Home
http://www.faz.net/-gvf-shdu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Interview „Die Märkte haben sich jetzt wieder gefangen“

03.06.2006 ·  Alexandra Richter, Fondsmanagerin des „Dit Osteuropa“, im Gespräch mit FAZ.NET über die Korrektur an den Ostbörsen, das Investment-Thema Schwellenländer und die Frage, warum Bank-Aktien zu Gewinnern gehören sollten.

Artikel Bilder (9) Lesermeinungen (0)

Alexandra Richter managt den Osteuropa-Fonds des Deutschen Investment Trusts (Dit). Im S&P-Fondssegment „Aktien Europa Emerging Markets“ liegt der „Dit Osteuropa“ auf Sicht von einem Jahr mit einem Wertzuwachs von 57 Prozent auf Rang 19 von 67.

In den vergangenen vier Wochen hat der Fonds zwar fast zehn Prozent eingebüßt, gehörte damit aber noch zu den besten und liegt auf Rang sieben (Isin IE0002715161). Die Charts in der Bilderstrecke zeigen die Wertentwicklung des Fonds und die einiger großer Positionen.

Im Gespräch mit FAZ.NET äußert sich Alexandra Richter zur Korrektur an den Ostbörsen, zum Investment-Thema Schwellenländer und zur Frage, warum Energie- und Bank-Aktien auch künftig zu Gewinnern gehören sollten.

Frau Richter, wenn Sie in diesen Tagen auf die osteuropäischen Märkte schauen, welches Gefühl haben Sie dann?

Trotz der Kursverluste habe ich ein ziemlich gutes Gefühl, da die fundamentale Situation weiterhin attraktiv ist.

Im Ernst? Der polnische Markt hat in den vergangenen Wochen die Gewinne des letzten halben Jahres eingebüßt, der tschechische liegt im Vergleich zum Jahreswechsel sogar im Minus, Ungarn ebenso. Rußland liegt zwar noch im Plus, der steile Aufwärtstrend ist aber gebrochen.

Ja, aber die fundamentale Situation ist unverändert. Die Volkswirtschaften sind stark in die Europäische Union integriert und haben einen enormen Aufholbedarf. Das Bruttosozialprodukt wächst, die Verlagerung der Produktionen nach Osteuropa hält an, Investitionen und Produktivität steigen. Die Kaufkraft der Bürger legt zu, deshalb steigt der Konsum. Dies wird sich auch in den Unternehmensgewinnen widerspiegeln und Einfuß auf die Kurse haben.

Na ja, irgend etwas muß sich ja verändert haben, sonst wären die Kurse nicht so eingebrochen.

Klar. Bedenken über die Einschränkung der globalen Liquidität haben zu Kursrückgängen geführt. Die Anleger sind vorsichtiger geworden, und es fließt nicht mehr so viel Geld in diese Länder. Die Märkte sind so gut gelaufen, daß ein Schritt zurück nicht verwunderlich war. Korrekturen gibt es immer wieder in diesen Märkten.

Der Schritt war allerdings der größte seit langem.

Das stimmt, und das Ausmaß der Korrektur hat uns auch überrascht. Aber das hatte nichts mit den Ländern zu tun, sondern mit der globalen Lage an den Finanzmärkten.

Ist die Korrektur denn schon beendet oder geht es in den nächsten Wochen noch mal runter?

Ich denke, daß sich die Märkte jetzt wieder gefangen haben. Wie gesagt: Fundamental spricht nichts dagegen, daß es wieder bergauf geht. Die Unternehmensgewinne steigen, und die Märkte sind noch vergleichsweise günstig bewertet.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis in Tschechien ist wesentlich höher als das der Dax-Werte. Günstig ist anders.

Sie müssen bedenken, daß die Gewinne entsprechend stärker wachsen. Für dieses Jahr wird den Unternehmen in Tschechien ein Gewinnwachstum von 40 Prozent prognostiziert, für 2007 rechnet man mit 30 Prozent. Jetzt scheint die Bewertung recht hoch zu sein, mit Blick auf das kommende Jahr ist der Markt aber attraktiver.

Manche Märkte sehen Beobachter inzwischen kritischer, weil die Politik nicht überzeugen kann. In Polen zum Beispiel regiert Europa-Skepsis.

Ja, die Politik in Polen ist nicht positiv für den Aktienmarkt. Aber die anderen Faktoren - Wachstum, Konsum, Gewinnsteigerungen - sind so dominant, daß die Politik nicht schadet. Außerdem haben Sie in Polen keine großen makroökonomischen Ungleichgewichte. Da hat uns in letzter Zeit eher Ungarn Sorgen gemacht.

Dort sind Handelsbilanz und Budget kräftig im Minus.

Genau. Aber die wiedergewählte Regierung hat versichert, die Probleme anzugehen. Deshalb sehen wir diesen Markt wieder positiver.

Sie haben es vorhin angesprochen: Die Anleger sind risikoscheuer geworden. Wieviel Geld ist aus Ihrem Fonds abgeflossen?

Die Mittelabflüsse aus unserem Fonds sind zu vernachlässigen. Wir sind froh, daß wir nicht in nennenswertem Umfang Titel zu niedrigen Kursen verkaufen mußten.

Noch ist nicht sicher, daß sich die Märkte wirklich wieder gefangen haben. Können Sie Anlegern allen Ernstes empfehlen, jetzt in die osteuropäischen Märkte einzusteigen?

Ich halte das Thema Schwellenländer nach wie vor für attraktiv. Das ist ein langfristiger Trend und keine Sache von einigen Monaten. Die günstigeren Kurse sind eine gute Einstiegsgelegenheit für diejenigen, die aufgrund ihrer Risikoneigung und ihres Anlagehorizontes grundsätzlich in Schwellenländern investieren wollen.

Dann hoffen wir mal, daß die Kurse nicht noch weiter fallen. Anderes Thema: Ihren Fonds könnte man auch „Energie- und Banken-Fonds“ bezeichnen. Mehr als ein Drittel der Gelder ist in Energietiteln investiert, mehr als ein Fünftel in Finanzwerten. Warum das?

Die Aktienmärkte in Osteuropa spiegeln nicht die gesamte Wirtschaft wider. Viele Unternehmen wurden nicht an die Börse gebracht, sondern anders privatisiert. An attraktiven Aktien finden wir zum Beispiel Pharma-Titel, Konsumwerte und natürlich Energie- und Bankaktien. Rußland spielt eine große Rolle in unserem Fonds. Dort dominieren die Öl- und Gaswerte. Und Banken sind in der ganzen Region sehr interessant, weil sie stark vom Wirtschaftswachstum profitieren. Zum Beispiel erwarten wir, daß die Kreditnachfrage der Privathaushalte weiter stark steigen wird. In diesem Segment sind die Zinsspannen für die Banken sehr attraktiv.

Die beiden größten Werte in Ihrem Portfolio haben sich gut entwickelt: Gazprom hat sich in den vergangenen zwölf Monaten verdreifacht. Lukoil hat sich mehr als verdoppelt. Hat da der Markt nicht schon viel der guten Aussichten vorweggenommen?

Nehmen Sie Lukoil. Das Unternehmen erschließt neue Ölfelder und besitzt Gasfelder. Ist das nicht eine hervorragende Ausgangsposition im jetzigen Umfeld?. Außerdem ist mit Conoco ein westlicher Investor eingestiegen, der für mehr Transparenz und höhere Standards sorgt.

Haben Sie keine Angst vor einem zweiten Yukos-Fall?

Nein, diese Gefahr sehen wir derzeit nicht. Klar, Rußland hat seine eigenen Gesetze, dort gelten andere Regeln bei den Geschäftsbeziehungen. Ein skeptischer Blick ist hier wichtig.

Das Gespräch führte Bernd Mikosch.

Quelle: FAZ.NET
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012
Tops & Flops Fonds Kurs Prozent

DWS Biotech Typ O

75,52 € +31,82 %

ESPA STOCK BIOTEC (T)

167,62 € +30,20 %

Allianz Biotechnologie A (EUR)

70,37 € +23,40 %

SEB Concept Biotechnology B

41,83 € +23,39 %

M&G Japan Smaller Companies Fund A

12,29 € +22,86 %

Delta Lloyd L New Energy Fund B

3,10 € −42,94 %

Earth Exploration Fund UI (EUR R)

34,20 € −45,89 %

Craton Capital Precious Metal Fund A

180,26 $ −48,05 %

KEPLER Öko Energien (T)

35,95 € −48,35 %

LUXEMBOURG SELECTION FUND - Asian Solar & Wind Fund A1

32,40 € −61,16 %
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%