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Interview "Wir meiden amerikanische Aktien"

14.04.2005 ·  Investment Clubs können eine interessante Alternative zu Investmentfonds sein. Zumindest dann, wenn sie erfolgreich anlegen - wie der Münchner Investment Club. Geschäftsführer Andreas Grünewald im Interview.

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Etwa 80 Prozent aller Fondsmanager sind nicht in der Lage, eine bessere Rendite als ein geeigneter Vergleichsindex zu erzielen. Aus diesem Grund ist es entscheidend, bei der Geldanlage den richtigen Fonds zu wählen. Denn nur wer den Markt schlägt, ist sein Geld wert.

Neben Fonds gibt es jedoch noch andere Möglichkeiten, das Geld gezielt zu streuen, um systematische Risiken zu reduzieren. Beispielsweise indem man sich einem Investmentclub anschließt. Auch hier ist es entscheidend, auf den richtigen zu setzen. Einen, der professionell vorgeht und auch entsprechende Erfolge vorweisen kann. Zum Beispiel den Münchner Investment Club.

Er kann seit dem Jahr 1993 mit seinem Aktien Plus-Depot einen durchschnittlichen Jahresertrag von 7,4 Prozent vorweisen, während beispielsweise der Bloomberg European 500 Index auf einen Durchschnittsertrag von 5,8 Prozent kommt. FAZ.NET unterhielt sich mit dem Gründer und Geschäftsführer Andreas Grünewald über seine aktuelle Einschätzung der Märkte.

Die deutsche und die amerikanische Börse laufen in Euro gerechnet auseinander. Ein deutscher Anleger konnte in den vergangenen Monaten mit amerikanischen Aktien kaum Geld verdienen. Sehen sie das auch so?

Wir sagen bereits seit zwei, drei Jahren „Asien entzaubert Amerika“. Wir haben Amerika in unseren Depots deutlich untergewichtet. Das heißt allerdings nicht, daß wir - abgesehen von einem indischen oder australischen Fonds - asiatische Aktien kaufen würden. Sondern wir setzen auf die Aktien europäischer und zur Zeit vor allem auch deutscher Unternehmen.

Glauben Sie an den Aufschwung in Deutschland und Europa?

Nein, wir setzen auf internationale Unternehmen. Sie sind erstens günstig und zweitens unter anderem in jenen Regionen aktiv, die stark wachsen. Zum Beispiel in Osteuropa und Asien.

Können Sie Beispiele nennen?

Die Saurer in der Schweiz. Das Unternehmen ist Weltmarktführer im Textilmaschinenbereich. Gemäß WTO-Vereinbarung war für jeden ersichtlich, daß im Jahr 2005 der Textilmarkt geöffnet wird. Heute kommen etwa 20 Prozent der Textilien aus China, im Jahr 2010 werden es voraussichtlich 50 Prozent sein. Das zeigen zumindest entsprechende Studien. Aus diesem Grund haben wir vor eineinhalb Jahren dort aus fundamentalen Überlegungen investiert - und die Rechnung ist bisher sehr schön aufgegangen.

Ein weiteres Beispiel ist Australien. Sieben Prozent der australischen Bevölkerung sind asiatischen Ursprungs. Es gibt damit eine gewisse kulturelle Nähe zu Asien. Gleichzeitig ist die Börse stark rohstofflastig. Aus diesen Überlegungen haben wir in einen rohstofflastigen Fonds investiert.

Um zurück zu kommen auf Europa haben wir die osteuropäische Karte gespielt, indem wir beispielweise auf die OMV und auf Flughafen Wien gesetzt haben.

Was gefällt Ihnen an Amerika nicht?

Wir sehen nach wie vor Dollarrisiken. Das Leistungsbilanzdefizit wird immer weniger durch entsprechende Mittelzuflüsse ausgeglichen. Gleichzeitig akzeptiert die amerikanische Notenbank nach wie vor ein hohes Geldmengenwachstum. Aus diesem Grund überlegen immer mehr internationale Zentralbanken, ob sie den Dollar bei der Anlage ihrer Währungsreserven noch so hoch gewichtet haben wollen wie in der Vergangenheit oder vielleicht sogar wieder mehr auf Gold setzen wollen.

Gleichzeitig sind die amerikanischen Aktien gemessen am KGV und im Vergleich mit europäischen Werten zu teuer. Wir sehen auch eine Schönung der volkswirtschaftlichen Daten durch hedonische Verfahren. Das ausgewiesene reale Wachstum ist zu hoch, da bei der verwendeten Inflationsrate die Energiekomponente ausgeblendet wird. Schließlich hat sich das Land vom Ölexporteur zum Ölimporteur verwandelt.

Was heißt das für die Märkte?

Sie werden nicht unbedingt zusammenfallen, aber die Abhängigkeit von den Kapitalimporten wird spürbar werden.

Profitieren die internationalen amerikanischen Unternehmen nicht auch vom Wachstum in Osteuropa oder Asien wie die deutschen?

Man muß die Größenordnung berücksichtigen. Für eine Coca-Cola oder McDonalds ist der relative Anteil Asiens oder Osteuropas geringer als jener für deutsche Unternehmen oder beispielsweise für Saurer in der Schweiz oder für BASF.

Wie paßt BASF in das Bild?

Auf Grund des Joint Ventures mit der russischen Gazprom profitiert das Unternehmen vom Energieboom. Sollten die Preise hoch bleiben, dürfte es zu positiven Gewinnüberraschungen kommen, da viele Analysten bei ihren Gewinnschätzungen mit fallenden Preisen rechnen.

Das heißt zunächst zusammengefaßt?

Europäische Unternehmen bieten ein positives Überraschungsmoment. Wir sehen oft sehr günstige Kurs-Gewinnverhältnisse und wir haben schöne Dividendenrenditen von oftmals drei bis fünf Prozent. In Amerika dagegen habe ich angesichts der hohen Erwartungen eher ein gewisses Enttäuschungspotential.

Wenn die amerikanische Börse „hustet“, steckt das nicht Finanzmärkte der Welt an?

Zunächst denke ich, die amerikanische Zentralbank wird sehr vorsichtig sein mit Zinserhöhungen. Außerdem sollte man die Bedeutung der amerikanischen Börse nicht überschätzen. Denn blickt man zurück auf die 80er-Jahre, so waren die Märkte dominiert vom Boom an der japanischen Börse. Sie hatte in der Spitze einen Anteil an der Weltmarktkapitalisierung von etwa 30 Prozent. Heute liegt er in Dollar gerechnet noch bei etwas mehr als zehn Prozent. Als die Anleger entdeckt hatten, daß das Land Probleme hat, wie sie heute vielfach in Amerika zu beobachten sind, wurde die Börse entzaubert.

Konnte das auch der Wall Street blühen?

Ich rechne nicht unbedingt damit, daß sich die amerikanische Börse in den kommenden Jahre drittelt wie die japanische in der Vergangenheit. Aber für Anleger, die in Euro rechnen, dürfte in Amerika nicht viel zu holen sein. Aus diesem Grund setzen wird auf Europa, Osteuropa und auf Asien.

Nach welchen Kriterien investieren Sie?

Wir sind in erster Linie fundamental orientiert. Die Bewertung einer Aktie muß stimmen. Zusätzlich schauen wir möglicherweise noch, ob der Chart gerade ein Kaufsignal zeigt oder dazu rät, mit dem Kauf noch etwas zu warten.

Noch ein paar Worte zum Münchner Investment Club. Wie würden Sie ihn sehen im Vergleich mit einem Investmentfonds?

Verwaltungskostenmäßig liegen wir etwa auf demselben Niveau. Allerdings verlangen wir keinen Ausgabeaufschlag, der Anleger kann jederzeit ein- oder aussteigen. Daneben zeichnen wir uns aus durch unserer erfolgreiche Strategie, unsere Unabhängigkeit und Transparenz, dadurch, daß unsere Anleger einbezogen werden und ihr Wissen über die Kapitalmärkte erweitern können, durch die gebotene Sicherheit und nicht zuletzt auch durch die geprüfte Qualität.

Das Gespräch führte Christof Leisinger

Quelle: @cri
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