23.08.2005 · Fondsmanager Dominique Catteaux sieht seine Hauptaufgabe darin, nach Aktien mit dem gewissen Etwas zu suchen. Offensichtlich wird er dabei oft fündig. Sein Nestor France Fonds schlägt sich zumindest hervorragend.
Nebenwerte sind seit geraumer Zeit an den Börsen sehr gefragt. Das gereicht auch dem seit Mai 1997 existierenden Nestor France Fonds (ISIN: LU0077333218, 171,06 Euro, Ausgabeaufschlag: fünf Prozent, Verwaltungsgebühr: 1,3 Prozent inklusive Managergebühr) zum Vorteil.
Aber der auf den Kauf kleinerer und mittlerer französischer Aktien-Unternehmen spezialisierte Fonds ist mehr als nur ein Mitläufer. Mit einem in den vergangenen drei Jahren erzielten Plus von über 126 Prozent hat er vielmehr noch einmal ein gutes Stück besser als der französische Markt abgeschnitten.
Verantwortlich für die guten Ergebnisse zeichnet mit Dominique Catteaux ein sehr vielseitiger Fondsmanager. Catteaux war bis Mitte der Neunziger Jahre Chefredakteur des Börsenmagazins „La Vie Financiére“. Neben Mathematik und Physik studierte er Computerwissenschaften und Finanzen. 1983 absolvierte er zudem eine Ausbildung zum Finanzanalysten.
Herr Catteaux, was hat Sie Mitte der 90er Jahre bewogen, den Job als Finanzjournalist aufzugeben und Fondsmanager zu werden?
Nachdem ich zehn Jahre damit verbracht hatte, Märkte und Aktien zu empfehlen, nahm ich einen Eigentümerwechsel und eine neue Unternehmensphilosophie bei „La Vie Financiére“ zum Anlaß, mich beruflich neu zu orientieren. Ich war daran interessiert, mein „theoretisches“ Wissen in der „abenteuerlicheren“ Praxis des Fondsmanagements umzusetzen. Mit Nestor ist es mir gelungen, eine Gesellschaft mit Strukturen zu finden, die den Fondsmanagern genügend Entscheidungsfreiheit läßt. Das war der entscheidende Punkt für jemanden wie mich, der seinen eigenen Weg gehen wollte.
Helfen Ihnen die Erfahrungen, die Sie als Finanzjournalist gemacht haben, auch heute noch bei Ihrer Arbeit?
Ja, natürlich. Journalisten sind von Hause aus wißbegierig. Das ist eine gute Voraussetzung, um nach vielversprechenden neuen Aktien zu suchen. Als Journalist ist man aber auch vom Nachrichten/Informations-Virus befallen. Alle diese Eigenschaften sind sehr hilfreich. Aber um ein erfolgreicher Fondsmanager zu sein, muß man selbstverständlich auch wissen, wie ein Portfolio strukturiert und das Risiko des Depots gemessen wird. Beispielsweise ist der Nestor France seit eineinhalb Jahren zu 30 Prozent in Ölaktien investiert, also schon bevor der Ölpreis begann zu steigen.
Von Oktober 2000 bis Mitte 2002 haben Sie sich eine Auszeit genommen. Was war der Grund und warum haben Sie sich zu einem Comeback entschlossen?
Die Pause habe ich mir selbst gegönnt. Die Zeit habe ich dazu genutzt, mich mit „Small Caps Services“ einer Web-Seite zu widmen, die Echtzeit-Informationen und eine Online-Datenbank zur Analyse von Nebenwerten im Internet anbietet. Letztlich habe ich mich aber dann doch wieder dazu entschieden, zu Nestor zurückzukehren. Jetzt habe ich einen für die Branche typischen Einjahresvertrag, der eine automatische Verlängerungsklausel beinhaltet. Was mich angeht, so ist es meine Absicht, langfristig Manager des Fonds zu bleiben.
Mit Ihrem Fonds ist es Ihnen gelungen, noch besser abzuschneiden als ein zuletzt gut gelaufener Markt. Was machen Sie besser?
Mit einer Wertentwicklung von rund zehn Prozent über dem Vergleichsmaßstab hat sich der Fonds im Juni sehr gut geschlagen. Mit einem Monatsplus von zwölf Prozent rangierten wir sogar auf Platz eins unter allen in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Fonds. Unser eigentliches Ziel ist es aber, langfristig gut abzuschneiden. Wir haben den Fonds 1997 zu 45 Euro aufgelegt. Jetzt notiert er bei 171 Euro. Im Dreijahresvergleich rangieren wir mit einem Plus von 121 Prozent auf Platz zwei unter den 240 Frankreich-Fonds, die ein Listing in Frankreich haben. Inzwischen notiert der Fonds sogar deutlich höher als während der Internet-Blase im Jahr 2000. Aus meiner Sicht profitieren wir im Wettstreit mit der Konkurrenz von einer guten Auswahl der Einzeltitel und unserem Fachwissen auf dem Gebiet der Nebenwerte. Im übrigen schneiden französische Nebenwerte-Fonds traditionell gut ab.
Es heißt, ein Teil Ihres Erfolges beruhe auf einer detaillierten Nebenwerte-Datenbank. Was zeichnet diese aus und welche Daten sind für Sie besonders wichtig?
Über viele Jahre hinweg habe ich für über 400 Aktien eine sehr detaillierte Datenbank aufgebaut. Ich denke, dadurch wurde mein eigener Investmentstil geprägt, aber auf eine etwas paradoxe Weise. Denn es stellte sich heraus, daß bei einer nur auf qualitativen Kriterien wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis, dem Unternehmenswert oder dem Kurs-Gewinnwachstum-Verhältnis aufgebauten Analyse nur Aktien herausgefiltert werden, die zwar günstige Preise zu bieten haben, aber auch dürftige Perspektiven, die nur wenige Insider bereits kennen, nicht aber der Markt.
Auch deswegen pflege ich die Datenbank heute nicht mehr. Heute kaufe ich lieber schöne Stories, die großes Potential versprechen und verfolge die Entwicklung dieser Aktien mit elementaren charttechnischen Hilfsmethoden. Meine Aufgabe sehe ich darin, nicht 400 Aktien zu verfolgen, sondern fünf bis zehn Aktien ausfindig zu machen, die das Zeug dazu haben, drastisch besser als der Markt abzuschneiden. Außerdem ist es heute so, daß über das Internet alle Kennziffern jederzeit verfügbar gemacht werden.
Was muß eine Aktie mitbringen, damit Sie Ihnen gefällt und was disqualifiziert aus Ihrer Sicht eine Aktie als Anlagealternative?
Mit über 30 Titeln im Portfolio bin ich automatisch gut diversifiziert. Deshalb besteht mein erstes Ziel darin, fünf bis zehn Aktien mit enormen Potential, aber gleichzeitig vergleichbar niedrigen Risiken ausfindig zu machen. Die Unternehmen müssen spannende Geschichten zu bieten haben, etwa neue Produkte, neue Tätigkeitsfelder oder sich wie die Ölgesellschaften in einer neuen volkswirtschaftlichen Welt bewegen. Spielen lassen sich auch Restrukturierungen, aber nicht zu frühzeitig, um die Risiken möglichst gering zu halten.
Langweilig finde ich es dagegen, in eine Aktie nur deswegen zu investieren, weil das Wachstum statt zehn Prozent zwölf Prozent betragen hat. Mein zweites Ziel ist es, auf sichere und bekannte Wachstumsaktien zu setzen. Etwa im Medizintechnikbereich auf Titel wie Stallergenes oder Stedim. Oder im Energiesektor auf Versorgerwerte wie Poweo und Sechilienne. Generell meiden wir Aktien, die keine besonders attraktiven Perspektiven aufzuweisen haben, bei denen neutrale oder schlechte Nachrichten zu erwarten sind oder sich einfach ungünstig im Kurs entwickeln.
Wie erklären Sie die momentan gute Verfassung der Weltbörsen und wo sehen Sie Chancen und Risiken?
Nachdem die Erholung des Marktes nun schon seit über zwei Jahren läuft, ist klar, daß die größten Chancen bereits hinter uns liegen. Wir haben uns darauf konzentriert, neue Gelegenheiten ausfindig zu machen und bei einem Anlage-Universum von über 800 Aktien finden sich immer neue Schnäppchen. Das hat es uns ermöglicht, seit Jahresanfang eine Wertsteigerung von über 40 Prozent zu erzielen. Gleichzeitig ging es mir aber auch darum, gewisse Sicherungsmaßnahmen vorzunehmen, um für möglicherweise durch die angespannte Situation auf den Energiemärkten verursachte Krisen gewappnet zu sein.
Welche Sektoren gefallen Ihnen derzeit am besten?
Ich halte meinen Energie-Aktien die Treue. Die große Nachfrage aus China und Indien sowie der näherrückende Zeitpunkt, an dem die weltweite Ölproduktion ihren Höhepunkt überschreiten und nachfolgend zu sinken anfangen wird, dürften für einen langfristig weiter hohen Ölpreis sorgen. Ich bin an der Londoner und Pariser Börse in etlichen Explorationswerten engagiert. Mein Gedanke dabei ist, von den hohen Ölpreisen und neuen Ölfunden zu profitieren. So hat das französische Unternehmen Maurel & Prom im Kongo ein großes Ölfeld entdeckt und das exklusive Recht, nach weiteren Ölvorkommen in diesem Land zu suchen. Sie sind zudem in Gabun, Kolumbien und Venezuela aktiv. Wir investieren auch in London gelisteten Explarationsfirmen wie Tullow Oil, Dana Petroleum, Premier Oil oder Burren. Zudem kaufe ich Zulieferer für die Ölindustrie wie Groupe Bourbon oder Geophysique.
Wie heißen Ihre Favoriten unter den Einzelwerten?
Mein Favorit ist Artprice.com, der erste weltweite Marktplatz für Kunst. Diese Firma hat eine gigantische Datenbank über Kunstauktionen und das Unternehmen ist dabei, den Kunstmarkt zu einem „normalen“ Markt zu machen. Jeder Künstler hat eine Nummer, ebenso jedes Bild oder jede Skulptur. Seit Februar läuft mit großem Erfolg eine Werbekampagne. Auf der Seite finden sich momentan 15.000 Werbeanzeigen für Kunstgegenstände mit einem Gesamtwert von 600 Millionen Dollar. Artprice kreiert auch Marktplätze für Besitzer von Kunst-Gallerien, Auktions-Experten oder Künstlern. Auf der Welt gibt es mehr als eine Million Künstler. Alle sprechen English und 99 Prozent nutzen das Internet. Es ist einfach, das große Potential dieser Aktie zu erkennen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |