Lutz Gebser, Vorstandsvorsitzender des Verbandes unabhängiger Vermögensverwalter, im Gespräch mit FAZ.NET über die Stimmung in der Branche, die Angst vor Rohstoffinvestments und die Sommerpause an der Börse.
Herr Gebser, vor einigen Tagen haben Sie viele Kollegen auf dem Fachkongreß der unabhängigen Vermögensverwalter getroffen. Wie ist die Stimmung in der Branche nach der jüngsten Korrektur an den Finanzmärkten?
Die meisten Kollegen sind zuversichtlich, ich bin es übrigens auch. Häufig habe ich die Prognose gehört: Dax 6.000 plus zum Jahresende.
Viele Vorträge hatten die Anlagestrategie zum Thema. Womit beschäftigen sich die Vermögensverwalter zur Zeit?
Traditionell setzen wir vor allem auf Aktien. Beim Kongreß aber haben Rohstoffe eine auffällig große Rolle gespielt. Es ging nicht nur um Gold oder Öl, auch Holz war ein Thema. Der Gedanke, das Vermögen auf verschiedene Anlageklassen zu diversifizieren, gewinnt an Breite.
Gerade an den Rohstoffmärkten fiel die jüngste Korrektur heftig aus. Ist die Rally nicht schon vorbei?
Nein, denn die natürliche Nachfrage nach Rohstoffen steigt mit einem zunehmenden Wohlstand in der Welt, etwa in China oder Indien. Der Preis von vielen Rohstoffen wurde natürlich von Spekulanten nach oben getrieben. Bei manchen Kursentwicklungen war klar: Das schreit nach einer Korrektur. Aber der globale Trend, die wachsende Nachfrage nach Rohstoffen ist nicht gebrochen.
Viele Ihrer Kunden werden noch keine Erfahrungen mit Rohstoffinvestments haben. Sind sie bereit für diese Anlageklasse?
Ich habe von meinen Kollegen gehört und weiß auch aus eigener Erfahrung, daß viele Anleger zunächst sehr vorsichtig reagieren. Sie glauben zwar an den Trend, trauen sich aber noch nicht so richtig. Immerhin: Inzwischen strecken viele zumindest einen Fuß ins kalte Wasser.
Wenn jetzt ein Kunde zu Ihnen kommt und wissen will, ob er jetzt wieder Geld in Aktien investieren soll, was raten Sie ihm?
Ich denke, die Sommerpause wird auch an den Börsen stattfinden. Ich erwarte also eher einen Seitwärtstrend in den kommenden Wochen. Es ist deshalb kein Fehler, jetzt ein bißchen mehr Liquidität zu halten. Derzeit erleben wir die Korrektur der Korrektur. Der Dax hat ja in wenigen Tagen von 5.400 auf 5.700 Punkte zugelegt. Würde das so weitergehen, wäre das Jahresziel von 6.000 Punkten schon bald erreicht. Daran glaube ich aber nicht.
Heißt das für die nächsten Wochen: Finger weg von Aktien?
Nein, aber ein selektives Vorgehen ist notwendig. Am wenigsten risikoreich sind die hochkapitalisierten Werte aus dem Dax, die mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von zwölf zur Zeit wirklich günstig sind. Und die Wachstumsaussichten dieser Unternehmen sind ja nach wie vor gut.
Sind die optimistischen Wachstumsprognosen denn zu halten, wenn sich die Konjunktur abkühlt?
Ich erwarte kein Abflauen der Konjunktur. Auch die Mehrwertsteuererhöhung wird die Konjunktur nicht abwürgen - vorausgesetzt, in den Vereinigten Staaten gelingt eine sanfte Landung.