilen unflexibel

Bei einem Fonds, der in kurzer Frist sehr gut gelaufen ist, besteht die Hoffnung, daß diese Entwicklung noch einige Zeit anhält. Anderseits kann der Fonds sich gerade auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung befinden oder einen Zufallstreffer verbucht haben.

Zudem ist die Fondsanlage eher eine langfristige, so daß eher langfristige Wertentwicklungsdaten interessant ist. Doch auch hier kann es zu einem falschen Timing führen.

Insbesondere berücksichtigen reine Wertentwicklungsdaten nicht die Schwankungen in derselben. Das ist dann weniger interessant, wenn man als Anleger flexibel in der Wahl des Ausstiegzeitpunktes ist und diesen nach der Wertentwicklung richtet.

Doch meistens ist das nicht der Fall. Insofern wäre eine stabile Wertentwicklung wünschenswert. In diesem Fall beginnen sich längerfristig Geldmarkt- und Immobilienfonds zu empfehlen. Doch wer hätte nicht gern die Rendite der Aktien?

Mittel der Wahl: Sharpe-Ratio

Insofern empfiehlt es sich beim Griff zum Aktienfonds die Volatilität zu berücksichtigen. Dies kann bisweilen zu erstaunlichen Ergebnisveränderungen führen. Mittel der Wahl ist dabei immer noch vor allem die sogenannte Sharpe-Ratio.

Diese Kennziffer mißt die Überschußrendite eines Fonds pro Risikoeinheit. Je höher die Sharpe-Ratio, desto größer war die Mehrrendite, die ein Fonds gegenüber der risikolosen Geldmarktanlage erwirtschaftet hat.

Das Ergebnis ist frappierend. Nur einem einzigen Fonds, dem 3 Banken Österreich-Fonds (Isin: AT0000662275) gelingt es, sich unter beiden Aspekten vorne zu plazieren. Indes verfehlen der Espa Stock Vienna und der CS (Lux) Small Cap Germany die Top Ten nur knapp. Dagegen finden sich die Türkei-Fonds irgendwo zwischen Platz 300 und 400 wieder.

Treynor-Ratio: Bisweilen irreführend

Weniger gebräuchliche Kennziffern sind dagegen die Treynor-Ratio und die Sterling Ratio. Die Treynor-Ratio setzt die Überschußrendite zum sogenannten Beta in Beziehung. Dieses ist eine statistische Maßgröße, die die prozentuale Veränderung eines Fonds auf eine einprozentige Veränderung des Referenzindex' angibt. Je größer die Treynor-Ratio, desto weniger schwankt die Wertentwicklung des Fonds im Vergleich zu den Vergleichsmarktschwankungen.

Auch nach der Treynor-Ratio kann sich der 3 Banken-Fonds behaupten. Aufgrund der Ähnlichkeit der Kennziffern finden sich auf dieser Rangliste auch andere der Top-Fonds gemäß Sharpe-Ratio wieder. Indes erweist sich die Kennziffer doch als ungenau. Vor allem ist sie abhängig von der Wahl der Benchmark, da sie ja den Fonds zu dieser in Relation setzt. Das zeigt sich auch daran, daß die Wertentwicklung der Top-Ten-Fonds sehr viel stärker streut als bei der Sharpe-Ratio. Die Treynor-Ratio eignet sich daher eher für den Vergleich zweier Fonds mit gleicher Benchmark.

Sterling-Ratio: Wenig verbreitet

Kritiker der Sharpe-Ratio bemängeln, daß die Volatilität als Risikomaß Kursausschläge nach oben und nach unten gleich gewichtet, obwohl eigentlich nur die Ausschläge nach unten ein Risiko für den Anleger darstellen. Die Sterling Ratio zeigt das Verhältnis der Rendite zum höchsten Wertverlust abzüglich zehn Prozent an. Auch hier plaziert sich der 3 Banken-Fonds wieder. Auch bei der Sterling Ratio streut indes die Wertentwicklung stärker.

Im Grunde sind alle diese Kennziffern lediglich Hilfsgrößen, die eine individuelle Betrachtung des Fonds nicht ersetzen. Bei der Vorauswahl sind sie indes durchaus hilfreich. Vor allem, wenn man sich nicht auf eine einzige Ziffer verläßt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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