27.02.2008 · In Europa steigt das in Indexfonds investierte Vermögen deutlich, die Zahl der Produkte nimmt zu. Ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht. Indexfonds-Expertin Deborah Fuhr erwartet, dass immer mehr Privatanleger zugreifen werden.
In Europa ist zuletzt nicht nur das in börsengehandelte Indexfonds investierte Vermögen deutlich gestiegen, sondern auch die Zahl der Produkte. Wie die Investmentbank Morgan Stanley ermittelt hat, wurden Ende 2007 in 423 Indexfonds sowie 56 auf Rohstoffindizes laufenden Fonds insgesamt 128,4 Milliarden Dollar verwaltet.
Zum Vergleich: Vor Jahresfrist waren es knapp 90 Milliarden Dollar und 273 Produkte gewesen. Zur Jahrtausendwende hatte das Vermögen sogar nur 680 Millionen Dollar betragen, wobei ganze sechs Indexfonds, die auch als Exchange Traded Funds (ETFs) bezeichnet werden, zur Auswahl standen.
Ein Ende des doppelten Aufwärtstrends ist nicht in Sicht. Morgan Stanley-Analystin Deborah Fuhr erwartet mindestens 90 weitere Indexfonds im laufenden Jahr. Zudem geht sie davon aus, dass die Zahl der Privatanleger, die zu diesen Produkten greifen, stark zunimmt, wie sie im folgenden Interview ausführt.
Die Geschichte der Indexfonds ist in Europa eine Erfolgsgeschichte. Was sind die wesentlichen Gründe für das anhaltende starke Wachstum bei verwalteten Geldern und der Anzahl der Produkte, in die sowohl institutionelle Anleger als auch Privatleute investieren können?
Ich denke, es gibt eine Reihe von Gründen. Zum einen haben viele Leute erkannt, dass es schwierig ist, Fondsmanager zu finden, die regelmäßig die Benchmark ihres Fonds schlagen - also besser abschneiden als etwa der Dax oder der S&P 500-Index. Zweitens steigt die Nachfrage nach kostengünstigen Anlageprodukten, zu denen ETFs zählen. Zudem ist die Zahl der Indexfonds, die einzelne Länder- und Branchenindizes abbilden, mit Rohstoffen oder Anleihen unterlegt sind, gestiegen. Der „Werkzeugkasten“ füllt sich zusehends und macht diese Anlageklasse immer attraktiver.
Ist denn die steigende Zahl an ETFs grundsätzlich gutzuheißen?
Das ist wie bei den aktiv gemanagten Fonds. Auch bei Indexfonds legen Anbieter Produkte auf, mit denen ihre Konkurrenten um Kunden werben. Dass die Zahl der ETFs steigt, heißt also nicht, dass in gleichem Maße mehr Märkte abgedeckt werden. Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass mehr und mehr gemanagten Fonds erlaubt wird, in andere Fonds zu investieren. Davon können Indexfonds profitieren.
Anbieter decken aber mittlerweile auch kleine Branchen ab. So gibt es etwa Fonds, die nur mit 20 Titeln hinterlegt sind. Ist so etwas sinnvoll?
Das kommt auf das Segment an, denke ich. Viele Investoren mögen es, eben in Wasser zu investieren oder in erneuerbare Energien - Themen, die historisch gesehen nicht so beachtet wurden. Solche ETFs bieten auch die Möglichkeit, in Branchen zu investieren, ohne sich mit den einzelnen Unternehmen auseinandersetzen zu müssen und Analystenberichte zu ihnen zu lesen.
Solche Märkte sind aus Ihrer Sicht also nicht zu klein, um ETFs auf sie laufen zu lassen?
Nein, solange sie gut diversifiziert sind und nicht 90 Prozent des Fonds auf einen Titel entfällt und die anderen nur auf winzige Anteile kommen, ist das in Ordnung. Das ist wichtig.
Noch vor wenigen Jahren interessierten sich fast ausschließlich institutionelle Anleger für Indexfonds. Hat sich das geändert?
In den Vereinigten Staaten haben Privatanleger längst ETFs entdeckt. Und in Europa steigt die Zahl von Privatleuten. Genaue Zahlen zu bekommen, ist aber schwer. Ich denke, dass der Anteil der Privatanleger unter den Käufern von ETFs bei etwa 15 Prozent liegt. Und je öfter und eingehender über ETFs diskutiert wird, desto stärker werden Privatanleger auf diese Produkte aufmerksam.
Wie hoch wird der Anteil der Privatanleger, die zu Indexfonds greifen, in fünf Jahren sein?
Ich denke, so um die 30 Prozent.
In den vergangenen Monaten sind neue Anbieter in den ETF-Markt eingetreten, so DB X-Trackers der Deutschen Bank oder ABN Amro mit Rohstoff-ETFs. Andererseits ist der frühere deutsche Marktführer Indexchange von Barclays Global Investors (i-shares) übernommen werden. Was werden wir sehen: noch mehr Anbieter oder weitere Übernahmen?
In der Finanzindustrie wird eine Konsolidierung erwartet. Jüngst ist spekuliert worden, die Société Générale werde von BNP Paribas übernommen. Beide bieten ETFs an. Folglich würden auch ETFs von der Konsolidierung betroffen sein, auch wenn sie nicht im Mittelpunkt stehen. Ich glaube aber auch, dass weitere Anbieter in diesem Jahr auf den Markt drängen werden.
Sie haben eingangs die Schwierigkeit erwähnt, Fondsmanager zu finden, die regelmäßig ihre Benchmark schlagen. Wenn Indexfonds alleine schon deshalb populärer werden und gemanagte Fonds weniger Gelder erhalten: Was würde dies für die gesamte Fondsindustrie bedeuten?
Nun, die Fondsmanager, die eine gute Performance abliefern, also das sogenannte Alpha, werden in ihrer Position gut überleben. Jene, die das nicht schaffen, werden möglicherweise die Erfahrung machen, dass Investoren zu ETFs wechseln.
Warum sollten Investoren zu Indexfonds greifen?
ETFs sind sehr transparent, da sie eben einen Index abbilden. Sie sind sehr kosteneffizient, und im Gegensatz zu Zertifikaten erhält der Anleger auch die Dividende. Auf die Dividende zu verzichten, kommt auf die Dauer teuer. Zudem sind ETFs gut für langfristig ausgerichtete Sparpläne geeignet, was Privatanlegern ebenfalls entgegen kommt.
Managementgebühr? etc.
Marko Hrbat (Hrbat)
- 03.03.2008, 14:04 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
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| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |