27.05.2005 · Sein mit Spannung erwarteter Auftritt beim Aktionärstreffen der Deutschen Börse war unspektakulär: Hedge-Fonds-Manager Hohn blieb unerkannt. Im Interview äußert sich das „Phantom“ versöhnlich. Und den Vorwurf des „acting in concert“ weist Hohn von sich.
Der britische Hedge-Fonds-Manager Christopher Hohn von TCI gilt als treibende Kraft in der Auseinandersetzung von Großaktionären der Deutschen Börse AG und Fondsgesellschaften, die zum Rücktritt von Konzernchef Werner Seifert geführt hat. Hohn opponierte gegen den Plan, die Londoner Börse zu übernehmen.
In dieser Woche besuchte Hohn die Hauptversammlung der Deutschen Börse. Doch sein mit Spannung erwarteter Auftritt verlief unspektakulär: Er nahm unerkannt teil. Im folgenden Interview mit FAZ.NET/Frankfurter Allgemeine Zeitung äußert sich Hohn über den Verlauf der Versammlung, die Perspektive seines Engagements bei der Börse und sein Verhältnis zur Konzernführung.
Wie beurteilen Sie die Hauptversammlung der Deutschen Börse in dieser Woche?
Das Treffen war gut für die Aktionärsdemokratie. Die Ergebnisse möchte ich nicht kommentieren.
Alle hatten gehofft, Sie würden sich aus der Deckung wagen und zu den Aktionären sprechen?
Es war nicht nötig, öffentlich Fragen zu stellen, da wir fortlaufend im Dialog mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf Breuer sind. Ich bin auf die Hauptversammlung gekommen, um unser Votum abzugeben.
Viele Namen wurden genannt. Wer soll denn nun Aufsichtsratsvorsitzender werden?
Als Aufsichtsräte wie auch Vorstände kommen nur Weltklasseleute in Frage, die hart an einer langfristigen Wertsteigerung des Unternehmens arbeiten. Wir werden dazu Herrn Breuer Vorschläge unterbreiten, genauso wie auch andere Aktionäre das tun können. Aber letztendlich wird Herr Breuer über die weitere Entwicklung entscheiden.
Die Finanzaufsicht Bafin wirft Ihnen vor, Sie hätten sich mit anderen Aktionären abgestimmt (acting in concert). Stimmt das?
Das haben wir nicht. Unsere Ansichten und Briefe wurden veröffentlicht, um diese Anschuldigungen zu vermeiden. Wenn andere Aktionäre das äußere Erscheinungsbild unserer öffentlichen Briefe kopieren, können wir das nicht kontrollieren. Wir werden bald unsere Antworten auf die Fragen der Finanzaufsicht an die Bafin schicken.
Haben Sie nach der Hauptversammlung Aktien der Börse verkauft?
Nein, keine einzige. Es gibt keinen Grund dafür. Die Deutsche Börse schafft langfristige Werte. Wir können uns daher vorstellen, die Papiere für Jahre zu halten. Wir haben das langfristigste Kapital, das jemand in Europa haben kann. Es ist zum Teil fünf Jahre gebunden. Schauen Sie sich dagegen das Kapital bei Fondsgesellschaften wie der DWS an, die täglich durch die Kunden gezwungen sein könnten, ihr Kapital zurückzugeben.
Wenn Sie so langfristig denken, welche Vorstellung über die richtige Strategie für die Börse haben Sie? Fusionen mit anderen Börsen etwa?
Wir unterstützen die Börsenkonsolidierung zu fairen Bedingungen für die Aktionäre. Aber das sind Entscheidungen der Unternehmensführung und des Aufsichtsrats. Wir haben keine Absicht, diese zu kontrollieren.
Gehört es zu Ihrer Strategie, sich öffentlich mit dem Management der Unternehmen zu duellieren, in die sie investieren?
Das Engagement bei der Deutschen Börse wurde leider ein öffentlicher Streit, weil das Management auf der wertvernichtenden Übernahme der Londoner Börse bestand, ohne das Votum der Aktionäre einzuholen oder auf die Gegner zu hören. Es ist nicht unser normaler Investmentstil, unfreundlich zum Management zu sein. Wir haben ein exzellentes Verhältnis zu den Unternehmen, in die wir normalerweise investieren.
Ein Wort zu Ihren Fonds. Können auch Privatanleger dort einsteigen?
Nein, das ist nicht erlaubt. Das Minimuminvestment liegt zwischen 15 und 25 Millionen Dollar. Unsere Finanziers sind vor allem amerikanische Universitäten, Stiftungen und Versicherer.
Und welche Kursentwicklung erzielen sie damit?
Nach den Regeln der amerikanischen Börsenaufsicht SEC dürfen wir dazu keine konkrete Aussagen machen. Wirtschaftsmagazine berichten von einer Rendite von 40 Prozent im vergangenen Jahr.
Was haben Sie vor Ihrer Tätigkeit bei TCI gemacht?
Ich habe an der Harvard Business School meinen MBA gemacht. Und war dann sieben Jahre lang Portfolio Manager für europäische Aktien bei einem amerikanischen Hedge-Fonds mit Namen Perry Capital.
Was sagen Sie über die Heuschrecken- und Kapitalistendiskussion hier in Deutschland?
Die Frage ist, ob man Kapitalismus haben will oder nicht. Dann kommt es jedoch nicht darauf an, ob es deutsches oder ausländisches Kapital ist. Das Land muß sich eben entscheiden, wieviel Kapitalismus oder Sozialismus es haben will. Ich dachte, Deutschland hätte sich für die Marktwirtschaft entschieden.
Ist die Diskussion in Deutschland nicht lächerlich, da scheint es doch mehr Sozialismus als Kapitalismus zu geben?
In manchen Unternehmen ja, in anderen nicht. Ich denke die privat geführten Unternehmen in Deutschland orientieren sich an kapitalistischen Kriterien.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |