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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Interview „So etwas gab es am deutschen Markt noch nicht“

18.08.2005 ·  Investmentfonds sind beliebte Produkte, wenn es um längerfristige Vermögensbildung geht. Dumm nur, wenn der Fonds gerade dann auf Talfahrt ist, wenn man das Geld gerade braucht. Anders soll das mit den Zielfonds der Deka werden.

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Viel versprechen die Zielfonds der Deka-Bank den Anlegern. Ein genau auf individuelle Sparziele abgestimmte Anlage- und Umschichtungskonzept soll konstant für ein optimales Investment während der gesamten Laufzeit sorgen. FAZ.NET sprach mit Steffen Seelbach, Leiter der Fondsvermögensverwaltung bei der DekaBank darüber, wie das genau funktionieren soll.

Wie sieht das Konzept der Laufzeitfonds aus?

Das Konzept ist eigentlich relativ einfach. Wir haben vier verschiedene Laufzeiten - diese sind gestaffelt über zehn, 15, 20 bis 25 Jahre. Je länger die Laufzeit ist, desto höhere Aktienquoten weisen die Fonds auf. Der Fonds mit einer Laufzeit von 25 Jahren ist im Moment zu 100 Prozent in Aktien investiert. In der Folgezeit wird dann im Monatsrhythmus automatisch aus Aktienanlagen in Richtung Rentenanlagen und in der Endphase aus Rentenanlagen in Richtung liquide, also Geldmarktanlagen umgeschichtet. Ziel ist es, am Ende der Laufzeit dem Sicherheitscharakter und in den ersten Phasen den höheren Ertragschancen von Aktienanlagen Rechnung zu tragen.

Nach welchen Prinzipien läuft die Umschichtung ab?

Wir haben über 35.000 verschiedene Fälle mittels Value-at-Risk-Optimierung simuliert. Danach haben wir einen zusätzlichen Sicherheitsabschlag vorgenommen, mit dem Ergebnis, daß es auch bei einem extremen Negativ-Szenario am Ende der Laufzeit fast keinen Fall mehr gab, in dem der Kunde einen negativen Ertrag zu erwarten hätte. Das sind nicht ganz 100 Prozent, wir haben das Produkt auch bewußt nicht mit einer Garantie unterlegt, weil wir uns sonst in der gesamten Anlagestrategie sehr hätten beschränken müssen. Die Wahrscheinlichkeit, daß der Anleger einen positiven Ertrag erzielt, liegt bei knapp 99 Prozent. Und dann gehen wir bei der Gewichtung der Anlageklassen Monat für Monat unsere Schrittchen. Innerhalb der Anlageklassen steuern wir natürlich aktiv.

Sind die Fonds direkt investiert oder handelt es sich um Dachfonds?

Es sind Dachfonds, die direkt in andere Fonds investieren, die die entsprechende Anlageklasse abbilden. Dabei handelt es sich nicht nur um Deka-Fonds, sondern auch um Fonds unserer zehn Kooperationspartner, internationalen Gesellschaften, zu denen beispielsweise JP Morgan Fleming, Threadneedle, Merrill Lynch, Gartmore, Schroders oder UBS gehören.

Wie stellt ein Anleger fest, ob ein Laufzeitfonds für ihn das richtige Produkt ist?

Als erstes muß er sich überlegen, auf welchen Zeitendpunkt er gerne ansparen möchte. Das hängt vom Ziel ab, ob nun ein Kind in zehn Jahren zur Uni geht oder in 25 Jahren ein Immobilienkredit getilgt werden muß. Oder es steht die Altersvorsorge im Vordergrund, dann ist zumeist eine längere Laufzeit gefragt.

Dann muß sich der Anleger überlegen, wie viel er sparen möchte. Wir haben auf unserer Internetseite einen Renditerechner hinterlegt, mit dem der Kunde ausrechnen kann, welche Sparrate er voraussichtlich braucht, um zum Beispiel in 15 Jahren einen Betrag X zur Verfügung zu haben. Und anschließend richtet er einen ganz normalen monatlichen Ansparplan ein. Das hat den Vorteil, daß er diesen regelmäßig mit überschaubaren Anlagebeträgen bedienen kann. Er muß sich auch nicht um die Gewichtung kümmern, da die Vermögensstruktur innerhalb der Anlage stets auf das Endziel hin adjustiert wird. Da es sich um einen Dachfonds handelt, entstehen dem Anleger auch keine Kosten bei der Umschichtung.

Wie unterscheidet sich das Konzept eigentlich von einem Konzept eines geschlossenen Investmentfonds mit Laufzeitbegrenzung?

Herkömmliche laufzeitbegrenzte Fonds, die im Zeitablauf ihre Vermögensstruktur ändern, hat es bisher kaum gegeben. Wir haben uns den deutschen Markt angeschaut. Laufzeitbegrenzte Fonds gibt es vor allem im Rentenbereich. Diese sind dann auf die Endfälligkeit der in den Fonds bezogenen Anleihen abgestellt. Bei unserem Konzept ist ja gerade das Charmante, daß der Anleger in der Anfangszeit, in der das Sparziel noch weit entfernt ist, direkt von den Chancen der Aktienmärkte profitieren kann. Erzielte Gewinne werden dann im späteren Zeitverlauf nicht komplett wieder aufs Spiel gesetzt. Sie werden stattdessen durch einen größeren Anteil schwankungsärmerer, sicherheitsorientierter Anlageformen gesichert. Eigentlich ist das ein System, das aus Amerika kommt. Am deutschen Markt gab es so etwas in dieser Form bisher noch nicht.

Der dit hat ein ähnliches System aus Zeiten der AS-Fonds im Angebot. Bei diesem wird mit steigendem Lebensalter in eine risikoärmere Struktur umgeschichtet. Wo sehen sie die Unterschiede?

Wir hatten früher bei der Deka-Gruppe auch einmal ein solches Konstrukt, das sich DekaConcept nannte. Das war seinerzeit eine Depotlösung, die sich aus verschiedenen Fonds zusammensetzte. Diese wurde dann im Zeitablauf verändert. Das Produkt hatte aber den Nachteil, daß der Kunde dann von Fonds A nach Fonds B switchen mußte. Das kann aber in solchen Fällen schwierig werden, wenn es beispielsweise um die Einhaltung der steuerlichen Spekulationsfrist geht. Das kann dazu führen, daß die letzten zwölf Ansparraten noch in die Steuerpflicht hineinfallen, wenn man den Tausch vornimmt. Außerdem gibt es ein Handling-Problem, weil man die Fonds effektiv verkaufen und kaufen muß. Das geschieht jetzt im Dachfonds, und zwar steuerfrei. Der Anleger muß sich nur einmalig für einen Laufzeitfonds entscheiden. Er hat damit im Vergleich zur Depotlösung nicht nur steuerliche Vorteile, sondern ist auch vom Streßfaktor des Umschichtens befreit.

Sind die Fonds teurer als herkömmliche Fonds?

Nein. Sie reihen sich ganz normal in die reguläre Kostenstruktur ein.

Worauf setzen die Zielfonds aktuell?

Das kommt darauf an, welche Zeitspannen Sie betrachten. Der Fonds, der kürzer läuft, hat jetzt bereits eine ganz andere Anlagestruktur als der Langläufer, der nach zwei Monaten Laufzeit jetzt bei etwa 99,70 Prozent Aktienanteil steht. Der Fonds, der noch zehn Jahre bis 2015 läuft, besteht aus rund 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Renten. Hier wären 100 Prozent Aktien schon jetzt zu riskant für den Anleger. Wenn jetzt ein negatives Aktienjahr käme, dann tut das bei 60 Prozent Aktien auch weh, ist aber über die verbleibende Zeitspanne noch verhältnismäßig gut austarierbar. Bei 100 Prozent Aktien zu Beginn wäre das unter der Maßgabe, daß wir gern einen positiven Ertrag erzielen möchten, schon unrealistisch. Es gibt genug Fälle, in denen ein Verlust nicht mehr aufgeholt werden konnte, weil die verbleibende Zeit zu kurz war. Innerhalb der Struktur variiert das auch. Während zum Beispiel Emerging Markets für den Fonds mit 60 Prozent Aktien fast keine Rolle spielen, hat der Fonds, der noch bis 2025 läuft, einen Emerging-Markets-Anteil von noch knapp 20 Prozent.

In welchen Märkten ist der Langfristfonds schwerpunktmäßig engagiert?

Der Schwerpunkt sind europäische Aktien, wobei hier der Eurozone das größte Gewicht zukommt. Das hat zum einen Währungsgründe. Das Pfund etwa wollen wir derzeit nicht übergewichten. Wir billigen aber auch der Eurozone im Moment das größere Überraschungspotential zu. Der Rest verteilt sich auf die Vereinigten Staaten, auch einen kleinen Japan-Anteil haben wir zur Abrundung und aus Diversifikationsgründen berücksichtigt, ebenso den Baustein Emerging Markets.

Welche Emerging Markets-Regionen bevorzugen Sie?

Wir haben drei Standbeine. Das eine, das kleinste, ist die asiatische Region. Da sind wir zwar prinzipiell positiv gestimmt, haben aber bei dem hohen Ölpreis ein wenig Bedenken, denn das trifft Asien erfahrungsgemäß immer etwas stärker. Wir haben breit aufgestellte Emerging-Markets-Fonds, die alle Regionen berücksichtigen. Das Schwergewicht bildet Osteuropa, also die Konvergenzstaaten, aber auch Rußland. Wir wollten ganz bewußt aufgrund der aktuellen Ölpreisentwicklung Fondskonzepte haben, die Rußland hoch gewichtet haben.

Von Japan sind Sie nicht so überzeugt?

Wir fahren eine Langfriststrategie. Ich glaube, daß Koizumi bei den Neuwahlen Rückenwind bekommen wird, weil die Postreform bei der Bevölkerung ziemlich positiv gesehen und damit das Thema Reform weiter gestärkt wird. Das ist auch, glaube ich, der Grund, warum sich die japanische Börse aktuell attraktiv entwickelt. Wobei man generell sagen muß, daß die Wirtschaftsentwicklung in Japan nicht mehr so negativ einzuschätzen ist, wie dies über Jahre hinweg der Fall war. In diesen Phasen haben wir Japan auch kein besonderes Gewicht beigemessen. Das hat sich inzwischen geändert. Wir sind Japan gegenüber, wie man in der Finanzbranche sagt, neutral eingestellt und haben unsere Position da auch schon optimiert. Warum wir Japan bei den Laufzeitfonds absolut nicht so stark gewichten, liegt daran, daß es sich bei den Laufzeitfonds um ein konservatives Produkt handelt. Da können wir nicht einfach hingehen und Japan mit 70 Prozent gewichten.

Die Fragen stellte Martin Hock.

Quelle: @mho
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