08.02.2010 · Das Etablierte steht bei Fondsanlegern immer noch hoch im Kurs. Mit Innovationen lassen sich Anleger kaum noch locken, während die Behavorial-Finance-Fonds enttäuschen.
Von Christian Hiller von GärtringenMit neuen Fondsideen lassen sich die deutschen Anleger kaum noch zu einem Investment bewegen. Diese Erfahrung machen derzeit die Investmentgesellschaften mit der Privatkundschaft, aber auch mit den institutionellen Anlegern wie Sozialversicherungsträgern, Versorgungskassen, Banken, Versicherern oder Pensionskassen.
So haben Aktienfonds im vergangenen Jahr per Ende November einen Mittelzufluss von netto 13 Milliarden Euro verzeichnet. Dies geht aus den Zahlen des Branchenverbands BVI hervor. Doch aus spezielleren Produkten wie Zielvorgabefonds oder Hybridfonds ist im November mehr Geld abgeflossen, als die Anleger gleichzeitig einzahlten.
Vom Speziellen zum Generellen
Sogar die wenigen Hedge-Fonds, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind, waren erfolgreicher. Zwar werden diese Produkte in der Öffentlichkeit immer wieder für vergangene Exzesse der Finanzbranche verantwortlich gemacht. Doch der hohe Bekanntheitsgrad der geschmähten Produkte hat offenbar den Absatz gestützt.
Fonds, die auf originelle Ansätze aufbauen, haben es schwerer am Markt. So brachte die Kölner Fondsgesellschaft Monega, an der die DEVK Versicherungen, die Sparda-Banken und das Bankhaus Sal. Oppenheim beteiligt sind, einen Fonds auf den Markt, der versucht, die Erkenntnisse der Behavorial Finance auszunutzen. In diesem Spezialbereich der Wirtschaftswissenschaften bewegen sich die Ökonomen im Spannungsfeld zwischen Finanzmärkten, Psychologie und Anlegerverhalten.
Gegen die Stimmung ist's schwer
Der Ansatz beruht auf der Idee, dass der „Homo oeconomicus“ nicht mehr als ein theoretisches Konstrukt ist, das es in Wirklichkeit nicht gibt. Tatsächlich verhält sich der Mensch nicht als rationaler Nutzenmaximierer. Seine Entscheidungen sind von Unsicherheit und Emotionen getragen. „Unsichere Prognosen sind Grundlage der meisten Anlageentscheidungen“, heißt es in einer Präsentation des HSH Strategy Sentiment LS (Isin: DE000A0NGFG4), den die Monega mit der HSH Nordbank aufgelegt hat.
In der Behavioral Finance wird vor allem der Herdentrieb der Anleger untersucht - sie neigen dazu, zu kaufen, wenn alle kaufen, und zu verkaufen, wenn alle verkaufen. Die Manager des Monega-Fonds hingegen wollen die Stimmung an den Märkten analysieren, Übertreibungen identifizieren und dann antizyklisch oder prozyklisch Positionen eingehen. Bisher jedoch konnte die HSH kaum mehr als 50 Millionen Euro für den Fonds einsammeln. Der weitere Erfolg wird wohl auch dadurch erschwert, dass der Fonds einen denkbar schlechten Start erwischt hatte: Während die Kurse an den großen Aktienmärkten im vergangenen Jahr kräftig gestiegen sind, liegt der Behavorial-Finance-Fonds im Minus.
Großreinemachen
„Neben den nahezu nicht vorhandenen Trendmärkten liefern die Stimmungsindikatoren kein eindeutiges Bild“, heißt es bei der HSH Nordbank. Der Eindruck drängt sich auf, dass den Fondsmanagern die Erkenntnisse der Behavorial Finance nicht weiterhelfen. „Die unterdurchschnittliche Wertentwicklung des Fonds ist modellbedingt“, lässt das Fondsmanagement mitteilen. Derzeit verzeihen die Anleger solche Negativentwicklungen noch weniger als in der Vergangenheit.
Angesichts der geringen Neigung der Anleger, auf Innovationen aufzuspringen, beschränken sich die großen Fondsgesellschaften wie DWS, Deka oder Union Investment weitgehend darauf, ihre Produktpalette zu bereinigen. Sie verabschieden sich von überholten Anlageideen oder von unrentablen Fonds und runden ihr Angebot nur leicht ab.
Wandelanleihen in Mode
So bringen viele Fondsgesellschaften derzeit Fonds auf den Markt, die in Wandelanleihen (“Convertible Bonds“) anlegen. Diese Produkte liegen zwischen Aktie und Anleihe, wobei sie eine höhere Sicherheit als Aktien bieten und eine größere Renditechance als Anleihen. Die Deka der Sparkassen und die Union Investment der Volks- und Raiffeisenbanken setzen nach wie vor stark auf Garantieprodukte, da sie bei ihrer Privatkundschaft einen Bedarf an Anlageinstrumenten mit geringem Risiko sehen.
Zu den innovativeren Produkten der DWS zählt der Fonds DWS Sachwerte, der angesichts der rapide steigenden Staatsverschuldung in vielen Ländern die Furcht mancher Anleger vor einer aufkommenden Inflation aufgreift. Deshalb investiert der Fonds schwerpunktmäßig auf den Aktienmärkten in Substanztitel und nicht in riskantere Wachstumsaktien und darüber hinaus in Immobilien, Rohstoffe, Edelmetalle und inflationsindexierte Anleihen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |