09.11.2005 · Exchange Traded Funds sind in Übersee eine Erfolgsgeschichte. Doch in Europa holen Indexfonds auf: Das Wachstum ist höher als in Amerika. Bei Privatanlegern sieht Anbieter Barclays Global Investors noch viel Potential, wie Europa-Chef Lavine sagt.
Exchange Traded Funds (ETF) sind in Amerika seit längerem eine Erfolgsgeschichte. Größter Markt sind die Vereinigten Staaten mit 180 Fonds und einem verwalteten Vermögen von 263 Milliarden Euro. 142 Fonds sind in Europa erhältlich. Allerdings bleibt das darin verwaltete Vermögen mit 48 Milliarden Euro deutlich hinter dem amerikanischen Markt zurück, wo ETFs erfunden worden sind. Doch in Europa holen Indexfonds auf: Das Wachstum ist in den vergangenen Monaten deutlich höher ausgefallen als in Amerika. Seit Jahresbeginn ist das Volumen der verwalteten Gelder auf dem „alten Kontinent“ um 41,5 Prozent gestiegen, während in den Vereinigten Staaten ein Plus von 18,2 Prozent verzeichnet worden ist, wie die Investmentbank Morgan Stanley ermittelt hat.
Das Wachstums bei den verwalteten Geldern, dessen Volumen auch vom Auf und Ab der Börsen abhängt, fällt mit einer Produktoffensive zusammen. Für dieses Jahr rechnet Morgan Stanley noch mit der Auflegung von 28 Indexfonds. Allein 14 ETF wird der Anbieter des Indexfonds-Anbieters i-Shares/Barclays Global Investor herausbringen, darunter Fonds auf den MSCI Korea und den MSCI Brazil. i-Shares ist bisher nach Lyxor aus Frankreich und der Hypo-Vereinsbank-Tochter Indexchange die Nummer drei auf dem europäischen Markt.
In Europa im allgemeinen und in Deutschland im besonderen bedienen sich vor allem institutionelle Investoren wie Versicherungen, Fonds und Pensionskassen der Indexfonds. Dagegen ist die Quote der Privatanleger mit Exchange Traded Funds im Portfolio in Amerika erheblich höher als hierzulande, wie Bruce Lavine, Europa-Chef von i-Shares/Barclays Global Investor, im FAZ.NET-Interview sagt. Vor diesem Hintergrund sieht Barclays Global Investors laut Lavine noch viel Potential.
Warum sollten Privatanleger in Deutschland in Exchange Traded Funds investieren?
ETF sind ursprünglich mit Blick auf die Institutionellen entwickelt worden. Aber auch für Privatanleger sind sie interessant. Denn Privatanleger erhalten bei üblichen Aktien- oder Rentenfonds nicht die gleichen günstigen Konditionen wie Institutionelle, sondern müssen Ausgabeaufschläge zahlen - bei Indexfonds ist das anders. Zudem können ETF flexibel gehandelt werden, nämlich wie Aktien...
...also zu den üblichen Handelszeiten der Börsen...
Genau, zu jeder Zeit. Drittens wissen die Anleger im Gegensatz zu gemanagten Fonds genau, was sie kaufen. Denn ETF bilden einen bestimmten Index und werden fortlaufend angepaßt, wenn sich das Indexgewicht einer Aktie ändern sollte. Viertens hängt der Anlageerfolg nicht davon ab, ob ein Fondsmanager die richtigen Aktien ausgewählt hat oder solche, die nicht gut laufen. Fünftens ist die jährliche Verwaltungsgebühr erheblich niedriger als bei üblichen Investmentfonds. Nicht zuletzt bieten Indexfonds angesichts der wachsenden Zahl der Produkte die Möglichkeit, unkompliziert in alle möglichen Märkte auf der Welt zu investieren.
Das können Anleger aber auch mit Zertifikaten, die zudem teilweise einen Abschlag auf den Preis des Basiswerts oder einen Bonus bieten. Warum sollten Anleger einen ETF bevorzugen?
Bei Zertifikaten hängt der Investor letztlich von der Bonität des Anbieters ab, während ein Indexfonds eben garantiert mit den entsprechenden Aktien oder Anleihen besichert ist. Unter den Zertifikate-Anbietern gibt es gute und weniger gute. Viele von ihnen geben keine Auskunft zu den verwalteten Geldern und der Frage, welche Werte hinter den Zertifikaten stehen. Die Transparenz ist mithin eindeutig geringer als bei Indexfonds. Zudem reichen Zertifikate die Dividenden im Gegensatz zu ETF nicht an die Anleger weiter.
Gleichwohl sind Zertifikate in Deutschland beliebt - und sicherlich bekannter als Indexfonds...
Das stimmt. Vielleicht wissen viele Investoren nicht, daß Zertifikate kaum reguliert sind. Wir hoffen darauf, daß die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) auf die Dauer für mehr Klarheit sorgen wird.
Mit einem ETF kauft man einen Index oder eine Branche. Das heißt aber auch: Besser als der jeweilige Markt wird der ETF nicht laufen. Ist es nicht ein Nachteil?
Man muß die Frage stellen: Wie erreicht man Outperformance? Bisher hat das langfristig gesehen auf zwei Arten funktioniert: überlegendes Herauspicken von Einzelaktien und die gezielte Streuung des Anlagekapitals auf Regionen und Branchen, also die sogenannte Asset Allocation. Und diese hat jedenfalls bisher den größeren Beitrag zu Outperformance geleitet als die Auswahl von Einzelaktien. Das wiederum ist ein Vorteil von Indexfonds, denn mit diesen Produkten können Anleger eben auf einfache Art auf bestimmte Märkte wie etwa den Dax, den Dow Jones oder den MSCI Japan wetten. Die „richtigen“ Aktien herauszupicken, erfordert dagegen einen hohen Zeitaufwand - wenn es überhaupt klappt.
Beobachten Sie derzeit mit Blick auf Branchen und Länder bestimmte Trends bei den Käufen von i-Shares?
Wir haben Investoren jüngst nach ihren bevorzugten Anlagezielen gefragt. Die Antwort amerikanischer Anleger war unter dem Strich: Wir fühlen uns zu Hause wohl. Auf die Zusatzfrage, wo sie investieren würden, wenn sie frisches Geld bekämen, meinten sie: Asien und Schwellenländer. Diesen Anlegern dienen Indexfonds als eine Art Brücke zu Regionen, in denen sie bisher noch nicht oder kaum investiert sind.
Wie Standard & Poor's ermittelt hat, haben sich defensive Branchen wie Energie, Gesundheit/Pharma und Versorger in Zeiten anziehender Inflation besser geschlagen als etwa Finanz-, Konsumgüter- oder Industriewerte. Nun zieht die Inflation nicht nur in Amerika an. Schlägt sich dies bei der Auswahl von Indexfonds nieder?
In jüngster Zeit haben viele Aktienstrategen doch gemeint, defensive Werte seien längere Zeit gut gelaufen, nun seien wieder Wachstumstitel dran. Dessenungeachtet ist der sich beschleunigende Preisauftrieb überall ein großes Thema, selbst in Japan. Aber einen verstärkten Hang von Investoren zu ETF, die auf defensive Werte gemünzt sind, können wir jedenfalls bisher nicht feststellen. Wer sich aber entsprechend positionieren will, findet einen entsprechenden Indexfonds. Und es ist einfach, aus einem Technologie- in einen Pharma-ETF zu wechseln.
In Europa wächst das Volumen der in Indexfonds verwalteten Gelder deutlich stärker als in Amerika. Gleichzeitig bringt i-Shares eine Flut neuer ETF heraus. Inwieweit hängt beides miteinander zusammen?
Zuerst einmal: Indexfonds in Europa sind ein neuer Markt. ETF gibt es hier erst seit rund fünf Jahren. Die Wachstumsraten sind aber wie gesagt enorm. Wir sind auch mit Blick auf die Zukunft für Europa „bullish“. Die Wachstumsraten dürften hier noch einige Zeit deutlich über denen in Amerika liegen. Der Grund: Der Bekanntheitsgrad von Indexfonds ist in den Vereinigten sehr hoch. Rund 90 Prozent der Anleger keinen diese Produkte, in Deutschland ist die Quote noch erheblich geringer. Daraus ziehen wir Wachstumsphantasie. Die große Zahl der anstehenden Neuemissionen erklärt sich damit, daß wir Löcher im Angebot füllen wollen, zum Beispiel mit einem Fonds auf inflationsgeschützte Euro-Anleihen oder Produkten, die auf den MSCI Brazil oder den MSCI Emerging Markets laufen. Damit wollen wir unseren „Werkzeugkasten“ für Anleger weiter füllen.
Wie hoch ist denn hierzulande der Anteil der Privatanleger an den i-Shares-Käufern?
Ich kann die Zahl nur schätzen. Ich denke, sie liegt bei etwa 15 Prozent. Das heißt: In Deutschland greifen bisher überwiegend institutionelle Anleger zu Indexfonds. Aber gerade deshalb sehen wir ja großes Potential.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |