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Investmentfonds : Das große Abkassieren

Bild: F.A.Z. - FOTO DIETER RÜCHEL

Verwaltungsgebühr, Ausgabeaufschlag und jetzt auch noch die Erfolgsgebühr - Fondsgesellschaften schröpfen die Anleger, wo es nur geht. Das schmälert die Rendite erheblich.

          Die Herren auf dem Podium waren guter Dinge. Schließlich hatten sie eine Erfolgsmeldung zu verkünden: Erstmals sei ihre Branche in eine neue Dimension vorgestoßen. 2000 Milliarden Euro - noch nie haben deutsche Fondsgesellschaften zusammengenommen so viel Geld verwaltet wie im Jahr 2012. Das Resümee, das die Spitzenvertreter der Gesellschaften unlängst auf einer Branchenveranstaltung zogen, war denn auch an Zufriedenheit kaum zu überbieten: „2012 war ein richtig gutes Jahr.“

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Man muss aber hinzufügen: für die Fondsgesellschaften. Denn was gut für die Gesellschaften ist, muss noch längst nicht gut sein für deren Kunden. Das gilt auch für 2013: Viele Fonds haben einen guten Jahresstart hingelegt, sie profitieren von der Fortsetzung des Börsenaufschwungs aus dem vergangenen Jahr - eine gute Nachricht für die Kunden, sollte man meinen. Denn natürlich ist an einer ordentlichen Wertentwicklung zunächst einmal überhaupt nichts auszusetzen. Genau deswegen kaufen Anleger schließlich Fondsanteile.

          Mehr Rendite, mehr Gebühren

          Aber die guten Wertzuwächse vieler Fonds kosten die Kunden mehr Geld, als es auf den ersten Blick scheint - und zwar aus einem einfachen Grund: Je besser ein Fonds abschneidet, umso höhere Gebühren muss der Kunde meist zahlen. Das liegt vor allem an einer Kostenart, die sich bei vielen Fondsgesellschaften derzeit höchster Beliebtheit erfreut: der sogenannten Erfolgsgebühr, gerne auch Performancegebühr genannt.

          Nach Schätzungen des Branchenverbandes BVI können in Deutschland Publikumsfonds mit einem verwalteten Vermögen von zusammen 60 Milliarden Euro die Gebühr erheben - gemessen am verwalteten Geld, ist das ein Viertel aller Fonds für Privatanleger. Tendenz: weiter steigend. Ali Masarwah, Analyst der Fondsbewertungsagentur Morningstar, sagt: „Das ist ein beunruhigender Trend zu Lasten der Kunden.“

          Klingt besser als es ist

          Wie funktioniert nun die Erfolgsgebühr? Das Prinzip geht so: Gelingt es einem Fondsmanager, eine bessere Wertentwicklung zu erzielen als ein Vergleichsindex, kann er dafür eine zusätzliche Gebühr von seinen Kunden kassieren. Ein Beispiel: Legt der Dax in einem Jahr um vier Prozent zu, der Fonds aber um sechs Prozent, beträgt die Zusatzrendite zwei Prozent. Hat der Kunde insgesamt 10.000 Euro angelegt, würde die Zusatzrendite also 200 Euro ausmachen.

          Das kleine Lexikon der Fondsgebühren

          Davon zieht ihm der Fondsmanager für seine erfolgreiche Arbeit einen Betrag ab - nicht ungewöhnlich sind 20 Prozent. Heißt also: Von 200 Euro Zusatzrendite bleiben dem Anleger noch 160 Euro. Gleichzeitig muss er weiter die jährlichen Verwaltungsgebühren von bis zu zwei Prozent an den Fondsmanager zahlen.

          Unvernünftig klingt das zunächst nicht: Wer gute Arbeit macht, soll sich doch auch gut dafür entlohnen lassen. Aber Kai Wiecking vom Analysehaus FWW stellt klar: „Die Ausgestaltung der Gebühr ist das eigentliche Problem. Hier muten die Gesellschaften den Kunden viel zu viel zu.“

          Am Gewinn beteiligt, am Verlust nicht

          In einer Auswertung für die F.A.S. hat Morningstar zusammengestellt, welche Fondshäuser kräftig zulangen. Von Allianz Global Investors über DWS und Deka bis hin zu Union Investment sind alle großen deutschen Fondsgesellschaften dabei. Wie sie dabei vorgehen, lässt sich exemplarisch am Dekafonds zeigen - mit einem verwalteten Vermögen von fast vier Milliarden Euro einer der wichtigsten Aktienfonds der Sparkassentochtergesellschaft Deka.

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