Er managt den einzigen Fonds in Deutschland, der sich ausschließlich auf mexikanische Aktien konzentriert. Mit seinem Mexican Portfolio aus dem britischen Investmenthaus Foreign & Colonial hat Rupert Brandt im ersten Halbjahr satte 30 Prozent für seine Anleger herausgeholt. Und der Südamerika-Spezialist bleibt auch für die künftige Entwicklung im Tequila-Land optimistisch. Was ihn überzeugt, das sind die nach wie vor starken Unternehmensgewinne, aber auch die Aussichten speziell für den Export des Landes. FAZ.NET sprach mit Brandt über seine aktuelle Einschätzung der Lage in Lateinamerika und seine aktuellen Kursfavoriten.
Warum lief es so gut im ersten Halbjahr am mexikanischen Aktienmarkt?
Das hat verschiedene Gründe gehabt. Zum einen zeigen sich die dortigen Unternehmen derzeit sehr stabil. Das lässt sich an den immer noch stark wachsenden Gewinnen, aber auch an den anziehenden Cash Flows leicht ablesen. Zum anderen war der Markt zu Jahresbeginn in einer Situation, die geradezu einlud zu einem Investment. Die mexikanische Börse war trotz gestiegener Unternehmensgewinne im vergangenen Jahr um circa 20 Prozent nach unten gegangen. Insgesamt hat das den Markt zu Jahresbeginn sehr preiswert gemacht.
Ist denn jetzt die Luft raus?
Das würde ich nicht sagen. Einmal vorausgesetzt, die amerikanische Wirtschaft erholt sich im kommenden Jahr - und davon gehen wir aus -, dann wäre der Markt in meinen Augen immer noch günstig bewertet.
Sehen Sie denn nicht die Gefahr, dass die Krise in Argentinien auf Mexiko übergreifen könnte?
Die Frage ist berechtigt, denn unserer Erwartung nach wird die argentinische Krise noch eine Weile andauern. Andererseits muss man einfach sehen, dass der mexikanische Peso sich als extrem widerstandsfähig gegenüber solchen Entwicklungen gezeigt hat.
Wenn es aber nun tatsächlich zum Kollaps in Argentinien kommen sollte, ein Szenario, das ja durchaus ernsthaft diskutiert wird am Markt, muss man dann auch Mexiko abschreiben?
Ich glaube nicht. Schon aus dem einfachen Grund, dass das Land bereits erheblich größere Belastungen verkraftet hat. Ich erinnere nur an die Tequila-Krise von 1994/95 und an die extremen Belastungen aus der Russland-Krise von 1998.
Was macht denn Mexiko so stark?
Sie müssen einfach sehen, dass die meisten Emerging Markets in erster Linie heimischen Einflussfaktoren unterliegen. Und da sieht es nun mal in Mexiko ausgesprochen gut aus. Von Mexiko aus rollt eine riesige Exportmaschine in Richtung USA. Der Anteil der Ausfuhren am Bruttoinlandsprodukt beträgt heute bereits 30 Prozent und dürfte in den nächsten fünf bis zehn Jahren auf über 50 Prozent ansteigen. Damit ist Mexiko bereits heute größtes Herstellerland für seinen großen Nachbarn USA. Und dann natürlich das Thema Konvergenz, also die Angleichung an die Standards der Industrieländer. Da geht es sehr viel schneller voran als beispielsweise im Verhältnis Europa zu Osteuropa.