28.01.2004 · Seit Jahresbeginn sind Dach-Hedge-Fonds in Deutschland zugelassen. Doch bis Privatanleger solche Produkte deutscher Anbieter erwerben können, wird es noch etwas dauern. Lediglich DWS scheint es eilig zu haben.
Seit dem ersten Januar hat sich die deutsche Fonds-Landschaft im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gewandelt. Zumindest rechtlich gesehen: Denn der deutsche Gesetzgeber hat im Dezember den Weg zur Einführung von Hedge Fonds freigemacht. Wesentlich mehr hat sich für Anleger allerdings noch nicht getan. Deutsche Fondsgesellschaften sind noch dabei Dach-Hedge-Fonds für Privatanleger zu konzipieren oder warten auf die Genehmigung durch die Finanzdienstleistungsaufsicht.
Die Mehrheit der Anbieter geht nach einer Umfrage von FAZ.NET davon aus, erst nach März oder im zweiten Halbjahr mit entsprechenden Produkten auf dem Markt vertreten zu sein. Lediglich die zur Deutsche Bank-Gruppe zählende DWS hat es eilig. Sie könnte innerhalb der nächsten zehn Wochen die beantragte Genehmigung erhalten.
„Sehen, wie sich der Markt entwickelt“
Während die Hypovereinsbank-Tochter Activest keinen Hedge Fonds auflegen will, befindet sich Deka Investment weiter auf der Suche nach Kooperationspartnern, wie ein Sprecher sagte. Der Sparkassen-Partner werde frühestens im zweiten Halbjahr mit Dach-Hedge-Fonds - also Fonds, die in andere Hedge Fonds investieren - auftreten. Dies sieht die Deka nach ihren Worten nicht als Wettbewerbsnachteil. „Wir wollen sehen, wie sich der Markt entwickelt.“ Zumal Dach-Hedge-Fonds nur sinnvoll seien, wenn es genügend in Deutschland zugelassene Hedge Fonds zur Auswahl gebe. Nur dann sei ein vernünftiges Portfolio zusammenzustellen, so der Sprecher weiter.
Ähnliches gilt für den Deutschen Investment Trust (Dit), der zur Allianz-Gruppe zählt. Wie Sprecher Heinrich Durstewitz sagte, werde der Dit zwei Dach-Hedge-Fonds auflegen, die unterschiedliche Risiken aufweisen werden. Ein Produkt werde sich an konservativ veranlagte Investoren wenden, der andere an Anleger, die es spekulativer mögen. Zu Einzelheiten hält sich der Dit bedeckt, bis er die Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde vorliegen hat. Am inoffizilelen Wettbewerb „Wer ist der erste am Markt“ wolle sich diese Fondsgesellschaft nicht beteiligen. Auch gebe es keine Zielmarke, wieviel Geld sie mit Dach-Hedge-Fonds einsammeln wolle.
Cominvest strebt Jahresrendite von bis zu 15 Prozent an
Weniger zurückhaltend gibt sich die Commerzbank-Tochter Cominvest: Im zweiten Quartal will sie einen Dach-Hedge-Fonds auflegen, wie Martin Luley, Leiter des Produktmanagements von Cominvest, ausführte. Im Konzern verfüge man mit Jupiter Asset Management schon über „eine langjährige Expertise“ im Management von Single-Hedge-Fonds, die weiter institutionellen Anlegern vorbehalten bleiben. Der geplante Dach-Hedge-Fonds werde in 15 bis 20 Single-Hedge-Fonds investieren, die Long/Short-Equity-Produkte sind. Also Hedge Fonds, die in Aktien anlegen. Mit diesem Fonds strebe die Cominvest eine jährliche Rendite von zehn bis 15 Prozent an. Wieviel sie von den Privatanlegern an Gebühren verlangen wird, stehe noch nicht fest.
Am weitesten ist nach unserer Umfrage die DWS. Wie Sprecherin Anke Hallmann ausführte, habe die Fondsgesellschaft schon die Zulassung zweier Dach-Hedge-Fonds beantragt. Die DWS gehe davon aus, im Laufe des ersten Quartals die Zulassung dieser Produkte zu erhalten. Den Unterschied beider Produkte charaktersierte sie mit „dynamisch“ einerseits und „ausgewogen“ andererseits. Der dynamische Fonds werde mittel- bis langfristig auf acht bis 15 Single-Hedge-Fonds zurückgreifen, der ausgewogene dagegen auf bis zu 30; auf diese Weise solle das Risiko breiter gestreut werden. Die DWS wolle dabei auf das weltweite Hedge-Fonds-Universum setzen und die eigenen Single-Hedge-Fonds selbstredend einbauen. Als Single-Hedge-Fonds kämen Produkte mit einer Long/Short-Strategie in Frage, die ihren Schwerpunkt nicht unbedingt auf Aktien legen müßten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |