26.06.2006 · Robin Batchelor und Poppy Buxton führen gemeinsam die bedeutendsten Energiefonds der Welt. Ein Drittel des Geldes entfällt auf den Bereich der erneuerbaren Energien. Über Trends und Chancen sprachen sie mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Robin Batchelor und Poppy Buxton sind als Duo eine Marke. Gemeinsam führen sie die bedeutendsten Energiefonds der Welt. Sie verstehen sich so gut, daß der eine Sätze des anderen vollenden kann. Insgesamt verwalten sie für Merrill Lynch Investment Managers zehn Milliarden Dollar. Davon entfällt ein Drittel auf erneuerbare Energien.
Der MLIIF New Energy Fund (Isin LU0124384867) wurde bereits 2001 aufgelegt. Aufgrund der langen Historie und der großen Erfahrung fließen dem Fonds nun bedeutende Summen auch aus Deutschland zu. In drei Jahren gewann die Dollar-Variante bis Ende Mai 183 Prozent. Das Flaggschiff der beiden ist der MLIIF World Energy Fund (Isin LU0122376428), der auch 2001 aufgelegt wurde. Er investiert vor allem in Öl- und Ölservicefirmen. Dieser Fonds stieg in drei Jahren um 178 Prozent.
Solarworld aus Bonn ist einer Ihrer Favoriten. Kürzlich fiel die Vorzeigeaktie der Solarbranche um ein Drittel. Geht die Sonne nun unter?
Nein, Sonnenaktien sind sehr stark gelaufen, Solarworld sogar fantastisch. Viele wurden jedoch mit dem 30- bis 50fachen ihrer Jahresgewinne gehandelt. Das ist ziemlich teuer. Eine Atempause tut der Branche gut. Ich habe zwar noch immer Solaraktien, aber ich ziehe mein Geld zur Zeit aus der Solarbranche auch schon zurück und investiere anderswo.
Aber Sie bleiben alternativen Energien treu. Warum investieren Sie so stark?
Weil Sonne, Wind oder Biokraftstoffe der am schnellsten wachsende Teil des Energiemarktes sind. Diese Branchen entwickeln sich so rasant, weil die Umweltanforderungen steigen, weil manche Technik mit den höheren Energiepreisen nun wirtschaftlich ist und weil wieder viel mehr Wert auf eine sichere Energieversorgung gelegt wird. Im Gegensatz zu Öl sind erneuerbare Energien oder Kohle in den Industriestaaten reichlich vorhanden.
Welche Solarfirmen mögen Sie?
Ich achte auf die Wertschöpfungskette und überlege, ob ich lieber in Silizium, Zellen oder Modulen sein möchte. Solarworld-Chef Frank Asbeck zum Beispiel hat einen guten Job gemacht, weil er sein Unternehmen sehr flexibel und breit aufgestellt hat. Er kann schnell auf Marktengpässe reagieren. Das zahlt sich nun aus.
Schafft die Solarbranche in den nächsten zehn Jahren Wachstumsraten von 25 bis 30 Prozent?
Der Markt ist bisher mit mehr als 20 Prozent pro Jahr gewachsen. Jede Gesellschaft in so einer Branche sieht natürlich ziemlich gut aus. Auch in den kommenden zehn Jahren werden wir ein aufsehenerregendes Wachstum erleben.
Wo sehen Sie die besten Chancen für alternative Anleger?
Als Fondsmanager versuche ich, Trends früh zu erkennen und mögliche Gewinner zu identifizieren. Ich investiere nun in Unternehmen, die Kohle verflüssigen und dann Treibstoff herstellen. Keine neue Technik, aber erst ab einem Ölpreis von 35 Dollar je Faß rechnen sich diese Verfahren. Der Markt ist noch klein, doch das Potential gewaltig.
Nur wenn der Ölpreis hoch bleibt?
Darin sehe ich nicht das größte Risiko. Entscheidend ist, daß Anlagen wirtschaftlich betrieben werden. Das schaue ich mir immer wieder vor Ort an, um ein Gefühl für die Prozesse zu bekommen.
Welche Unternehmen kaufen Sie?
Kleine Positionen nenne ich nicht. Viele dieser Aktien schwanken stark, das will ich nicht verstärken.
Großbritannien setzt wieder stärker auf Atomenergie. Sie auch?
Bis neue Kraftwerke gebaut sind, vergehen Jahrzehnte. Für mich ist der Rohstoff Uran interessant, weil dessen Angebot nicht von heute auf morgen vermehrt werden kann. Es wurde dort zu wenig investiert. Ich kaufe also Uranproduzenten, die neue Ressourcen haben, erschließen könnten und auch die notwendigen Lizenzen dafür bekommen dürften.
Was ist die beste Energie-Story?
Das ändert sich immer wieder. Energie an sich ist ein guter Platz für die Geldanlage. Es sei denn, man glaubt, daß die Weltwirtschaft in eine Rezession abgleitet. Es gibt viele Gesellschaften mit guten Reserven, die im Laufe der Zeit wertvoller werden, etwa Ölsandfirmen aus Kanada. Viele Ölservicegesellschaften sind interessant, weil die Ölgesellschaften nun massiv investieren werden.
Deren Kurse sind stark gestiegen.
Aber auch ihre Gewinne verdoppeln sich. Viele dieser Aktien können sehr stark schwanken. Ich versuche herauszufinden, welche steigen und welche fallen werden. Dafür bleibe ich nah an den Unternehmen dran und treffe regelmäßig das Management. Wenn die Kurse dann fallen, bin ich vielleicht schon ausgestiegen.
Wieviel hängt am Ölpreis?
Viel. Ich glaube, er wird hoch bleiben. Preise von 70 Dollar je Faß schon im Frühjahr haben viele Analysten nicht erwartet. 60 Dollar sind verkraftbar, ohne daß die Prognosen geändert werden müßten. Doch auch Ölpreise unter 60 Dollar bedeuteten nicht, daß die Energie-Story vorbei wäre.
Glauben Sie, daß die Ölpreise dauerhaft steigen und die Ölproduktion ihren Höhepunkt bald überschreiten wird?
Peak Oil! Eine faszinierende Debatte. Kein Zweifel, in einigen Ländern hat die Ölförderung schon die Spitze überschritten, 1972 in Amerika oder 1999 in Saudi-Arabien. Doch insgesamt ist der Höhepunkt noch nicht erreicht. Als Fondsmanager muß ich nicht entscheiden, ob schon 2006 oder erst 2020 die größte Menge Öl auf der Welt gefördert wird. Denn das meiste Geld mache ich mit Gesellschaften, die sehr umfangreiche, lebenslange Reserven haben. Dort positioniere ich mich früh.
Für einen Ölinvestor ist die Peak-Oil-Debatte vernachlässigbar?
Ja, viel wichtiger ist dies für neue Energien. Je früher man den Höhepunkt der Ölförderung annimmt, um so schneller sollte Geld in Öl-Alternativen fließen.
Was halten Sie von Biotreibstoff?
Reine Biokraftstoffe haben es schwer, weil es kaum Tankstellen dafür gibt. Lukrativer ist es, Bioethanol oder Biodiesel zu 5 bis 15 Prozent dem herkömmlichen Kraftstoff beizumischen. Das ist reines Raffinerie-Geschäft und skalierbar. Unternehmen, die dies tun, frage ich: Wie kontrolliert ihr die Kosten der Vorprodukte? Ist der Raffinerie-Prozeß effizient und habt ihr die Verkaufspreise im Griff? Solange die Unternehmen nicht in irgendeiner Weise ihre Wertschöpfungskette bestimmen können, bin ich nicht interessiert.
Wie interessant ist Bioethanol?
In Europa lohnt sich die Herstellung von Biodiesel mehr, um es herkömmlichem Diesel beizumischen. In Amerika dagegen ist es eher Ethanol, weil dies dort einen giftigen Stoff im Benzin ersetzt.
Und Biogas?
Ein schwieriger Markt. Um die Anlagen wirtschaftlich zu betreiben, sind die Vorprodukte entscheidend. An einem Platz rechnet sich eine Biogasanlage, an einem anderen nicht. Daraus eine Wachstumsstory zu machen ist aus meiner Sicht nicht so einfach.
Muß sich denn alles rechnen?
Aus Umweltschutzgründen würde ich kein Geld investieren. Ich manage keinen Umwelt- oder Ökofonds. Manches ist gut für die Umwelt, aber das ist kein Anlagemotiv. Ich mache Geld mit Energie.
Kurz- oder langfristig?
Anleger sollten in Jahren denken, Energieaktien sind sehr volatil.
Die Kurseinbrüche zeigen es. Sollte man jetzt investieren?
Mit dieser Antwort tue ich mich schwer. Mein Rat: Die Hälfte der Summe, die Sie anlegen wollen, sollten Sie jetzt investieren. Dann warten Sie ab, ob der Fondspreis steigt oder fällt. Sinkt er, können Sie nachschießen, weil Ihr Einstand günstiger ist. Zieht er an, ist es beruhigend, Geld gemacht zu haben.
Wieviel Prozent des liquiden Vermögens sollte man in traditionelle und neue Energien stecken?
Energie ist Standard, zehn Prozent des Weltaktienindex machen diese Werte aus und sogar 17 Prozent der Gewinne. Das ist eine Richtschnur. Alternative Energien sind irrelevant. 90 Prozent der Aktien sind in keinem Index.
Wie lange sollte ein Anleger bei Ihnen ausharren?
Wir wollen keine Investoren, die viel Geld kurzfristig parken. Fünf bis zehn Jahre sind ein guter Zeitraum. So mache ich es selbst auch.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |