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Interview „Fonds mit gebrauchten Lebensversicherungen ist interessant"

30.07.2003 ·  Wer eine Lebensversicherung vorzeitig kündigt, wird oft über den Tisch gezogen. Ausweg: der Zweitmarkt. FAZ.NET unterhielt sich mit Jörg Flohr, Vorstand eines Fonds, der in gebrauchte Lebensversicherungen investiert.

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Deutschland gilt als das Land der Kapitallebensversicherungen schlechthin. Etwa 90 Millionen ausstehende Policen sprechen für die Popularität dieser Produkte. Dafür dürfte auf der einen Seite die steuerlich einseitige Vorzugsbehandlung mit verantwortlich sein, auf der anderen die vermeintliche Sicherheit, die sie bieten. Versicherungsunternehmen müssen eine gewisse Mindestverzinsung garantieren, gleichzeitig warben sie mit der Beteiligung an „attraktiven“ Anlageüberschüssen. Damit dürfte es zumindest vorerst vorbei sein.

Die Kehrseite des ausgedehnten Marktes ist die Tatsache, daß etwa 50 Prozent der Verträge nicht bis zum Ende bedient werden. Wer den Vertrag an die Versicherung zurückgibt, wird dabei nicht selten über den Tisch gezogen. Aber es gibt eine Alternative: den Zweitmarkt für gebrauchte Lebensversicherungen. FAZ.NET unterhielt sich darüber mit Jörg Flohr von Partner in Life in Luxemburg. Er ist Vorstand eines Fonds, der sich auf den Kauf gebrauchter Lebensversicherungen spezialisiert hat und damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt: eine schöne Rendite für die Anleger und einen besseren Preis für Lebensversicherungen.

Partner in Life - was ist das für ein Unternehmen und was macht es?

Wir sind eine Aktiengesellschaft die sich darauf spezialisiert, europaweit den Zweitmarkt von Lebensversicherungen abzudecken. Wir gestalten als Berater Anlagemöglichkeiten - zum Beispiel in Form eines Fonds -, die sich auf gebrauchte Lebensversicherungen beziehen. Vor allem Deutsche, weil es hier einen sehr breiten Markt mit interessanten Eigenschaften gibt.

Welche sind das?

In Deutschland gibt es etwa 90 Millionen Lebensversicherungspolicen, damit hat zumindest statistisch betrachtet so gut wie jeder Deutsche eine Lebensversicherung. Auf Grund der hohen Dichte werden gleichzeitig etwa 50 Prozent der Verträge während der Laufzeit storniert. Der Versicherer zahlt dann den so genannten Rückkaufswert aus.

Wie wird der ermittelt?

Das ist ein versicherungsmathematisch ermittelter Zeitwert, der aber in der Regel nicht alle bis dahin angefallen Gewinnanteile wirklich schon gutschrieben hat. Die Zuordnung zum einzelnen Versicherungsnehmer erfolgt in Deutschland oft erst in den letzten Tagen vor dem Ende der Versicherungslaufzeit.

Mit welcher Konsequenz?

Alle Verträge, die weit vorher gekündigt werden, kommen nicht in den vollen Genuß der vorher angesammelten Erträge.

Was macht der Zweitmarkt?

Der Zweitmarkt kann den Zeitwert höher ansetzen, weil der Zweitinvestor - in diesem Fall unser Investmentfonds - den Versicherungsvertrag erfüllt und die gebuchten, aber noch nicht realisierten Gewinne gutgeschrieben erhält. Die Differenz zwischen dem Zeitwert und dem rechnerischen Wert wird geteilt zwischen dem ursprünglichen Versicherungsnehmer und dem Zukunftsinvestor, also unserem Fonds.

Ist diese Idee neu?

Diese Idee gibt es in den Vereinigten Staaten schon sehr lange. Dort ist es gang und gäbe, dann, wenn man einen Vertrag nicht erfüllen kann, nach Alternativen zu schauen. In Großbritannien trat man Ende der der 80-er-Jahre in den Markt ein, der sich bis heute etabliert hat. Dort ist es sogar so, daß die Versicherungen den Kunden darauf hinweisen, daß eine Police am Zweitmarkt einen höheren als den Rückkaufswert hat.

Welche Vorteile soll ein Fonds, der in gebrauchte Lebensversicherungen investiert, bringen?

Erstens bieten die deutschen Lebensversicherungen eine Mindestverzinsung. Eine negative Wertentwicklung ist damit ausgeschlossen. Außerdem hat die Mehrheit der deutschen Versicherer eine sehr hohe Bonität. Darüber hinaus gibt es noch den „Protektor“, der einspringt, wenn eine Gesellschaft doch in Schwierigkeiten geraten sollte. Dazu kommt, daß eine Lebensversicherung nur eine bedingte Korrelation mit anderen Anlageklassen hat. Das kann zu einer Verminderung des Risikos in einem Portfolio genutzt werden. Daneben ist der Anleger nicht an die Restlaufzeit der Lebensversicherungen gebunden, sondern kann den Fonds jederzeit kaufen oder verkaufen.

Wie kommen Sie als Fonds an die Lebensversicherungen heran?

Wir arbeiten mit externen Partnern zusammen, die uns diese vermitteln. Das sind so genannte Zweitmarktbroker oder eine sich in Norddeutschland etablierende Policenbörse. Wir kooperieren aber auch mit Banken, die uns aus ihren Kreditabteilungen nach Preisen für Lebensversicherungen fragen.

Sie bezeichnen den Zeitmarkt für Versicherungen als Wachstumsmarkt. Wird es nicht so sein, daß die Versicherungen dem entgegenwirken und den Versicherungsnehmern bei Kündigung mehr zahlen?

Das könnte die Konsequenz sein, wenn die Versicherer keine Stornos mehr erhalten würden. Der Zweitmarkt ist für die Versicherer zweischneidig. Auf der einen Seite werden Stornos verhindert, aber auf der anderen sind Stornos ein gern gesehener „Nebengast“. Denn die Versicherungsunternehmen profitieren davon schon einmal ganz gerne, wie es bei uns der „Zukunftsinvestor“ tut.

Kann ich als Privatanleger ihren Fonds kaufen?

Der Fonds H&A Lux AsseKura - ISIN LU 156162967 - ist ein luxemburger Fonds, der in Deutschland nicht vom Bafin kontrolliert wird und deswegen nicht offen beworben werden darf. Er darf allerdings gekauft und beraten werden. Es ist ein so genannter „weißer Fonds, die Mindestinvestitionssumme liegt bei 10.000 Euro.

Wie hoch ist die Risiko-Renditeerwartung?

Wir siedeln den Fonds unter Risikoaspekten bei Staatsanleihen an. Bei der Rendite erwarten wir dagegen einen deutlichen Mehrertrag von 220 bis 250 Basispunkten im Vergleich mit einer Bundesanleihe. Statt vier Prozent unter Umständen 6,5 Prozent.

Das Gespräch führte Christof Leisinger

Quelle: @cri
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