Home
http://www.faz.net/-gvf-qv2a
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Interview „Die Börse Vietnam hat einen Bewertungsaufschlag verdient“

 ·  Im Vergleich mit anderen Börsen weist der Aktienmarkt in Vietnam einen Bewertungsabschlag auf. Fondsmanager Pasikowski vom Vietnam Enterprise Investments Limited Fund hält das wegen des günstigen Umfelds für ungerechtfertigt.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die Börse in Vietnam gilt unter Anlageexperten zwar als hoffnungsvoller Markt. Fachwissen über diesen Finanzplatz ist hierzulande aber noch rar gesät.

Sehr gut mit den Gegebenheiten vor Ort kennt sich dagegen Alex Pasikowski aus. Schließlich ist er der Fondsmanager des von Dragon Capital aufgelegten Vietnam Enterprise Investments Limited (VEIL) Fund, dem größten Vietnam Aktienfonds. Um etwas mehr über den Exotenmarkt Vietnam zu erfahren, befragten wir Pasikowski zu seiner Meinung über den dortigen Markt.

Nach einem sehr guten Börsenjahr 2004 hinkt der vietnamesische Aktienmarkt in diesem Jahr hinterher. Was sind die Gründe dafür?

Das Augenmerk der lokalen Investoren konzentriert sich derzeit auf das Privatisierungsgeschäft und den OTC-Markt für unnotierte Unternehmen. Da spielt momentan die Musik. So sind einige der größeren Privatisierungen um fünf bis 30 Prozent gestiegen. Und die drei größten unnotierten Werte an der OTC, die Asia Commercial Bank, die Sacom Bank und Vinamilk haben im ersten Halbjahr um 48 Prozent, 18 Prozent und 21 Prozent zugelegt.

Das Sentiment an der Börse wird ansonsten dadurch etwas gedrückt, daß die Marktteilnehmer ein schnelleres Tempo bei den Privatisierungen erwartet hatten. Außerdem bleiben die Aktivitäten der lokalen und ausländischen institutionellen Anleger etwas hinter den Erwartungen zurück.

Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe für Investments in Vietnam?

Die wichtigsten Gründe sind die fünf folgenden Punkte:
1. Vietnam ist die in Asien nach China am zweitschnellsten wachsende Volkswirtschaft.
2. Die breit angelegten Reformen, die das starke Wachstum mit begünstigt haben, werden weiter vertieft.
3. Ein zunehmender inländischer Konsum, eine Ausweitung der Handelsbeziehungen und steigende Investitionen halten das Wachstum hoch.

4. Der Kapitalmarkt profitiert von diesen Entwicklungen, zumal auch dieses Segment weiter reformiert wird.
5. Die sich positiv verändernden Rahmenbedingungen sorgen für eine Neubewertung des Marktes und schaffen eine Vielzahl von Anlagechancen.

Mit einer Bevölkerung von 82 Millionen ist Vietnam zudem das vierzehntgrößte Land der Welt. 60 Prozent der Einwohner sind dabei jünger als 25 Jahre. Jedes Jahr drängen dadurch 1,4 Millionen Menschen auf den Arbeitsmarkt. Das begünstigt qualitativ gute Arbeit zu wettbewerbsfähigen Preisen.

Ihre Empfehlung dürfte folglich lauten, am vietnamesischen Aktienmarkt zu investieren, oder?

Investments in Schwellenländern bergen allgemein große Chancen. Allerdings sind die damit verbundenen Risiken stets hoch. Das gilt insbesondere für Vietnam. Unsere Fonds sind nicht für jeden Anleger geeignet. Sie richten sich an langfristig denkende Investoren, die überdurchschnittlich risikobereit sind. Sie sollten ein klares Verständnis davon haben, was es heißt, in Schwellenländern zu investieren.

Wie können Anleger in Vietnam investieren?

Ohne Büro vor Ort oder einem lokalen Vertreter ist es momentan noch sehr schwierig, direkt zu investieren. Es fehlt ganz einfach an der Infrastruktur, um grenzüberschreitende Transaktionen abzuwickeln. Institutionen wie wir haben unsere eigene Infrastruktur geschaffen. Aber auch bei uns hängt die Fähigkeit, vietnamesische Aktien zu handeln stark von unserer Präsenz in Vietnam zusammen. Wer hier ein Konto eröffnen möchte, der muß nach Vietnam kommen. Ist das Konto erst einmal eröffnet, kann man auch vom Ausland Aktien handeln.

Was sind Ihre Favoriten unter den Sektoren und den Einzelaktien?

Für uns sind derzeit Finanz-, Export- und Minenwerte sowie Exporttitel am interessantesten. Sobald sich der Telekomsektor öffnet, wäre auch das ein von uns präferiertes Anlageziel.

Im Bankenbereich gefallen uns insbesondere Asia Commercial Bank und Sacom Bank. Das sind die beiden größten Privatbanken. Unter den Exporttiteln zählt der größte private Hafenbetreiber Gemadept ebenso zu unseren Favoriten wie Savimex, ein Exporteur von Haushaltswaren. Im Minensektor setzen wir auf Tiberon Minerals. Diese Gesellschaft hat gerade die Lizenz zum Betrieb der außerhalb von China weltgrößten Tungsten Mine erhalten. Spannend finden wir außerdem Olympus Pacific Minerals, eine Explorationsgesellschaft, die im September die Goldproduktion aufnehmen wird. Diese beiden Unternehmen haben ein Listing in Kanada, sind operativ aber nur in Vietnam tätig.

Unter den Vertretern aus der Tourismusbranche bevorzugen wir Danao International Holdings. Diese Gesellschaft betreibt unter dem Namen von Accor unter anderem drei Hotels und wir halten über dem Veil-Fonds 45 Prozent der Anteile.

Was können Sie über die Bewertung des Marktes berichten?

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis beläuft sich auf 7,3 auf Basis der für 2005 geschätzten Gewinne und 6,4 auf für 2006. Gleichzeitig darf mit einem Gewinnwachstum von 15,3 Prozent und 13,8 Prozent gerechnet werden. Die Dividendenrendite ist für diese beiden Jahre auf 5,3 Prozent und 5,4 Prozent zu veranschlagen. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis kann auf 1,6 und 1,4 beziffert werden und das Kurs-Umsatz-Verhältnis auf jeweils 0,5 Prozent.

Was läßt sich über den Zustand des Immobilienmarktes berichten?

Der Immobilienmarkt ist einer der heißesten Märkte in Vietnam. Vor 1990 fand mit Immobilien praktisch kein Handel statt und es wird geschätzt, daß sich die Preise seitdem von einer allerdings sehr tiefen Basis aus verhundertfacht haben. Die wichtigsten Gründe für diese Entwicklung sind die Verabschiedung eines Gesetzes, das die Rechte der Landbesitzer regelt, die geringen alternativen Anlagemöglichkeiten, die hohe Bevölkerungsdichte sowie der geringe Raum an bebaubaren Flächen.

Die Nachfrage nach Wohnimmobilien ist sehr hoch. Allerdings führen die hohen Landpreise dazu, daß vornehmlich in Apartments investiert wird. Die Preise bewegen sich durchschnittlich zwischen 700 und 1.000 Dollar je Quadratmeter, wobei die Apartments im Schnitt zwischen 80 und 150 Quadratmeter groß sind. Die Baukosten betragen zwischen 300 und 400 Dollar je Quadratmeter, was den Bauträgern hohe Gewinnspannen läßt. Die Mietpreise betragen durchschnittlich 25 Dollar pro Quadratmeter im Monat.

Die steigende Nachfrage nach Büroimmobilien hat die Preise in diesem Sektor speziell in HCM City und Hanoi explodieren lassen. In Hanoi kostet ein Quadratmeter Büroraum 26 Dollar an Miete und in HCM City 27 Dollar. Das ist fast schon so viel wie in Singapur. Die Preise in HCM City sind die fünfthöchsten weltweit und das knappe Angebot dürfte die Preise sogar noch weiter steigen lassen.

Was sind die größten Risiken für den vietnamesischen Finanzmarkt?

Vietnam ist natürlich allen Gefahren ausgesetzt, die auch die anderen Weltbörsen jederzeit treffen können. Probleme könnte es außerdem bereiten, wenn 2005 die Aufnahme in die Welthandelsorganisation verpaßt wird. Ein Risiko besteht auch darin, daß es wegen dem anstehenden fünften Kongreß der kommunistischen Partei, auf dem ein neuer Premierminister ernannt und die Regierungsspitze ausgewechselt wird, im Vorfeld zu Verzögerungen bei den Reformen kommen kann. Eine Gefahr in einer aufstrebenden Volkswirtschaft wie der in Vietnam ist zudem immer die Fehlallokation von Ressourcen.

Vietnam ist noch immer ein Einparteienstaat. Rechtfertigt dieser Umstand keinen Bewertungsabschlag?

Vietnam ist zwar ein Einparteienstaat, aber was die meisten Leute nicht wissen, ist, daß die Vertreter des Nationalkongresses gewählt werden und 25 Prozent der derzeitigen Regierung unabhängige Parlamentarier sind und nicht Mitglieder der kommunistischen Partei. Wenn ich alle Argumente zusammennehme, die für Vietnam sprechen, hätte die Börse eher einen Bewertungsaufschlag verdient! So gilt Vietnam seit den Anschlägen vom 09. September als das sicherste Land überhaupt, man muß sich keine Sorge um politische Stabilität machen, es gibt keine religiösen oder ethnischen Spannungen und die Arbeiterschaft ist sehr motiviert und nicht auf Konflikte aus.

Wo sehen Sie den VN Index in den nächsten drei bis fünf Jahren?

Der absolute Stand des Index hat keine große Bedeutung, da wir in den nächsten fünf Jahren mit 300 und 400 Börsenneulingen rechnen und einer Marktkapitalisierung, die dann zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmachen sollte.

Das Gespräch führte Jürgen Büttner

Quelle: @JüB
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Emittenten-News
Anzeige
Für die Inhalte sind die Emittenten verantwortlich
Weitersagen
Fonds Top & Flops
Name Performance 1 Jahr
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Wertpapiersuche