01.07.2003 · Die Börsen haben jüngst eine exzellente Entwicklung an den Tag gelegt. Nicht ohne fremde Hilfe, denkt der technische Christian Plenz von Equinet Securities. Er rechnet mit einer deutlichen Korrektur.
Die Finanzmärkte haben in den vergangenen Wochen eine phantastische Entwicklung gezeigt. Der Rentenmarkt verbuchte zwischenzeitlich Rekordkurse, der Dax legte seit Mitte März in der Spitze 50 Prozent zu und auch der Euro zeigte sich gegen den Dollar stark. Nun zeigen sich jedoch gewisse Ermüdungserscheiungen und es stellt sich die Frage, wie es weitergeht.
FAZ.NET unterhielt sich aus diesem Grund mit Christian Plenz von Equinet Securities. Als Chef der technischen Analyse hatte er in der Vergangenheit eine gute Nase für die weitere Entwicklung.
Die Börsen legten seit März innerhalb kurzer Zeit massiv zu. Wird das so weitergehen?
Ich gehe davon aus, daß wir nicht mehr sehr viel weiter steigen, sondern wir werden eine Trendwende sehen. In den Vereinigten Staaten und im EuroStoxx dürften wir im Juni die Höchststände schon gesehen haben. Beim Dax bin ich mir noch nicht so ganz sicher, ob er Anfang Juli noch ein neues Hoch ausbilden wird.
Woran machen Sie das fest?
Zunächst läßt sich festhalten, daß im Mai alle Widerstandszonen überwunden wurden. Daraufhin haben wir ein Szenario entwickelt, wie weit es im besten Fall gehen kann und entsprechende Kursziele abgeleitet. Das waren im Dow Jones 9.350 Punkte und 1.015 Zähler im S&P 500. Und diese Ziele haben wir weitgehend erreicht.
Wie geht es weiter von hier?
Der Markt dürfte nun wieder nach unten drehen, allerdings dürften wir keine neuen Tiefststände mehr sehen. Denn es gibt starke Kräfte - zum Beispiel die Notenbanken -, die daran kein Interesse haben und teilweise auch intervenieren werden. Allerdings werden wir eine deutliche Korrektur haben, die sich beinahe über das komplette zweite Halbjahr hinziehen kann. Eine Seitwärtsbewegung mit teilweise starken Schwankungen ist sehr wahrscheinlich.
Was wäre eine denkbare Untergrenze?
Im Dow Jones sehe ich die bei 8.100 Zählern, im S&P 500 bei 880 und im Dax bei 2.600 Punkten, abgeleitet aus der Eliott-Wellen-Theorie. Es stellt sich allerdings immer auch die Frage, wann wir diese Niveaus erreichen. Sollte das innerhalb kurzer Zeit passieren, müßte das Szenario überdacht werden. Im Moment gehe ich davon aus, daß wir diese Marken im Herbst erreichen werden.
Als Anleger sollte ich jetzt also verkaufen und bei 2.600 Zählern wieder einsteigen?
Im Prinzip ja. Allerdings immer unter Berücksichtigung des Zeithorizonts. Sollte der Markt schnell stark „abschmieren“, könnten die Ziele in Frage gestellt werden. Wir haben bisher auf jeden Fall eine starke Übertreibung nach oben gesehen und man sollte die Kurse zum Ausstieg nutzen.
Die Stimmung in Europa wird langsam optimistisch und in Amerika ist sie der absolute Wahnsinn. Dort sind sowohl institutionelle als auch private Anleger so „bullisch“, wie wir es zuletzt im Jahr 2000 oder vorher vor dem 87er-Crash beobachten konnten. Und das ist zusammen mit der wieder sehr hohen Bewertung ziemlich bedenklich.
Sicher dürfte auch die Volatilität zunehmen, weil immer mehr Anleger nach dem „Absolute-Return-Ansatz“ agieren und sich schnell mit den Märkten mitdrehen müssen?
Sehr genau, das sehen wir auch bei unseren Kunden. Nicht wenige von ihnen haben gesagt, wir glauben zwar nicht, daß es weiter nach oben gehen wird und wir glauben nicht an die fundamental-volkswirtschaftliche Fundierung. Aber wir spielen die Aufwärtsbewegung mit, aber sobald es wieder nach unten geht, sind wir auch nach unten wieder voll dabei. Die ersten sind schon dabei, die Seite zu wechseln und eher wieder auf fallende Kurse zu setzen.
Sie sprachen vorhin Interventionen an ...
Wir wissen, daß es in Amerika zu staatlichen Wertpapierkäufen kam. Die waren mit dafür verantwortlich, daß es zur Trendwende kam und daß sich der Markt so stark entwickelt hat. Diese Interventionen kommen oft in der ersten und letzen Handelsstunde, nach schlechten Wirtschaftszahlen oder an entscheidenden technischen Marken. Der Markt wurde „hochgezogen“, um zu suggerieren, die schlechten Zahlen seien „eingepreist“. So wird eine positive Grundstimmung erzeugt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |