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Interview “Die thailändische Börse ist sehr verlockend“

23.08.2003 ·  Eine durchschnittliche Rendite von 19 Prozent pro Jahr über die vergangenen 13 Jahre spricht für den Thailand-Hedgefonds von Quest Management in Bangkok. Fondsmanager Doug Barnett im FAZ.NET-Interview.

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Wie an vielen anderen Märkten zeigt der Trend an der thailändischen Börse zur Zeit nach oben. Mit 530 Punkten hat der Bangkok SET-Index am Donnerstag ein neues Vierjahreshoch etabliert. Alleine das zeigt schon, daß sich der Markt in der jüngeren Vergangenheit anders entwickelt haben muß, als der Rest der Welt. Denn dort gab es noch Anfang des Jahres massive Kursverluste zu beklagen.

FAZ.NET unterhielt sich mit Doug Barnett von Quest Management in Bangkok. Er verwaltet einen auf Thailand spezialisierten Hedgefonds der in den vergangenen 13 Jahren eine Rendite von etwas mehr als 19 Prozent pro Jahr erzielt hat. Das ist bemerkenswert, denn immerhin gab es Phasen, in denen der Markt massive Kursverluste verbuchen mußte. Und Leerverkäufe sind nur sehr bedingt realisierbar.

Sie erzielten mit ihrem Fonds in den vergangenen Jahren phantastische Renditen. Wie machen Sie das?

Wir gehen fokussiert vor und konzentrieren uns auf die Aktien von acht bis 14 Unternehmen, die gleichzeitig günstig bewertet sind und in ihrem Markt gute Wachstumschancen haben. Wir arbeiten dann auch eng mit dem Management dieser Unternehmen zusammen und helfen ihnen, ihre Erträge zu steigern und damit die Kurse.

In den vergangenen Jahren gab es Phasen, in denen der Markt stark fiel. Haben sie daran auch verdient?

Nein, wir setzen im Wesentlichen auf steigende Kurse. Wenn wir erwarten, daß der Markt fallen könnte, reduzieren wir unseren Aktienanteil deutlich zu Gunsten der Liquidität. Leerverkäufe sind nur bedingt möglich - schon gar nicht in der Dimension, in der wir sie bräuchten.

Die Börse Thailands hat seit ihrem Zwischentief im Jahr 2001 deutlich zugelegt und der SET Index liegt mit 534,81 Punkten auf einem Vier-Jahres-Hoch. Sind weitere Kursgewinne denkbar?

Im Moment kommen neue Gelder in der Markt. Die Aktien sind trotz der Kursgewinne immer noch günstig, da die Gewinne der Unternehmen oft schneller steigen als die Kurse. Aus diesem Grund gehen wir davon aus, daß der Markt noch deutlich weiter steigen kann.

Wie begründen Sie diese Einschätzung?

Noch bis vor drei Jahren hing Thailand vor allem vom Export elektronischer Güter ab. Ein Rückgang der Nachfrage stellte ein großes Problem für die Wachstumsperspektiven des Landes dar. Aus diesem Grund setzte sich der im Jahr 2001 neu ins Amt gekommene Ministerpräsident Thaksin Shinawatra über die Bedenken des IWF hinweg und begann die Binnenwirtschaft fiskalisch und geldpolitisch zu stimulieren.

Gleichzeitig haben die Thais in den vergangenen 40 Jahren sehr viel gespart. Das Verhältnis zwischen Krediten und Bankeinlagen betrug 0,6 Prozent. Mit dem weltweiten Fall der Zinsen ist auch die Verzinsung der Bankeinlagen von etwa zehn auf nun noch ein Prozent gefallen. Gleichzeitig hat die Regierung mit Steueranreizen dafür gesorgt, daß Investitionen in Immobilien interessant wurden. Das ist eine Schlüsselindustrie, weil dadurch andere Bereiche - Baumaterialien, der Bau selbst, die Möbelindustrie und andere - stimuliert werden.

Auf Grund der mageren Verzinsung der Ersparnisse haben viele Leute ihr Geld abgezogen und in Immobilien investiert. Damit lassen sich jetzt noch Renditen zwischen sechs und acht Prozent erzielen.

Die Börse profitiert davon nicht?

Doch, natürlich fließt auch viel Geld an die Börse, da gleichzeitig viele clevere Unternehmen mehr und häufiger Dividenden ausschütten. Wir schauen nicht primär darauf und trotzdem haben wir im vergangenen Jahr allein eine Dividendenrendite von etwa sechs Prozent erzielt.

Davon dürfte sicherlich die Baubranche profitieren?

Ja, die börsennotierten Immobilienunternehmen und Baustoffwerte profitieren. Die Unternehmen verdienen nicht nur gut, sondern auf Grund der tiefen Zinsen sind auch höhere Kurs-Gewinn-Relationen (KGV) gerechtfertigt. Wir mögen zum Beispiel Asian Property Development, Land and Houses und verschiedene Zementunternehmen, da sie die Preise um 30 Prozent steigern können.

Auch der Konsum und damit das Konsumkreditgeschäft ist stark. Davon profitieren vor allem kleinere Unternehmen wie Aeon Thana Sinsap oder Siam Panich Leasing, tätig im Autogeschäft. Allein die Anzahl der verkauften Autos ist auf Sicht eines Jahres um 25 Pozent gestiegen. Es gibt hier noch weitere interessante Unternehmen, aber die kann ich nicht nennen, weil wir selbst noch kaufen. Auch Wertpapierbroker dürften sich gut entwickeln. Insgesamt hat die Binnenwirtschaft deutlich an Bedeutung gewonnen, wir sind aber auch sehr stark engagiert in der Schiffahrt.

Geht diese Entwicklung so weiter?

Wir erwarten weiterhin sinkende Zinsen und ein starkes Konsumentenvertrauen. Das KGV unseres Kernportfolios liegt bei 4,9 und wir erwarten ein Gewinnwachstum von 25 Prozent. Das ergibt ein Verhältnis von fünf - und das eröffnet weiteres Potential nach oben. Bis zu 100 Prozent in den kommenden Monaten. Gleichzeitig enthält der Markt so etwas wie eine kostenlose Kaufoption. Die Binnenwirtschaft läuft gut und ist vernünftig bewertet, gleichzeitig verdienen die Exporteure momentan so gut wie nichts. Sollte jedoch das globale Wachstum anspringen, dann werden dort die Gewinne förmlich explodieren.

Was könnte die „Party“ beenden?

Wenn sich die Konsumenten zu stark verschuldet haben und den Konsum einschränken. Aber da sie in der Vergangenheit zu stark gespart haben, kann sie noch einige Jahre weitergehen. Wenn der exportabhängige Exportsektor noch mehr verdienen sollte, würde das die Party noch zusätzlich verlängern.

Wie stark hängt die Entwicklung in Thailand vom Rest der Welt ab?

Die Korrelation ist nicht sehr groß und sie wird immer geringer, da die Bedeutung der Exporte immer weiter abnimmt. Die der Börse liegt bei etwa zehn Prozent zum S&P 500 und bei 16 Prozent zum Morgan Stanley Global Index.

Wer investiert bei Ihnen?

Wir verwalten etwa 120 Millionen Dollar. Die Mehrheit sind Privatanleger, vor allem andere Fonds- und Hedgefondsmanager. Der größte ist Sir John Templeton, der zweitgrößte ist Julian Robertson, daneben noch drei Dachfonds und mehrere andere Privatanleger, vor allem andere Hedgefondsmanager.

Wie hoch ist der Mindestbetrag, den ich investieren müßte?

Das sind 100.000 Dollar. Ich denke der Zeitpunkt zum Einstieg wäre nicht schlecht. Die Volatilität ist hoch, aber über die kommenden Jahre sind nette Kursgewinne zu erwarten.

Das Gespräch führte Christof Leisinger

Quelle: @cri
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