06.05.2006 · Börsennotierte Indexfonds sind eine Erfolgsgeschichte. Die Schweizer Privatbank Wegelin setzt die „Active Indexing Strategie“ mit ihnen um. Magne Orgland, geschäftsführender Teilhaber, erläutert die Strategie und die Positionierung.
Börsennotierte Indexfonds sind eine Erfolgsgeschichte weltweit. Sowohl die Umsätze als auch die Zahl der Produkte nimmt immer weiter zu. Das dürfte kaum verwundern. Denn die Produkte sind günstig und effizient.
Die Schweizer Privatbank Wegelin setzt die „Active Indexing Strategie“ mit ihnen um. Quantitative Modelle identifizieren systematisch unter- und überbewertet Aktienmärkte und Branchen, die dann über Indexfonds ge- oder verkauft werden. Magne Orgland erläutert als geschäftsführender Teilhaber von Wegelin & Co. Privatbankiers die Strategie und die aktuelle Positionierung.
Indexfonds sind im Kommen. Sie bei der Bank Wegelin bauen ein ganzes Fondskonzept auf sie auf. Was macht denn diese Produkte so interessant?
Indexfonds bieten eine phantastische Möglichkeit, mit guter Diversifikation und tiefen Kosten in bestimmte Themen zu investieren. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, daß 80 Prozent der aktiven Fondsmanager nach Kosten nicht in der Lage sind, den Markt zu schlagen. Ihre Fonds entwickeln sich im Durchschnitt schlechter als der Vergleichsindex. So fährt man mit dem Kauf eines Indexfonds im Durchschnitt besser als die aktiven Manager.
Würden Sie dem Anleger Indexfonds als Anlageinstrument empfehlen?
Auf jeden Fall.
Welche Indexfonds sollte er sich ins Depot legen?
Das Angebot an Indexfonds hat in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen. Man kann heute praktisch beinahe jeden Länderindex und jede globale Branche kaufen. So stellt sich die Frage, ob man sich als Deutscher beispielsweise den Dax oder den MSCI World Index oder einen anderen Index kaufen sollte oder ob es eine intelligentere Methode gibt, auf die man seine Entscheidung basieren kann.
Gibt es die?
Der MSCI World Index besteht aus Länder- und aus globalen Branchenindizes. Das Investment Office von Wegelin & Co daher mit quantitativen Methoden, die interessantesten Länder und Branchen herauszufiltern. Im Rahmen unserer Strategie „Active Indexing“ machen wir das mit einem Value-Ansatz.
Wie funktioniert der?
Wir wissen aus akademischen Studien, daß es sich lohnt, unterbewertete Aktien zu kaufen. Nun bewerten wir die Aktien des MSCI World Index nach mehreren verschiedenen Kriterien. Dazu zählen Kennzahlen wie zum Beispiel Kurs-Gewinn-, Kurs-Buch-, Kurs-Umsatz-, Kurs-Cashflow- und Kurs-Ebitda-Verhältnisse oder die Dividendenrendite. Dazu nutzen wir qualitativ hochwertige Daten von führenden Datenlieferanten, die wir aggregieren und nach einem eigenentwickelten Modell gewichten, um am Schluß eine Rangliste von günstig bis teuer zu erhalten. Wir investieren dann systematisch in die günstigsten Länder- und Branchen-Indexfonds.
Wie sieht das Resultat aus?
Wir halten in unserem Portfolio im Durchschnitt sechs bis acht Indexfonds, welche die von uns bevorzugten Länder und Branchen im MSCI World Index abbilden. Seit Umsetzung der Strategie, also etwa sei viereinhalb Jahren, haben wir den MSCI Index um durchschnittlich elf Prozent pro Jahr geschlagen.
Und das wird sich fortsetzen lassen?
Wir denken, langfristig etwa fünf Prozent „Outperformance“ pro Jahr liefern zu können. Denn es steckt eine ökonomische Logik dahinter: Mittelfristig kommt es zu Bewertungszyklen. Die Bewertungsunterschiede korrigieren sich aber über die Zeit, da die Märkte langfristig effizient. Von diesen Schwankungen profitieren wir, indem wir systematisch die günstigsten Märkte kaufen.
Wie ist der Fonds, der Wegelin Equity Active Indexing Fund, gegenwärtig positioniert?
Zwei Drittel des Fonds investieren wir gemäß Ländermodell, ein Drittel wird gemäß Branchenmodell investiert. Bei den Ländern sind wir in Europa übergewichtet. Wir haben aktuell beispielsweise Positionen in Italien, in Spanien, in Hongkong und in Großbritannien, in Norwegen sind wir vor kurzem ausgestiegen.
Spielen auch Währungsüberlegungen und damit Absicherungsstrategien eine Rolle?
Nein, wir verwenden kein Währungshedging. Wir sind der Meinung, daß Aktien Realwerte sind, die Währungsverschiebungen über die Zeit automatisch ausgleichen. Zahlreiche Studien zeigen, daß Währungshedging nicht unbedingt risikomindernd ist und langfristig hohe Kosten verursacht.
Wie sieht es auf der Branchenseite aus?
Hier sind wir in die Branchen Gesundheit, Finanzen, Verbrauchsgüter und Telekom investiert.
Habe ich das richtig verstanden: Die Länderallokation dominiert die Branchenallokation?
Die Renditeunterschiede zwischen den einzelnen Ländern sind in der Regel höher als zwischen den einzelnen Branchen. Das heißt, die Entscheidung für oder gegen einzelne Länder bietet mehr Möglichkeiten, eine Überrendite zu erzielen. Aus diesem Grund ist das Ländermodell bei uns übergewichtet, während das Branchenmodell eine gute Stabilität sowie zusätzliche Diversifikation bringt.
Wie kaufen Sie die Fonds? Gibt es eine gemeinsame Fondsplattform für Indexfonds?
Nein, wir nutzen vor allem die Balzac Indexfonds von State Street, die die ganze Welt konsistent in MSCI Indizes abdecken. Manchmal verwenden wir auch Produkte von Barclays, zum Beispiel Ishares ETFs.
Sie haben auch Long-Short-Fonds. Funktionieren sie nach demselben Prinzip, „Unterbewertetes“ zu kaufen und „Überbewertetes“ gleichzeitig zu verkaufen?
Angefangen haben wir mit Active Indexing, das vor allem value-orientiert ist. Später haben wir noch ein Momentum-Modell dazugenommen. In unserem Active Indexing Long-Short-Fonds werden diese beiden Modelle kombiniert, um insgesamt fünf bis sieben Länder oder Branchen long- und in etwa dieselbe Anzahl short zu gehen. Dieser Fonds ist markneutral. Das heißt, wir haben wertmäßig gleich viele Long- und Short-Positionen. Das Aktienmarktrisiko wird auf diese Weise neutralisiert.
Sind diese Produkte für Privatanleger oder für Institutionelle gedacht?
Beim Active Indexing Long/Short handelt es sich um einen sehr breit diversifizierten „Single-Hedge-Funds“, der vor allem für institutionelle Anleger gedacht ist. Er ist prinzipiell jedoch offen für alle Privatanleger. Für diese dürfen wir allerdings nicht aktiv werben. Wer den Fonds kennt, kann ihn auch kaufen.
Gibt es einen minimalen Betrag, der investiert werden muß?
Ja, er ist allerdings nicht zu groß und liegt bei 10.000 Euro.
Können die Fonds auch von deutschen Anlegern erworben werden?
Wir haben schon institutionelle Anleger aus Deutschland. Das heißt, wir liefern alle steuerrelevanten Daten für deutsche Anleger, aber sie sind nicht für den aktiven Vertrieb zugelassen.
Wie ist der Equity Active Indexing Long/Short Fund momentan positioniert?
Auf der Longseite haben wir die größten Positionen in Belgien und Italien, dazu kommen Deutschland, Österreich, Norwegen, Japan, Hongkong, Großbritannien und Spanien. Auf der Shortseite haben wir den amerikanischen Markt und die Branchen Versorgung, Informationstechnologie und dauerhafte Konsumgüter.
Sie bieten dieselben Konzepte - Active Indexing long und long/short - auch für die Schwellenländer an. Wie sind sie dort positioniert?
Auf der Longseite haben wir die größten Positionen in Polen, Thailand und Korea. Dann haben wir noch Positionen in Brasilien, Taiwan, Venezuela, Peru, Malaysia und Argentinien. Da es hier schwierig ist, einzelne Märkte zu „shorten“, gehen wir einfach den Index, den MSCI Emerging Markets Free Index, short.
Wenn sie könnten - welche Schwellenländermärkte würden Sie „shorten“?
Nach unserem Modell sind die indischen und die südafrikanischen Märkte inzwischen sehr teuer geworden.
Politische Risiken spielen keine Rolle?
Doch, im Unterschied zu den etablierten Märkten arbeiten wir hier mit einem „politischen Risikomanagement“. Das wird aber nur dazu verwendet, um Positionen zu reduzieren, die sonst aufgrund der Bewertung größer ausfallen würden. So haben wir beispielsweise die Position in Venezuela reduziert, obwohl das Modell aufgrund der günstigen Bewertung eine relativ große Position vorgeschlagen hat.
Wie sieht es aus auf der Kostenseite, mit Ausgabeaufschlägen et cetera?
Das hängt davon ab, über welche Kanäle die Anleger die Produkte erwerben. Wenn sie die Produkte bei uns, der Bank Wegelin, kaufen, so wird die Transaktion abgewickelt wie ein Aktiengeschäft. Das ist in der Schweiz so üblich. Ansonsten verlangen wir 0,85 Prozent Management Fee und 20 Prozent Performance Fee. Letztere bezieht sich aber nur auf jenen Anteil, um den wir den MSCI World Index schlagen. Auch die so genannte „High Water Mark“ ist relativ. Sollte der Fonds einmal schlechter als der Index abschneiden, dann muß dieser Anteil erst wieder aufgeholt werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |