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Interview „Internetunternehmen müssen nachhaltige Gewinne erwirtschaften“

03.04.2003 ·  Internetaktien haben sich in jüngster Zeit erstaunlich gut geschlagen. Zumindest die, die überlebt haben. FAZ.NET unterhielt sich mit Fondsmanager Theo Maas von ABN Amro über seine Favoriten und seine Sicht der Dinge.

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Während Standardwerte der Börsen im vergangenen Quartal trotz zwischenzeitlicher Kursgewinne noch deutliche Kursverluste verbuchen mussten, legten Internetwerte zum Teil deutlich zu.

Amazon.com beispielsweise 33 Prozent. Davon profitierten auch entsprechende Fonds. FAZ.NET unterhielt sich mit Theo Maas, der für ABN Amro einen Internetfonds managed.

Internetfonds konnten im vergangenen Monat relativ gut abschneiden. Wie würden Sie das erklären?

Wir haben unser Portfolio auf einige wenige Werte konzentriert, darunter die üblichen „Verdächtigen“ Yahoo, Ebay und Amazon.com - und die haben in jüngster Zeit wesentlich besser abgeschnitten als der Gesamtmarkt. Das ist die Haupterklärung. Denn es ist jetzt ziemlich klar, welche Unternehmen im Internetbereich die Gewinner und die Verlierer sein werden. Wir zählen die genannten Namen zu den Gewinnern, deswegen machen sie etwa 30 Prozent des Portfolios aus.

Sind diese Werte mittlerweile nicht ziemlich ambitioniert bewertet?

Ja, das ist das größte Problem, das ich bei Internetfonds aktuell sehe. Man kennt die Gewinner, aber für diese muss man einen sehr hohen Preis zahlen. So lange die drei genannten Unternehmen weiter an Marktanteil hinzugewinnen, mag das noch gehen. Nichts desto Trotz ist die Bewertung ein Problem.

Können diese drei Unternehmen ihre Gewinne künftig tatsächlich so stark steigern, wie es die Bewertung momentan unterstellt?

Ich denke Amazon.com wird dazu in der Lage sein. Das Unternehmen wird auf Basis seiner Umsätze künftig auch Gewinne generieren können. Um Amazon mache ich mir für die kommenden drei bis fünf Jahre keine Sorgen. Für Ebay wird das problematischer. Das Unternehmen war zwar schon immer profitabel und konnte große Marktanteile gewinnen. Allerdings gehe ich davon aus, dass sich die Wachstumsraten sowohl beim Umsatz als auch beim Ertrag abschwächen werden. Nicht unbedingt schon im kommenden Jahr, aber sicherlich auf Sicht von fünf Jahren. Aus diesem Grund bereitet mir hier die Bewertung langsam etwas Kopfzerbrechen. Bei Yahoo gibt es das größte Fragezeichen, denn das Unternehmen hängt stark von der Entwicklung im Werbemarkt ab.

Beachten sie bei der Beurteilung von Aktien auch technische Indikatoren, wie beispielsweise Charts?

Wir konzentrieren uns vor allem auf die fundamentale Entwicklung, die Markttechnik rundet mit einer Gewichtung von etwa zehn Prozent höchstens das Bild noch ab. Wir werden dann unsere Einschätzung ändern, wenn das Umsatzwachstum zurückgeht. Das wird sofort auch zu einem langsameren Gewinnwachstum und damit indirekt zu einer niedrigeren Bewertung führen.

Sehen sie abgesehen von der drei „großen Namen“ auch andere interessante Werte?

Wir hatten in der Vergangenheit auch auf Expedia gesetzt, die jetzt von USA Interactive so gut wie übernommen sind. Das lief also ganz gut. Wir sind bei Double Click engagiert und finden auch webMethods interessant.

Welche Geschäftsmodelle bei Internetunternehmen sind interessant?

Alle, mit denen sich Gewinne erzielen lassen. Aber - Spaß bei Seite - wir meiden alle Internetportale, wie beispielsweise Wanadoo oder T-Online. Wir suchen Nischenspieler, die eine Möglichkeit gefunden haben, über das Internet Güter zu verkaufen oder die ein einzigartiges Geschäftsmodell haben - wie etwa Ebay. Die Unternehmen müssen in der Lage sein, nachhaltig Gewinne zu erwirtschaften. Generell gehen wir davon aus, dass 99 Prozent aller Internet-Einzelhandelsgeschäfte nicht in der Lage sein werden, eine kritische Größe zu erreichen. Wer bleibt, ist eigentlich nur Amazon. Bei den Nischenspielern sehen wir die größten Chancen im Reise - oder im Finanzdienstleistungsbereich.

Und andere Unternehmen?

Wir haben eine Position in Etrade und interessieren uns für Hotel.com, um die Expedia-Position zu ersetzen. Die Aktie ist uns allerdings momentan zu teuer. Es gibt leider nur eine begrenzte Anzahl von Kandidaten. Es gibt zwar einige gute Ansätze - wie beispielsweise Amadeus, allerdings werden sie im Wesentlichen von wenigen Privatunternehmen kontrolliert.

Besteht nicht die Möglichkeit, dass die in näherer Zukunft an die Börse kommen?

Im Reisebereich gehe ich nicht davon aus. Es sei denn, die Fluglinien geraten in solche Schwierigkeiten, dass die das Geld unbedingt benötigen. Größer ist die Wahrscheinlichkeit, im Bereich der Suchmaschinen. Dort scheint sich Google auf einen Börsengang vorzubereiten. Das wäre in unseren Augen ein sehr attraktiver Börsenkandidat, denn Konkurrent Overture schlägt sich mit Schwierigkeiten herum.

Besteht nicht das Risiko, dass wir dann eine ähnliche Entwicklung wie in der Vergangenheit sehen werden: Gigantisches Interesse an der Aktie, eine hohe Bewertung - und nach dem Börsengang zeigt der Chart nur nach unten?

Das Risiko ist da. Aber die Marktteilnehmer haben hoffentlich aus den vergangenen drei Jahren etwas gelernt. Falls die Bewertung zu hoch sein sollte, werden wir uns zurückhalten. Denn zweifellos ist es so, dass zu viele Anleger denselben, wenigen Namen hinterherjagen und die Bewertung nach oben treiben.

Das Gespräch führte Christof Leisinger

Quelle: @cri
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