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Investmentfonds Breitseite aus der Fondsbranche gegen die ETF-Anbieter

06.08.2010 ·  Jahrelang haben Anbieter preisgünstiger Indexfonds die Anbieter aktiv gemanagter Fonds unter Druck gesetzt. Jetzt kommt der Gegenschlag: Die Fondsgesellschaft Robeco kritisiert hohe Gebühren der Billigkonkurrenz und starke Abweichungen vom Index.

Von Christian Hiller von Gärtringen
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Seit Jahren leiden die Anbieter herkömmlicher Investmentfonds unter der Billigkonkurrenz der börsengehandelten Indexfonds. Exchange Traded Funds oder ETF machen mit niedrigen Gebühren traditionellen Fondsgesellschaften das Leben schwer. Denn ETF bilden stur ihren Referenzindex ab und verschwenden nicht die Energie des Fondsmanagements darauf, besser als der Index abschneiden zu wollen - was häufig auch nicht gelingt. „Aktiv gegen passiv“ lautet das Schlagwort für den Streit zwischen aktiven Fondsmanagern, die den Index übertreffen wollen, und den passiven ETF, die schlicht ihren Referenzindex nachzeichnen.

Doch nun schlägt die erste Fondsgesellschaft, Robeco in Rotterdam, mit einer Breitseite gegen die ETF-Branche zurück. Sie veröffentlichte am Donnerstag eine Studie, in der sie in Zweifel zog, dass die Kosten von ETF günstiger seien. Außerdem bliebe die Wertentwicklung von Indexfonds regelmäßig hinter der Entwicklung der Referenzindizes zurück. Tracking Error heißt diese im Fachjargon. „Investoren erwarten von ETF eine indexnahe Wertentwicklung“, heißt es bei Robeco. „Diese konnten zumindest die untersuchten ETF nicht erfüllen.“

Illiquide und schwer zugänglich

Exchange Traded Funds kamen vor gut 15 Jahren auf den amerikanischen Markt und erreichten vor zehn Jahren Europa. Seitdem feiern sie einen Siegeszug sondergleichen. Das in Europa verwaltete Vermögen stieg von rund 16 Milliarden Euro im Jahr 2003 auf knapp 200 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2010 (siehe Grafik). Zunächst bildeten ETF die großen Aktienindizes ab wie den S&P 500 oder den Dax. Heute gibt es ähnliche Konstruktionen auf Anleihen, aber auch auf Rohstoffe, Währungen und sogar auf Hedge-Fonds. ETF auf alternative Investments verzeichneten im ersten Halbjahr in Europa ein Wachstum von mehr als 81 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro.

„Leider kommen viele Produkte auf den Markt, die nicht sehr transparent sind“, sagt Andreas Fehrenbach, Geschäftsführer von ETF Lab Investment, dem Indexfonds-Anbieter der Sparkassen. „ETF sind eine Erfolgsgeschichte, auf die eben viele aufspringen wollen.“

So greift Robeco in der Studie den Markt für hochverzinste Ramschanleihen - „High Yield“ in der Fachsprache - heraus. Die Kosten der von High Yield ETF lägen bei 40 bis 50 Basispunkten jährlich - das sind 0,4 bis 0,5 Prozentpunkte. Für den entsprechenden Robeco-Fonds würden institutionellen Kunden 57 Basispunkte berechnet, Privatanlegern 116 Basispunkte. Doch während der Robeco-Fonds High Yield Bonds den Index um 1 Prozent jährlich überträfe, blieben die High Yield ETF um 2,5 bis 6 Prozent hinter dem Index zurück - und das obwohl ETF dem Index eng folgen sollen.

Robeco habe sich eben die Märkte herausgesucht, bei denen Kritik berechtigt sei, sagt ein Fondsanalyst. Bestimmte Märkte wie Ramschanleihen, aber auch Aktien oder Anleihen von Schwellenländern seien mit ETF tatsächlich schwer abzubilden. Diese Märkte seien oft illiquide und selbst für professionelle Investoren schwer zugänglich.

Eine Auswahl von Einzeltiteln soll genügen

Drei Anlagestile haben sich im ETF-Geschäft herausgebildet. Bei der „Full Replication“ kauft der ETF alle Aktien mit ihrem Indexgewicht und bildet so den Index exakt nach. Das geht bei Aktienindizes wie dem Dax oder den großen Anleiheindizes leicht. Doch bei Schwellenmärkten wird die Aufgabe komplex. ETF Lab ist eine Full Replication auf alle 123 Aktien des MSCI China gelungen. „Das war ziemlich aufwendig“, sagt Fehrenbach.

Diese Mühe machen sich nicht alle. Der ETF-Anbieter iShares hatte bei einem ETF versucht, die Börse Seoul allein mit der Samsung-Aktie abzubilden, und handelte sich damit hohe Abweichungen auf den Index ein. Hier zeigte sich der Nachteil einer zweiten Methode, dem „Sampling“. Dabei soll eine Auswahl von Einzeltiteln genügen, und der Rest des Portfolios mit Hilfe statistischer Verfahren optimiert werden. Weil dies oft misslingt, wählen andere ETF-Anbieter wie DB X-Trackers der Deutschen Bank Swaps: „Grob gesprochen kann bei Swap-Konstruktionen irgendetwas als hinreichend werthaltig Erachtetes im Portfolio liegen“, heißt es bei der Fondsberatung Faros Consulting. Ein ETF-Anbieter wählte einmal für einen Indexfonds auf den Euro Stoxx 600 als Basisinvestment japanische Aktien, tauschte das japanische Marktrisiko über Terminmarktinstrumente heraus und das Risiko des Euro Stoxx 600 über Derivate herein. „Investoren sollten sich vor der Entscheidung für ein ETF-Investment genau die Gesamtkostenquote und den Tracking Error des ETF anschauen“, rät Robeco.

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