28.07.2004 · Unentschlossene Börsen machen einen Blick auf jene Strategien interessant, mit denen sich mit Disziplin in allen Phasen Geld verdienen läßt. FAZ.NET unterhielt sich mit Long-Short-Manager Florian Homm von FM Limited.
Nach einem glänzenden Jahr 2003 ist die Lage an den Finanzmärkten allenfalls durchwachsen. Die Prognosen gehen in die verschiedensten Richtungen. Die Optimisten rechnen mit einem synchronen Wirtschaftsaufschwung weltweit und einer dadurch induzierten Börsenrally. Die Skeptiker können daran nicht glauben. Sie rechnen auf Grund der politischen und makroökonomischen Risken in Verbindung mit einem wirtschaftlichen Abschwung mit fallenden Kursen bei Aktien und auch Anleihen.
Fragt sich, was ein Anleger in diesem Umfeld tun kann. Möglicherweise sollte er einfach pragmatisch bleiben, schauen was kommt und flexibel darauf reagieren. Am besten in Kombination mit einer Reduktion der Risiken und konsequentem Risikomanagement. Wenn es gegen ihn läuft, sollte er schlicht und einfach nicht zulange zögern, sondern Konsequenzen ziehen.
Das ist genau das, was Hedge-Fonds-Manager auszeichnet. FAZ.NET unterhielt sich mit Florian Homm von FM Fund Management Limited über seine Meinung, Strategien und Ideen. Er hat mit seinen Long-Short-Fonds den Vergleichsindex in den vergangenen Monaten deutlich geschlagen.
Sie verwalten mehrere Hedge Fonds. Können Sie sie kurz charakterisieren?
Wir verwalten im so genannten Absolute Return Europe Fund etwa 200 Millionen Euro, er ist allerdings geschlossen. Daneben haben wir den European Catalyst Fund, mit einem Plus von acht Prozent in diesem Jahr und den Absolute Germany Fund, mit ein Plus von 21 Prozent in diesem Jahr. Beide sind noch offen für institutionelle und Private Anleger. Die Entlohung ist marktüblich: 1,5 Prozent plus 20 Prozent der Nettogewinne.
Welche Strategie verfolgen Sie?
Alle drei Fonds sind so genannte Long-Short-Fonds. Sie sollen in allen Börsenphasen Geld verdienen mit normalen Wertpapierkäufen und Leerverkäufen. Oder auch Pair-Trades, bei denen wir beispielsweise die Aktie von Hannover Rück kaufen und MLP dagegen leerverkaufen. Bei Shorts erwarten wir ein Minus von 20 bis 30 Prozent innerhalb kurzer Zeit. Longs sollten sich gleichzeitig halten oder steigen.
Mit welcher Einstellung beziehen Sie Ihre Positionen?
Wir suchen immer ein Chance-Risiko-Verhältnis von eins zu drei, ob short oder long. Nehmen wir die Hannover Rück als Beispiel, so denken wir, daß die mittelfristig ein Potential haben auf 32, 33 Euro. Gleichzeitig sehen wir ein Kursrisiko von zwei Euro. Das ist fundamental untermauert und auch von einer gewissen Markttechnik. Wir sind auch fokussiert auf Verlustvermeidung. Das führt dazu, daß wir bisher kaum Verlustmonate hatten. Das kann heißen, auf einer einzelnen Position die Verluste zu nehmen statt gegen die Entwicklung zu kämpfen.
Ist MLP nicht schon weit gefallen?
Ich glaube, man kann das laufende Jahr bei der Gewinnentwicklung auf Grund der steuerlichen Sondersituation bei den Lebensversicherungen nicht als Maßstab nehmen und sehe fundamental einen Gewinneinbruch im kommenden Jahr. Wir haben dann bei 75 Prozent der Geschäfte negative Sondereffekte, bei der Krankenversicherung wird der Minimalverdienst angehoben für die Privaten, die jungen Ärzte sind erst einmal in der gesetzlichen Krankenversicherung und der durchschnittliche Kunde hat 10.000 Euro auf dem Konto. Wie soll er da Schiffsbeteiligungen, Filmbeteiligungen oder Anteile an historischen Gebäuden kaufen?
Das heißt, die Wachstumserwartungen sind zu hoch?
Wenn drei Viertel meines Geschäftes in den kommenden Jahren gefährdet sind und ich auf Analystentreffen zweistellige Wachstumsraten prognostiziere und gleichzeitig sind andere Versicherer sehr zurückhaltend mit Voraussagen in diesen Bereichen, so ist das etwas verwegen. Auch der Strategiewechsel, nach dem 28 bis 30-jährige Berater mittelständischen Firmen Pensionspläne verkaufen sollen. Dazu kommt nach wie vor eine gewisse Intransparenz und eine hohe Bewertung.
Sieht das bei anderen Dienstleistern in diesem Bereich nicht ähnlich aus, etwa AWD?
AWD ist nicht so lebensversicherungslastig. Das Unternehmen hat eine offenere Plattform. Wir finden auch MPC Capital interessant, sind dort früh eingestiegen und haben mittlerweile ein paar Gewinne mitgenommen.
Andere Ideen?
Bei Indus ist mit dem Verkauf von Okin etwas Interessantes passiert. Sie hatten diese Beteiligung zu etwa 20 Millionen Euro gekauft und zu 100 Millionen verkauft, ein gutes Geschäft. Ich glaube, das ist der Startschuß zu einer Optimierung der Beteiligungen in den kommenden Jahren. Das Unternehmen zeichnet sich aus durch eine attraktive Dividendenrendite, die nach dem jüngsten Verkauf auch im laufenden Jahr gesichert ist. Das Management hat in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, daß es auch in schwierigen Zeiten 20 Prozent auf seinen Investments verdienen kann.
Was heißt das konkret?
Der innere Wert liegt bei 35 bis 39 Euro, während der Kurs bei etwa 23 Euro liegt. Und selbst wenn der Kurs bei 35 Euro wäre, läge die Dividendenrendite immer noch bei fast vier Prozent - da muß man sich nicht lange strecken, um einen Wert zu erkennen.
Sie hatten vor kurzem öffentlichen Ärger mit einer Short-Position bei einem Automobilvermieter, die Aktie ist trotzdem gefallen. Wie sieht es aus mit dem Risikomanagement?
Wir haben rigorose Stopp-Loss-Marken. Bei Handelspositionen 2,5 und fünf Prozent und bei Kernpositionen werden wir bei zehn Prozent nervös. Grundsätzlich tendieren wir im Moment aus Risikoaspekten zu hohen Cashbeständen. Denn wir investieren nicht gerne in mittelmäßige Positionen.
Das heißt, es gibt aktuell keine interessanten Anlagemöglichkeiten?
Der Markt weiß im Moment nicht, ob er nach unten oder nach oben will. Technisch und fundamental ergibt sich ein gemischtes Bild, bei dem das Kapital scheu wird. Ich wäre nicht überrascht, wenn die Märkte noch einmal fallen würden und durch die Unterstützungszonen durchbrechen, bevor so genannte Value-Investoren wieder mutiger werden. Für sie sind die Bewertungen noch nicht günstig genug.
Was müßte man sich danach ins Depot legen?
Wir würden weitere PGAM, Indus, Freenet und eher noch Mobilcom kaufen, aber auch weitere Hannover Rück.
Besteht nicht das Risiko, daß dort so etwas passieren könnte wie bei Converium?
Grundsätzlich kann man das bei solchen Unternehmen, die in der Transparenz Hedge Fonds ähneln, nie ganz ausschließen. Aber das Management der Hannover Rück ist mit seinem Anlagevermögen sehr smart umgegangen, wir vertrauen den Zahlen einigermaßen. Das dynamischste Unternehmen der Branche in Europa ist gleichzeitig das günstigste.
Was betrachten Sie eher kritisch?
Ohne es genauer analysiert zu haben, ist uns nicht klar, ob Karstadt noch alle Kleider anhat. Wieviel ist dort operativ verloren worden und wieviel Substanz ist noch da? Wir denken, daß das Unternehmen ein auslaufendes Modell ist, alleine schon, weil es keine klare Zielgruppe hat. Es wird weitere Marktanteile verlieren, hat hohe Fixkosten und ist stark verschuldet. Was für das Unternehmen spricht, das ist die Lage der Immobilien. Der so genannte „Break-up-value“ scheint relativ hoch zu sein - aber wir glauben nicht daran und sind die Aktie short. Mehr möchte ich nicht gerne sagen, sonst werde ich wieder angeschrieen oder verklagt.
Gibt es dafür eine Handhabe?
Die Leute sagen, Sie verteilen Ihre Meinung im Interview und legen nicht offen, daß Sie eine Position halten und kommen dann gleich mit Unterlassungsklagen. Dabei haben wir eine Art Hygienefunktion: Wir haben sehr früh bei MLP die sehr liberale Bilanzierungspraxis aufgedeckt und haben neben FJH auch bei WCM früh auf die Risiken hingewiesen. Wir werden verteufelt, dabei haben doch die Vorstände solcher Unternehmen die ganze Zeit die Unwahrheit verbreitet und kommen ungeschoren davon.
Zum Schluß: Welche Aktie wird uns alle positiv überraschen?
Ich glaube Pixelpark ist ein „Survivor“. Das Unternehmemen hat einen bekannten Namen und exzellente Kundenkontakte - aber keiner mag die Aktie. Ein typischer Fall von antizyklischem Verhalten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |