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Interview „Markt für Indexfonds in Europa noch im Aufbau“

17.11.2005 ·  Der Indexfondsmarkt in Europa ist noch jung, aber verzeichnet strammes Wachstum, vor allem bei institutionellen Anlegern. „Wir sehen aber eine steigende Zahl von aufgeklärteren Privatkunden, die Indexfonds haben wollen“, sagt Götz Kirchhoff, Vorstand des Anbieters Indexchange.

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Indexfonds, auch Exchange Traded Funds (ETF) genannt, sind in Europa ein junger Markt. Erst seit fünf Jahren werden solche Investmentfonds in Deutschland gehandelt. Entwickelt worden sind Indexfonds in den Vereinigten Staaten: 1971 brachte Barclays Global Investors (BGI) den ersten ETF der Marke i-Shares heraus. Mittlerweile ist BGI nach Angaben der Investmentbank Morgan Stanley mit einem verwalteten Vermögen von rund 170,5 Milliarden Dollar der größte Anbieter weltweit. In Deutschland hat dagegen die Indexchange, Tochter der Hypo-Vereinsbank die Nase vorn.

Alle Anbieter verzeichnen hohes Wachstum. In den ersten neun Monaten dieses Jahres ist die Summe der verwalteten Gelder um 41,5 Prozent auf 48,1 Milliarden Dollar gestiegen. Indexchange konnte das Volumen um 30 Prozent auf 10,63 Milliarden Dollar steigern.

Dieses Wachstum fällt mit einer deutlichen Zunahme der Zahl der Indexfonds zusammen. Indexchange hat im Jahresverlauf neun neue Produkte aufgelegt und bietet nun insgesamt 47 ETF an. BGI bringt allein in diesem Spätherbst 14 Fonds heraus. FAZ.NET sprach mit Indexchange-Vorstand Götz Kirchhoff über weitere Wachstumschancen, die Beliebtheit von Indexfonds bei Privatanlegern und zunehmende Konkurrenz.

Während Anleger aus Aktienfonds in diesem Jahr erhebliche Mittel abgezogen haben, verzeichnen vor allem auf Aktienindizes laufende Exchange Traded Funds ein strammes Wachstum. Wie erklären Sie sich das?

Einerseits haben alle Anbieter neue Indexfonds auf den Markt gebracht. Die Produktpaletten erweitern sich laufend. Dadurch verbessert sich für Anleger die Möglichkeit, die gezielte Streuung des Anlagekapitals auf Regionen und Branchen, also die sogenannte Asset Allocation, zu optimieren. Zweitens befinden wir uns in einem Wachstumsmarkt. Das Jahr 2004 haben wir mit einem Fondsvolumen von 6,3 Milliarden Euro abgeschlossen und sind nun bei 9,3 Milliarden Euro. Von diesem Zuwachs sind zwei Milliarden Euro auf neu zugeflossene Mittel zurückzuführen, der andere Teil auf Kurssteigerungen.

Was ist denn so spannend an Indexfonds?

Institutionelle Investoren, auf die rund 85 Prozent unseres Fondsvolumens entfällt, erkennen zunehmend die Vorteile von Indexfonds bei der Umsetzung ihrer Ziele bei der Asset Allocation. Exchange Traded Funds bieten zum Beispiel den Vorteil, während der üblichen Börsenzeiten wie Aktien ständig gehandelt werden zu können. Im Gegensatz zu herkömmlichen Investmentfonds werden die Preise fortlaufend festgestellt und nicht nur einmal am Tag. Einen normalen Fonds kann man nur bestellen, ohne zu wissen, zu welchem Preis er abgerechnet werden wird. Hinzu kommt ein Kostenvorteil, da bei Indexfonds keine Ausgabeaufschläge anfallen.

Sind bei Käufen von Indexfonds bestimmte Vorlieben von Anlegern mit Blick auf Länder und Branchen zu erkennen?

Ja, wir haben in diesem Jahr einen deutlichen Zuwachs bei unserem Dax-ETF. Das hängt mit der allgemeinen Unterbewertung des deutschen Aktienmarktes im internationalen Vergleich zusammen. Sehr beliebt sind auch Branchenfonds, die Minenwerte, Aktien von Ölkonzernen oder Versicherungen im Portfolio haben. Minen- und Ölwerte sind wegen der Rohstoffhausse im Trend, Versicherungstitel ziemlich günstig bewertet.

Im Segment „Globale Finanzwerte“ belegen ihre Indexfonds bei der Drei-Jahres-Performance drei der ersten vier Plätze unter 42 Aktienfonds, auch auf kürzere Sicht schneiden sie sehr gut ab. Sind diese Fonds deshalb auch besonders gefragt?

Ja, wir haben eine starke Nachfrage in diesem Jahr gesehen. Und das Erstaunliche ist, daß aktiv gemanagte Fonds den Vergleichsindex selten erreichen oder schlagen.

Dann ist es kein Nachteil, mit einem Indexfonds nie besser abschneiden zu können als der entsprechende Markt?

Wenn die Märkte anspringen, sind die meisten Fondsmanager noch nicht in der Lage, den jeweiligen Trend zu erkennen. Wenn der Markt läuft, kommen sie hinzu und hängen sich an den Trend. Aber zu diesem Zeitpunkt sind schon einige Prozentpunkte Wertzuwachs weg, die nicht mehr aufzuholen sind. Ein Beispiel: Im Jahr 2003 haben wir für unseren Dow Jones Industrial Average-Fonds von Standard&Poor's den Preis für den am besten laufenden Dollar-Fonds in Deutschland bekommen. Wir lagen 200 Basispunkte vor dem nächstbesten aktiv gemanagten Fonds, der sich am Dow Jones Industrial Average-Index orientierte.

Warum investieren angesichts dessen in Deutschland dann noch so wenige Privatanleger in Indexfonds?

In Deutschland wissen nach Umfragen überhaupt nur 25 Prozent der Haushalte, was ein Investmentfonds ist. Und Fonds werden in der Regel im Zuge von Beratergesprächen verkauft. Ein Beratergespräch ist für das jeweilige Institut kostenintensiv, und deshalb muß der Berater sein Geld verdienen. Anders als in Amerika, wo die Kunden die Berater bezahlen, erhalten diese in Deutschland bei Investmentfonds vom jeweiligen Anbieter den Ausgabeaufschlag und Bestandsprovisionen im laufenden Geschäftsjahr. Das alles müssen letztlich die Anleger bezahlen.

Der Verzicht auf einen Ausgabeaufschlag kommt also einem Nachteil beim Werben um Anleger gleich?

Ja, wir haben keinen speziellen Vertrieb für Privatkunden. Wir sehen allerdings eine steigende Zahl von aufgeklärteren Kunden, die mit dem Wunsch zum Berater kommen, ein Depot mit Exchange Traded Funds zu haben.

Ihr Konkurrent Barclays Global Investors (BGI) verdoppelt in diesen Wochen in Europa mit 14 neuen ETFs sein Angebot. Dabei hat er schon in den ersten neun Monaten das Volumen der verwalteten Mittel stärker gesteigert als Indexchange. Wie reagieren Sie darauf?

Wir haben in Europa mit Lyxor, Barclays und Indexchange ein Trio, das nach vorne marschiert. Wir haben inzwischen 47 Fonds im Angebot und bringen nächste Woche ein weiteres Produkt heraus. Für Europa hat kein anderer Anbieter eine so breite Produktpalette wie wir. Und die Handelsvolumina von Lyxor und BGI sind weitaus geringer als bei uns.

Gleichwohl: BGI bringt Fonds zu Märkten wie Korea, Brasilien und den Emerging Markets heraus, die in Mode sind - und die Indexchange nicht anbietet...

Wir werden ebenfalls unser Angebot ausweiten. Auch wir denken an asiatische Märkte sowie andere Anlageklassen. Da wird noch einiges kommen. Alle Anbieter von ETFs zusammen befinden sich in Europa noch in der Aufbauphase.

Die Fragen stellte Thorsten Winter

Quelle: @thwi
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